26.10.2017

Krankenhausseelsorge wirbt mit provokativen Sprüchen

„Wir spenden keinen Trost"

Im Borromäus-Hospital in Leer hängen auffällige Plakate in den Farben Pink, Grün und Türkis. Sie sollen auf die Arbeit der Krankenhausseelsorge aufmerksam machen – mit provokativen Sprüchen.

Geschäftsführer Dieter Brünink (r.) und Pflegedirektor Andreas Dörkßen freuen sich über die Plakat-Idee von Pastorin Susanne Eggert (l.). Auch Pastoralreferentin Helen Reiners findet die Aktion gut. | Foto: Borromäus-Hospital Leer

Die Sätze auf den Plakaten fallen sofort auf: „Wir spenden keinen Trost“, Wir reden nicht vom lieben Gott“ und „Wir machen nichts“. Und diese Aussagen sollen ausgerechnet von der Krankenhausseelsorge stammen? „Richtig!“, sagt Pastorin Susanne Eggert, evangelische Seelsorge-r­in im Borromäus-Hospital und Ideengeberin der Aktion.

„Ich werde häufig gefragt, wie die Arbeit der Krankenhausseelsorge aussieht, aber auch oft mit Vorurteilen oder Plattitüden konfrontiert.“ So protestiert sie vehement dagegen, Angehörigen „Trost zu spenden“, wie es häufig heißt. „Wie kann ich jemandem Trost spenden, als hätte ich dies in meiner Hosentasche parat?“, fragt Eggert erstaunt. Spenden könne man nur, was man selbst besitzt und teilen kann – wie Geld oder Kleidung. Wenn etwas von dem Team der Krankenhausseelsorge gespendet würde, dann Zeit, Aufmerksamkeit und ein offenes Ohr. „Im Idealfall empfindet man unser Gespräch oder einfach nur unser Beisein als Trost – das ist auch für uns wie ein Wunder“, sagt sie.

Bereits 300 Plakate angefordert

Obwohl die Plakate erst seit kurzem auf den Stationen und im Eingangsfoyer des Leeraner Hospitals hängen, erregen sie Erstaunen und Verblüffung bei den Betrachtern. Neben den Sprüchen erläutern kurze Absätze auf den Postern, was mit den Aussagen gemeint ist. Darüber hinaus liegt eine Broschüre aus, die in gut verständlichen Texten über Aufgaben und Arbeitsweisen der Krankenhausseelsorge aufklärt und zum Gespräch einlädt. Die Texte der Plakate und Broschüre stammen von Susanne Eggert, die Grafik hat Petra Hille-Dallmeyer übernommen.

„Die Arbeit der Krankenhausseelsorge ist für uns sehr wichtig. Wir freuen uns über das Engagement, neue Wege zu gehen“, so Borro-Geschäftsführer Dieter Brünink. Das Team im „Borro“ besteht aus den evangelischen Pastorinnen Susanne Eggert und Etta Kumm sowie der katholischen Pastoralreferentin Helen Reiners. Die Idee finden alle gut.

Ebenfalls davon überzeugt zeigt sich die reformierte Kirche in Leer. Sie kümmert sich als Herausgeberin um den Druck der Unterlagen. Bereits 300 Plakate und 1000 Broschüren wurden schon aus verschiedenen Orten in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern angefordert. (kb)

Interessierte können sich das Material für den Eigenbedarf bestellen: www.reformiert.de