30.06.2015

„Jahr des Aufatmens“ im Bistum Osnabrück

Auch das Kolpingwerk macht mit

Wenn im September das „Jahr des Aufatmens“ im Bistum beginnt, ist das Kolpingwerk mit dabei. Anregungen holten sich die Mitglieder während der Diözesanversammlung in Twistringen. Dabei gab es von einigen Teilnehmern auch kritische Rückfragen.

 

Dorothea Dolle-Gierse stimmte die Teilnehmer auf den Exodus-Text ein. Fotos: Matthias Petersen

Dorothea Dolle-Gierse greift zum Mikrofon und steigt von der Bühne herunter. Sie hat sich eine besondere Methode ausgesucht, um die Mitglieder im Saal mit dem Buch Exodus aus dem Alten Testament zu erreichen. Und da darf der Abstand nicht zu groß sein. Per Bibliolog möchte sie erreichen, dass sich die Zuhörer in die Geschichte hineinversetzen. So liest sie die Textstelle vom siebten Jahr vor, in dem das Feld nicht bestellt werden soll, und lässt dann bewusst eine Pause, um eine Frage zu stellen: „Versetzen Sie sich in die Lage des Feldes. Was wünschen Sie sich an dessen Stelle?“

„Hoffentlich bin ich nicht so alleine“

Auf diese Weise beschäftigt sich die Versammlung mit Fragen nach Hektik und Ausruhen, nach Pause und Erholung. Aber auch damit: „Ich will mich gerne erholen, aber was mache ich mit meiner freien Zeit?“, lässt jemand das Feld fragen. Und: „Hoffentlich hat sich ein einzelner Blumensamen ausgesät, damit ich nicht so allein bin.“

Superintendent Priesmeier

Die Diözesanversammlung des Kolpingwerks beginnt stets mit dem geistlichen Morgen. In diesem Jahr steht das „Jahr des Aufatmens“ auf dem Programm. Auf Anregung von Bischof Franz-Josef Bode sollen sich die Kirche und die Gesellschaft einmal vom „Lauf im Hamsterrad“ befreien. „Wenn der Atem fehlt, geht schnell gar nichts mehr“, sagt Klaus Priesmeier, Superintendent im Kirchenkreis Diepholz, der neben Dekanatsreferentin Dolle-Gierse eingeladen ist, die theologische Seite zu beleuchten. „Der Atem ist ein wesentlicher Teil unserer Lebendigkeit.“

Ob das „Jahr des Aufatmens“ auch Wirkung in die Gesellschaft hinein haben sollte, will jemand aus der großen Runde wissen. Superintendent Priesmeier ist sicher, dass es nötig ist, „denn wir sind ja dieselben Menschen, ob wir uns nun in der Kirche engagieren oder nicht“. Will heißen: Alle haben die gleichen Nöte. „Aber es ist natürlich die große Frage, wie wir das in die Gesellschaft tragen können.“ Er wünsche sich, dass die Kirchen bei der Verteidigung des arbeitsfreien Sonntags nicht nur den gemeinsamen Erholungsaspekt herausstellten, sondern deutlicher noch die Notwendigkeit nach einem Tag in Gemeinschaft mit Gott erwähnten.

Reinhard Molitor, Domkapitular und Kolping-Diözesanpräses, übt Kritik an den eigenen Reihen: Da gebe es eine große Kolpingsfamilie, die jährlich eine stark besuchte Veranstaltung anbiete. Und die ersten Karten gebe es, so habe er gelesen, am Sonntag um 10 Uhr bei Edeka. „Da frage ich mich dann, ob da nicht Messe ist. Oder ob wir bei Kolping zum Sonntag nicht eigentlich eine andere Meinung hatten.“

„Wer sich Auszeiten nimmt, arbeitet gegen den Trend

Dorothea Dolle-Gierse appellierte daran, gegen den Trend zu arbeiten, denn so habe sie das Kolpingwerk auch kennengelernt. „Es ist modern, im Stress zu sein. Wer sich aber die Frage stellt, was ihn heil sein lässt, wer sich Auszeiten nimmt, der arbeitet gegen den Trend.“

Matthias Petersen

Den Vortrag von Superintendent Klaus Priesmeier können Sie hier herunterladen.