07.08.2012

Besonderer Gebetsabend

„Nightfever“ mit Überraschung

Zum ersten Mal findet in Osnabrück am 15. September ein vom Bistum organisierter „Nightfever“-Abend statt. Dabei ist bis Mitternacht die St.-Johannis-Kirche zum Gebet geöffnet. Besonders junge Leute sind eingeladen, für wenige Minuten innezuhalten.

„Nightfever“ ist nach dem Kölner Weltjugendtag in Bonn entstanden. Ein Priesteramtskandidat und eine Theologiestudentin wollten den Geist der Kölner Tage erhalten, als viele junge Menschen sangen und beteten und die Kirchen bis tief in die Nacht gefüllt waren. „Nigthfever“ startet in der Regel mit einer Messe, danach ist das Allerheiligste in der Kirche ausgesetzt. Eine Schola macht Musik. Draußen werden Passanten eingeladen, eine Zeit in der Kirche zu verbringen. Sie können in Stille beten, eine Kerze entzünden, Fürbitten aufschreiben, einen Bibelvers mitnehmen, mit einem Priester sprechen, beichten oder sich segnen lassen. Seit Oktober 2005 gibt es solche Abende in ganz Deutschland.
Diözesanjugendpfarrer Michael Franke hat sich im vergangenen Jahr mit Interessierten getroffen, denn mehrere junge Leute hatten bereits den Wunsch geäußert, „Nightfever“ auch in Osnabrück anzubieten. „Ich finde die Idee gut“, sagt er. „Die Ästethik des Kirchenraums, die Musik, die Stille, das Kerzenlicht – das alles sorgt für eine besondere Zeit in der Kirche.“ Zugleich nimmt er auch kritische Stimmen ernst: „Auf der Straße werden Passanten angesprochen, die vielleicht wenig oder gar keine Beziehung zur Kirche haben. Und dann treffen sie mit der Eucharistischen Anbetung und der Beichte auf zwei spirituelle Kernbereiche der katholischen Kirche, die kaum noch Menschen vertraut sind“, sagt er.

Bis Weihnachten sind drei Termine vorgesehen

Wegen solcher Vorbehalte sind zunächst drei Termine bis Weihnachten vorgesehen. „Danach müssen wir sehen, ob die Form die richtige ist oder ob wir etwas verändern wollen“, so Franke. Das könne auch für die Kirche gelten, in der „Nightfever“ stattfindet. Anders als in Münster oder Paderborn, wo das „Nightfever“-Gotteshaus am Laufweg vieler Passanten liegt, sind sowohl St. Johann als auch der Dom ungünstig gelegen.

Ein Kernteam von sechs Mitgliedern hat die drei Abende (jeweils Samstag, 15. September, 13. Oktober, 8. Dezember) vorbereitet. Christian Wienhues, Johannes Söhn und Ursula Kaiping haben „Nightfever“ bereits kennengelernt, dazukommen Schwester Halina aus der Osnabrücker Gemeinde St. Joseph, Kaplan Dietmar Hagemann aus St. Johann und Michael Franke. „Wir werden an den Abenden als Ansprechpartner im Vorraum der Kirche zur Verfügung stehen, denn Neuankömmlinge werden sicherlich Fragen haben“, so Franke. Auf der Straße laden bis zu 20 junge Leute die Passanten ein, in die Kirche zu kommen und dort zum Beispiel ein Teelicht zu entzünden. „Das wird in großer Zurückhaltung geschehen, wir wollen niemanden überreden oder zwingen“, fügt Franke hinzu. In der Kirche singt eine Schola neue geistliche Lieder, die Mitglieder sind bereits am Proben. An den Seiten stehen Priester für ein Gespräch zur Verfügung. „Das kann sich um Gott und die Welt drehen und mit einem persönlichen Segen enden, das kann aber auch in die Beichte münden“, sagt Franke.

„Natürlich ist jeder eingeladen“

Ein Angebot für Jedermann? „Natürlich ist jeder eingeladen, aber wahrscheinlich wird nicht jeden diese Form ansprechen“, sagt Michael Franke. „Nightfever“ werde vor allem in konservativen Kreisen gerne als „das“ Instrument für die Neuevangelisierung betrachtet. In die Auseinandersetzung einer solchen Frage möchte Michael Franke gar nicht gehen. Er sieht es nüchtern: „Wir machen da jetzt mal ein Angebot, das manchen sicherlich überraschen wird. Und dann sehen wir weiter.“

Matthias Petersen

Weitere Informationen zu den Nightfever-Abenden im Internet: www.nightfever-online.de oder www.nightfever-osnabrueck.de