01.12.2011

Kindergarten St. Josef hat eine eigene Vätergruppe

„Wir sind stolz auf unsere Väter“

Das haben nicht alle Kindergärten: einen „Väterstammtisch“. Deshalb darf St. Josef in Lingen-Laxten stolz auf diese Gruppe sein. Doch der Name täuscht ein wenig. Denn die Papas treffen sich nicht zum Bier in der Kneipe. Sondern sie organisieren Projekte für ihre Kinder.

Was sie schon alles gemacht haben, erzählen Frank Lodde, Stefan Frerich und Michael Haar mit einer Begeisterung, die längst andere Väter angesteckt hat. Das war der Besuch bei der Erdölraffinerie in Holthausen und bei der Feuerwehr. Oder die große Fahrzeugausstellung rund um den Kindergarten – mit Müllfahrzeug, Polizeiautos und Krankenwagen. Überall durften die Kinder hineinklettern, alles anschauen, ausprobieren, mitfahren – und so ein Stück der Arbeitswelt ihrer Papas kennen lernen.

Im vergangenen Jahr hat der „Väterstammtisch“ ein „Insektenhotel“, in diesem Jahr eine kleine Herde Holzponys für St. Josef gebaut. Und im Advent gehen sie ins Kino und auf den Weihnachtsmarkt. Von den Projekten gibt es im Internet viele Fotos auf der Homepage der Vätergruppe. Sie zeigen, mit wieviel Spaß und Einsatz die Männer dabei sind. „Wir sind richtig stolz auf unseren Väterstammtisch“, sagt Kindergarten-Leiterin Anne vor dem Brocke. „Das haben andere Kindertagesstätten nicht.“

Den Anstoß dazu hatte vor drei Jahren das erste Laxtener Elternforum gegeben – mit dem Ziel, besonders die Kindergarten-Väter anzusprechen. Dabei wurde zum Beispiel deutlich, dass einige sich gerne stärker beteiligen möchten: weniger vielleicht im Elternbeirat als mehr praktisch. Und so kamen zum ersten Väterabend gleich 20 Teilnehmer – gründeten wenig später einen „Stammtisch“. „Angefangen haben wir mit zwölf Leuten. Heute sind wir fast 30“, sagt Frank Lodde. Alle sechs bis acht Wochen treffen sie sich: um neue Projekte für St. Josef zu planen und umzusetzen, aber auch, um zu klönen. Und viele Papas halten daran fest, wenn ihre Kinder längst in die Grundschule gewechselt sind.

Woran das liegt? Die Männer finden es gut, dass sie über diese Gruppe mehr Anteil am Leben ihrer Kinder bekommen. Denn alle Väter bedauern, dass der Beruf ihnen meist viel zu wenig Zeit für das Spielen, Toben, Bauen, Basteln mit ihren Söhnen und Töchtern lässt. „Wir können uns so auch mehr im Kindergarten einbringen“, sagt Michael Haar. „Und solche Aktionen wie bei uns, das macht man Zuhause eben nicht.“

Noch etwas anderes hält die Männer zusammen: Sie verstehen sich einfach gut. „Wir hätten uns ja sonst gar nicht kennen gelernt“, sagt Frank Lodde. Und erzählt begeistert, wie toll die Produktion der Holzponys geklappt hat. Der eine Vater kann gut mit Handwerkzeug umgehen, der andere besser organisieren. „Jeder kann sein Talent einbringen. Bei uns ist eine ungeheure Dynamik drin.“ Das Material dafür bekommen sie oft von Sponsoren.

Pfarrer Martin Trimpe, der den Väterstammtisch immer wieder begleitet, findet die Initiative „richtig prima“. Er freut sich, dass die Männer dadurch im Kindergarten stärker präsent sind – das hält Trimpe mit Blick auf die oft beklagte Feminisierung in Kindertagesstätten und Grundschulen für wichtig. Wenn er an den Treffen teilnehmen kann, erlebt er „ein schönes Miteinander und eine große Offenheit“. Manchmal zuckt es ihm fast in den Händen, bei den Aktionen selbst mit zu machen. „Ich spring da rein und fühle mich immer wohl.“

Infos zum Väterstammtisch unter /www.kigavaeter-laxten.de

Petra Diek-Münchow