04.07.2017

Katholiken aus Nordeuropa treffen sich

Auf der Jagd nach Frieden

Katholiken aus Nordeuropa haben nur wenige Möglichkeiten, sich länderübergreifend auszutauschen und theologisch aufzutanken. Deshalb ist die jährliche Studientagung des Ansgar-Werkes in Haus Ohrbeck so beliebt.

Frieden war ihr Thema. Deshalb schauten sich die Teilnehmer der Theologischen Studienwoche auch den historischen Friedenssaal im Osnabrücker Rathaus an. Foto: Jörg Sabel

Mit einem Kreuzfahrerheer zieht Franziskus im Jahr 1219 gegen die Sarazenen, damals nomadische Wüstenvölker auf der arabischen Halbinsel. Während das Heer im Nildelta die Festungsstadt Damiette belagert, bittet Franziskus darum, von Sultan Melek al-Kamil empfangen zu werden. Der freundlich erstaunte Herrscher zeigt sich überraschend verhandlungsbereit. Unfassbar: Franziskus als bettelkuttiger Friedensfreak inmitten wüster Christenhorden, die Muslime erschlagen sollen!

Aufmerksam lauschen Katholiken aus Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island – Laien, Priester und Ordensleute, den Worten von Leonhard Lehmann. Der Franziskanerpater ist aus Rom angereist, um den wissbegierigen Diaspora-Christen die Friedensmission und -vision des heiligen Franz von Assisi nahezubringen – Quellenarbeit, weit entfernt von Legendengeschichten. Es ist bereits die 45. Theologische Studienwoche des Ansgar-Werkes der Bistümer Osnabrück und Hamburg. Und wieder einmal staunt Pater Franz Richardt, Geistlicher Direktor des Veranstaltungsortes Haus Ohrbeck, wie intensiv die Katholiken aus den nordischen Ländern theologisches Wissen aufsaugen und es genießen, sich untereinander auszutauschen. Diese Möglichkeit haben sie in ihrer Heimat oft nicht.

Aufmerksam lauschen die Katholiken aus Nordeuropa theologischen Vorträgen. Foto: Anja Sabel

Diesmal steht ein Psalm im Mittelpunkt: „Suche Frieden und jage ihm nach!“. Das Thema liegt nahe, denn im September begegnen sich in Münster und Osnabrück Religionsvertreter aus aller Welt, eingeladen von der Gemeinschaft Sant‘Egidio, angetrieben von der Frage: Wie können Religionen den Frieden in der Welt voranbringen?

So geht es in Haus Ohrbeck um die Bergpredigt als Vision einer friedvolleren Welt, die Friedensmission des Franziskus, die Lehren aus dem Westfälischen Frieden von 1648 – auch Christen konnten grausam morden – sowie um die Friedensarbeit von Sant’Egidio. Und wie sieht es im Alltag aus? Da gehen die Katholiken im Norden nicht nur entspannt mit den vielen christlichen Einwanderern um. Der Bischof von Helsinki, Teemu Sippo, berichtet zum Beispiel von freundschaftlichen Fußballturnieren, bei denen christliche, muslimische und jüdische Mannschaften gegeneinander antreten.

Anja Sabel