01.12.2016

Einweihung nach Umbau im Haus Maria Frieden in Rulle

Altarweihe in der Kapelle

Eine Empore mit Rückzugsmöglichkeiten, die sogenannte „Himmelsstiege“, bildet das Herzstück der Kapelle im Haus Maria Frieden. Nach einer längeren Planungsphase, in der Jugendliche „mitschnacken“ konnten, ist die umgebaute Kapelle in der Bildungseinrichtung Haus Maria Frieden in Rulle nun eingeweiht worden.

Die Altarweihe mit Weihbischof Johannes Wübbe (links) und Michael Franke, Rektor im Haus Maria Frieden, gehörte zum Festgottesdienst am ersten Advent. Fotos: Thomas Osterfeld

Vor dem Gottesdienst mit Weihbischof Johannes Wübbe und Rektor Michael Franke werden alle Besucher gebeten, ihre Schuhe auszuziehen. Dies hat den Zweck, dass der neu verlegte, hellgrau melierte Teppich geschont wird und eine heimelige Wohlfühlatmosphäre entsteht.

Auf Socken geht es durch einen Durchgang mit blauen Holzwänden, der vor der Renovierung nicht da war. Darüber erhebt sich eine kleine Empore, wie man sie sonst aus großen Kirchen kennt. Oben gibt es Sitzgelegenheiten für zehn bis zwölf Personen. „Das ist eine gute Größe für unsere Gruppen“, bemerkt Teamerin Laura Otte (26), die den zweijährigen Planungsprozess mit begleitet hat. Besonders gut gefalle ihr, dass man durch die neuen Dachfenster freien Blick in die Natur und zur Ruller Kirche  St. Johannes habe.

Unter der Empore gibt es auf der rechten Seite einen kleinen Raum für fünf bis sechs Personen, die sogenannte „Erzählhöhle“, und links noch eine kleine Koje für ein bis zwei Personen, die „Besinnungsnische“. „Diese Rückzugsmöglichkeiten wurden im Partizipationsprozess immer wieder gefordert“, erinnert sich Architekt und Projektleiter Max Graap vom Architekturbüro dieBaupiloten BDA aus Berlin. In den Nischen könnten Besucher via Bluetooth ihre eigene Musik abspielen und auch das Licht ganz nach eigenen  Wünschen regeln.

Die knapp hundert Quadratmeter große Kapelle ist durch die neue Holzkonstruktion der „Himmelsstiege“ etwas kleiner geworden, dennoch wirkt der Raum  großzügiger als vor der Renovierung. Anstelle der dunkelbraunen Holzvertäfelung sind Wände und Dachschrägen jetzt weiß gestrichen. Einzeln schaltbare Strahler und Pendelleuchten sorgen für passendes Licht. Der Altar wurde erhalten, aber leicht verkleinert.
 

Von der Empore aus lässt sich der hell gestrichene Raum gut
überblicken.

Beim Festgottesdienst am ersten Advent werden die Besucher Zeugen der Altarweihe mit Weihwasser, Chrisam und Weihrauch. Jeder darf dann ein Weihrauchkorn auf den Altar legen, das anschließend entzündet wird. „Mitmachen ist bei uns in der Jugendpastoral sehr wichtig“, betont Gero Peters, Referent für Glaubenskommunikation im Diözesanjugendamt.

Peters war es auch, der möglichst viele Jugendliche in den Planungsprozess miteinbeziehen wollte. Mit Hilfe der Berliner „Baupiloten“ wurden deshalb rund 1000 Jugendliche nach ihren Wünschen für die in die Jahre gekommene Kapelle befragt. Über Postkarten, Collagearbeiten und Legespiele durften sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen. „Es ging dabei nicht darum, wo der Altar stehen soll, sondern darum, wie Jugendliche sich in diesem Raum fühlen wollen“, so Peters. Die Planung  übernahmen die Architekten.

Dieser innovative Weg der Kirchenraumgestaltung werde Schule machen, sagt  Rektor Michael Franke. Kirchengemeinden, die anfangs mit Skepsis auf das Ruller Projekt geschaut hätten, seien nach Abschluss der Arbeiten sehr interessiert, mehr über den Partizipationsprozess zu erfahren.  „Gerade für Jugendliche ist Kirche dann glaubwürdig, wenn sie partizipativ ist, eine gute Liturgie feiert und diakonisch handelt“, meint Franke. (bru)