20.07.2016

Elisa Erpenbeck und Jannek Strack berichten aus Botswana und Israel

„Schlagen werde ich nicht"

Junge Menschen, die sich für einen Freiwilligendienst im Ausland entscheiden, wollen Grenzen ausloten, selbstbewusster werden und an ihren Erfahrungen reifen. Zwei von ihnen erzählen für den Kirchenboten ab August regelmäßig in einem Blog.

 

Wohin geht die Reise? Wegweiser im Sendungsgottesdienst zeigten es an. Bischof Franz-Josef Bode segnete die jungen Leute, die jetzt ein Jahr ins Ausland gehen und dort einen Freiwilligendienst leisten. Foto: Thomas Osterfeld

Tagsüber heißes und trockenes Wüstenklima, im Winter aber auch mal Nachtfrost. In den Koffer für Afrika muss also die ganze Bandbreite, die der Kleiderschrank hergibt: Luftiges und Leichtes ebenso wie etwas kuschelig Warmes. Die vorgeschriebenen Impfungen gegen Tollwut und Hepatitis hat Elisa Erpenbeck intus, das Visum ist längst beantragt. Die 18-Jährige ist gut vorbereitet auf ihr Auslandsjahr in Botswana. Ihre Reise führt sie in die Hauptstadt Gaborone – genauer gesagt in einen Vorort. Dort wird sie in einem Day Care Center der Caritas arbeiten und Vorschulkinder im Alter von zwei bis sechs Jahren betreuen. 
 

Elisa Erpenbeck aus Osnabrück unterrichtet
Vorschulkinder in Botswana. Fotos (2):
Anja Sabel

Kleinkinder – kein Problem für die junge Osnabrückerin. Sie hat sich mit Schnuppertagen und Praktika darauf vorbereitet. Dass die Kleinen aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommen,  Aids-Waisen sind oder selbst HIV-positiv – darauf wird sie sich erst einstellen müssen. Und auch auf die in afrikanischen Ländern übliche Praxis, Schüler zu schlagen. „Andere Freiwillige haben mir erzählt, dass die Kinder etwas auf die Finger zu kriegen, wenn sie nicht hören und das sie es gewohnt sind“, sagt Elisa Erpenbeck. Aber sie fügt gleich hinzu: „Das mache ich nicht. Ich werde mir andere Methoden überlegen, um mir Respekt zu verschaffen.“

Ihre Aufgaben: Sie wird mit den Kindern spielen, singen und ihnen auf Englisch Grundwissen beibringen zum Beispiel Zählen, das Alphabet, Wochentage, Monate sowie Verhaltensregeln. Eine Ordensfrau, die das Center leitet, ist ihre Ansprechpartnerin. Wohnen wird sie in einer Gastfamilie. Außerdem möchte sie einen Sprachkurs besuchen, um so gut wie möglich die Landessprache Setswana zu lernen.

Kalahari-Wüste und Okavango-Becken

Nach dem Abitur nicht gleich zu studieren, sondern ins Ausland zu gehen – das plant Elisa Erpenbeck schon lange. Vor dem „Abenteuer Afrika“ hat sie keine Angst. Botswana, zwischen Südafrika, Simbabwe, Sambia und Namibia gelegen, ist ein politisch relativ sicheres Land – und ein beliebtes Urlaubsziel. Botswana besteht zu 80 Prozent aus der Kalahari-Wüste, zum anderen gibt es in dem riesigen Okavango-Becken Hunderte von Tierarten, viel Wald und unzählige kleine Wasserwege, die sich zu Lagunen zusammenschließen. Elisa Erpenbeck freut sich deshalb auch darauf, das Land zu bereisen. Ein Besuch von Mutter und Bruder ist schon vereinbart.

Über ihre Arbeit mit den Kindern sagt sie: „Ich weiß, dass ich in dem einen Jahr nicht die Welt retten kann.“ Aber sie will von anderen lernen, an Erfahrungen reifen, selbstbewusster werden und herausfinden, wo ihre Grenzen sind. Und danach? Studieren. Vermutlich interkulturelle Kommunikation oder Ethnologie und Politikwissenschaften. Aber wer weiß, ob sich die Pläne nicht doch noch ändern.

Jannek Strack, 21 Jahre alt, hat sich schon festgelegt und im Juni eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger abgeschlossen. Seine ersten Berufserfahrungen sammelt er allerdings nicht zu Hause in Papenburg, sondern in Israel, wo er seinen Freiwilligendienst leistet. Sein Einsatzort ist Kfar Tikva – das Dorf der Hoffnung. Es liegt 20 Kilometer östlich von Haifa, im Norden des Landes. Israelische Familien mit behinderten Kindern gründeten es in den 60er Jahren mit Hilfe deutscher Volontäre. Und diese Tradition der Freiwilligen setzt sich bis heute fort.
 

Jannek Strack aus Papenburg betreut
in Israel behinderte Menschen.

Zur Dorfgemeinschaft gehören etwa 200 Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen. Die meisten leben allein oder zu zweit in eigenen Häusern und arbeiten auch im Dorf. Jannek Strack hofft, sich so schnell wie möglich zu integrieren. Mit anderen Freiwilligen aus Deutschland wird er einer Wohngemeinschaft leben und auch auf junge Israelis treffen. Er ist aber der Einzige aus dem Freiwilligenprojekt des Bistums Osnabrück.

Nachrichten aus Israel verfolgt er intensiv

Und was genau kommt auf ihn zu? „Mir werden drei bis vier Bewohner zugeteilt, die ich einzeln betreue. Ich helfe ihnen bei der Körperpflege, im Haushalt und unternehme auch in der Freizeit etwas mit ihnen“, zählt er auf. Außerdem wird Jannek Strack in den Werkstätten mitarbeiten, im Garten oder in der Tierpension. Und – nicht zu vergessen – einen dorfinternen Hebräischkurs besuchen. Er kann einfache Sätze sprechen, die ihm ein Pastor aus Leer in einigen Unterrichtsstunden seit Februar beigebracht hat. Er will aber unbedingt Fortschritte machen.

Nachrichten aus Israel verfolgt Jannek Strack jetzt intensiver als sonst. In den vergangenen Monaten kam immer wieder zu vereinzelten terroristischen Angriffen – zwar überwiegend in der Westbank und in Ost-Jerusalem, aber seine Familie, sagt der 21-Jährige, lasse ihn trotzdem nur mit gemischten Gefühlen ziehen. „Dort, wo ich bin, ist es aber ruhiger als in den Konfliktgebieten“, erklärt er. Dennoch möchte er auch reisen, um Land und Leute kennenzulernen. Er ist zuversichtlich, auch schwierige Situationen meistern zu können. Vor allem im Dorf Kfar Tikva. Denn auf die Frage, mit welchen Menschen er am liebsten arbeitet, sagt er ganz souverän: „mit Erwachsenen, die eine Schwerstmehrfachbehinderung haben“.

Anja Sabel

 

Zur Sache

20 junge Frauen und sechs junge Männer aus dem Bistum Osnabrück machen sich in den kommenden Wochen auf den Weg zu einem einjährigen Freiwilligendienst im Ausland (FDA). Sie reisen unter anderem nach Uganda, Ghana, Peru und Indien. Das Bistum Osnabrück startete das Projekt „Freiwillige Dienste im Ausland“ im Jahre 1999. Junge Männer und Frauen lernen dabei die Kirche und Kultur in Afrika, Asien, Lateinamerika oder in Russland kennen, arbeiten beispielsweise in Straßenkinderprojekten, in Pfarrgemeinden, Bildungshäusern und sozialen Einrichtungen. Für den Kirchenboten berichten Elisa Erpenbeck und Jannek Strack ab Mitte bzw. Ende August in einem neuen Blog

Weitere Informationen unter www.alltagshelden-gesucht.de