27.09.2012

Junge Muslime führen Besucher durch Moscheen

Beauftragt zum Dialog

Ceylan und Harun Sert sind offizielle Moscheeführer und Dialogbeauftragte in Osnabrück. Dafür haben sie an einem Seminar teilgenommen. Sie wollen ihren Glauben Interessierten näherbringen und Vorurteile aus dem Weg räumen – auch am 3. Oktober, dem bundesweiten Tag der offenen Moschee.

 

Junge Mitglieder der Osnabrücker Moscheegemeinde Frankenstraße
führen Besucher am Tag der Deutschen Einheit durch ihre Gebetsstätte.
Auch das Ehepaar Ceylan und Harun Sert ist dabei. Foto: Viktoria Bolmer

Ceylan, 22 Jahre alt, macht zurzeit eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Sie engagiert sich beim „Familien entlastenden Dienst“ und in der „Deutschen Schüler- und Studenten-Union“. Vor zwei Jahren nahm sie am ProDialog-Seminar teil, um offiziell Moscheeführungen leiten zu dürfen. Ihr Ehemann Harun (24) ist Kaufmann im Einzelhandel und ebenfalls Moscheeführer. Das Seminar beinhaltet Veranstaltungen und Unterrichtseinheiten an zehn Wochenenden. Die Teilnehmer besuchen eine Zeitungsredaktion, machen Kirchenführungen und hören Vorträge von Dozenten zu Themen aus Politik und Religion. Harun hat besonders gefallen, dass er auch Priester kennengelernt und viel über andere Religionen und das politische System der Bundesrepublik erfahren hat.

Zum Abschluss müssen die Teilnehmer eine Prüfung ablegen, dann erhalten sie das Zertifikat und dürfen in allen Moscheen in Deutschland, die zum Dachverband DITIB gehören, Führungen anbieten. In Gemeinden, die diesem als gemäßigt geltenden Verband angehören, werden Führungen nur von Absolventen des ProDialog-Seminars geleitet.

Im ersten Teil der Führung lernen Besucher die Moschee kennen und erhalten Informationen über die Gemeinde, den Koran, das Leben eines Imam und den Alltag eines Moslems. Im zweiten Teil, der Frage-Antwort-Runde, besteht die Möglichkeit zum Austausch. Der strukturierte Ablauf hätte die Qualität verbessert, erzählt Harun Sert.

Die Praxiserfahrungen, die Ceylan und Harun Sert gemacht haben, sind sowohl positiv als auch negativ: „Religiös eingestellte Menschen bringen uns bei den Führungen sehr viel Verständnis und Interesse entgegen, egal, welcher Religion sie angehören. Bei anderen Besuchern merken wir, dass sie durch Unwissenheit ein falsches Bild vom Islam und dem Leben eines Moslems haben“, sagt Ceylan. Für viele Personen sei es der erste Moscheebesuch. Doch die Führungen bieten die Chance, die Unwissenheit aufzuklären und das Interesse zu wecken.

Viktoria Bolmer

 

Zur Sache

Der Tag der offenen Moschee findet in Deutschland seit 1997 am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, statt. Den Termin hat der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) bewusst gewählt. Er soll die Zugehörigkeit der Muslime zur Einheit Deutschlands zeigen. In ganz Deutschland öffnen etwa 1000 Moscheen verschiedener Verbände ihre Tore für über 100 000 Besucher.

Auch in Osnabrück laden die islamischen Religionsgemeinschaften ihre Nachbarn und Interessierte ein, die Gotteshäuser zu besichtigen und im Gespräch mehr über die Religion, die Kultur und den Alltag von Muslimen zu erfahren. Teilweise bieten sie besondere Programme an und bewirten ihre Gäste. 

Die Aya Sofya Moschee an der Meller Straße 86 hat ihre Türen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Basharat Moschee an der Atterstraße 104 A empfängt von 11 bis 19 Uhr Besucher und bietet zudem um 15 Uhr einen Vortrag zum Thema „Wer war Mohammed?“ an. In der Fatih Moschee an der Schützenstraße 25-27 finden zwischen 11 und 18 Uhr Moscheeführungen statt und stehen Gesprächspartner zur Verfügung.

Die Ibrahim Al-Khalil Moschee am Goethering 14 wird zwischen 10 und 19 Uhr Besuchern offenstehen. Um 16 Uhr bietet dort ein Vortrag Informationen über das Thema „Islamischer Religionsunterricht und islamische Theologie an der Universität Osnabrück“.

Das Marokkanische Kulturzentrum an der Belmer Straße 18 gestaltet den Tag zwischen 13 und 18 Uhr in Kooperation mit dem Verein Dattelpalme. Um 14.30 Uhr und um 16.30 wird das Projekt „Islam begreifen“ für Kinder und Erwachsene vorgestellt, in dem typische Gegenstände und ihre Bedeutung in der islamischen Religion erklärt werden. Die Merkez Moschee an der Iburger Straße 12-14 greift in verschiedenen Angeboten zwischen 10 und 18 Uhr das diesjährige deutschlandweite „Thema Kunst und Kultur im Islam“ auf.

An der Frankenstraße 13 befindet sich die Diyanet Moschee, die ihre Gäste ebenfalls zwischen 10 und 18 Uhr begrüßen wird und um 12, 14 und 16 Uhr jeweils einen kurzen Vortrag über Moscheen anbietet. Auch die in unmittelbarer Nachbarschaft liegende bosnische Moschee an der Wasastraße 7a hat zwischen 12 und 17 Uhr geöffnet.

Und schließlich lädt das Islamisches Kulturzentrum Saraj Bosna an der Meller Straße 298 zwischen 14 und 17 Uhr ein. Um 15 Uhr bietet die Gemeinde einen Vortrag an zum Thema „Prophet Mohammed, sein Leben, seine Taten und zwischenmenschlichen Beziehungen“.

Der Eintritt ist in allen Moscheen frei.