20.12.2012

Männer backen Neujahrswaffeln für guten Zweck

10.000 Piepkuchen für Spelle

Wenn jetzt in Spelle Neujahrshörnchen auf dem Tisch stehen, stammen viele davon garantiert von den „Piepkuchen-Bäckern“. Die sechs Männer haben 10 000 knusprige Waffeln selbst gebacken und verkauft. Den Erlös bekommt die Hospizhilfe.

Immer der Nase nach, so geht es zu den Neujahrshörnchen. Der verlockende Duft führt direkt ins Wohnzimmer von Pfarrer Johannes Wübbe. Dort sitzen die Männer rund um einen Tisch und backen, was die zwölf glühenden Eisen hergeben. „1000 Stück wollen wir heute Abend schaffen. Aber bei uns heißen sie Piepkuchen“, sagt Stefan Heeke, gießt die nächste Kelle Teig ein – und beweist, dass Männer doch mehrere Dinge gleichzeitig machen können. Wie im Akkord bedient er vier Geräte nebeneinander – und erklärt obendrein, woher der Name „Piepkuchen“ kommt. Wenn die Waffeln früher auf offener Flamme ausgebacken wurden, ertönte ein hohes Fiepen.

Die Speller Piepkuchen-Bäcker – das sind Andreas Brüggemann, Stefan Heeke, Klaus Sändker, Reiner Baltes, Martin Rekers und Andreas Teders. Schon im vierten Jahr bereiten sie die Hörnchen zu, treffen sich dafür zu ebenso langen wie lustigen Back-Abenden reihum zu Hause. Dabei wird nix dem Zufall überlassen: Drei Männer backen mit zwölf Eisen, zwei rollen, einer packt weg – wie am Fließband. Starkstrom-Kabel sorgen dafür, dass die Sicherungen nicht herausfliegen. Für andere „Probleme“ hat die tolle Truppe selbst etwas „erfunden“: Zwei Gummibänder verhindern, dass ständig die Kelle in den Topf fällt, ein Holzständer Marke Eigenbau lässt die warmen Hörnchen ordentlich abkühlen.

Mag die Backerei auch bis ins Detail durchorganisiert sein – viel Spaß haben die Männer immer dabei. Sie erzählen sich das Neueste aus dem Dorf, teilen ihre Erfahrungen als Metzger, Schreiner oder Elektriker, sprechen über ihre Arbeit im Pfarrgemeinderat oder Kirchenvorstand. Und ziehen sich gegenseitig auf, wenn über der Klönerei doch mal ein Piepkuchen ein wenig zu dunkel geraten ist. „Die essen wir gleich auf, spart das Abendessen“, sagt Klaus Sändker und schiebt einen quer über den Tisch. Lecker!

Der Pfarrer „darf“ die Kuchen rollen

Dass Pfarrer Wübbe  mit am Tisch sitzt, ist nicht bloß für die Zeitung. So oft er Zeit hat, kommt er dazu. „Im vergangenen Jahr durfte ich nur wegpacken“, sagt er schmunzelnd. „In diesem Jahr darf ich schon rollen“. Er macht seine Sache gut, urteilen die sechs Männer augenzwinkernd, genau wie Pater Joshy George. Nur Pastor Daniel Brinker müssen sie noch „anlernen“.

Und wer rührt die vielen Töpfe Teig an? „Das macht meine Mutter Elfriede“, sagt Stefan Heeke. Immerhin brauchen die Männer pro Abend 25 bis 30 Liter Teig. Das alte Familienrezept bleibt ein Geheimnis, darauf legt die Gruppe Wert. Mehl und Eier spenden örtliche Betriebe.

Die meisten Piepkuchen verkaufen sie auf dem Speller Weihnachtsmarkt, kurz vor Heiligabend. Über 10.000 waren es dieses Mal, ein neuer Rekord. Den Erlös erhält die Hospizhilfe in Spelle. Denn die Männer backen nicht nur aus Spaß, sondern immer für einen guten Zweck: für Menschen mit Behinderungen, für kranke Kinder, für örtliche Vereine. Dieser soziale Hintergrund ist ihnen sehr wichtig. Im vergangenen Jahr konnten sie zum Beispiel eine Spende von 1500 Euro überreichen.

Und was kommt nach Neujahr? Backen die Männer dann Osterlämmer oder Obstkuchen? „Nee“, sagt Pfarrer Wübbe, „da grillen wir nur.“ Soviel Zeit muss auch sein.
 

Petra Diek-Münchow

Mehr Infos über die Gruppe: http://www.piepkuchen.de