23.08.2016

Anliegen aus dem Fürbittbuch im Osnabrücker Dom

Beschütze uns und Dankeschön

Dank für gesunde Enkel, eine neue Arbeitsstelle, einen schönen Urlaub: Das bewegt die Menschen, die in das Fürbittbuch im Dom schreiben. Und sie bitten um Gesundheit, Frieden oder einen Hinweis für den weiteren Lebensweg.

Einige der Einträge aus dem Fürbittbuch, das im Eingangsbereich des Osnabrücker Doms ausliegt. Foto: Andrea Kolhoff

Papier ist geduldig, heißt es. Und Gott vielleicht auch. Schließlich richten sich die Bitten und Dankesworte, die ins Fürbittbuch des Osnabrücker Doms geschrieben werden, an ihn. Und manche Besucher füllen mit ihren Anliegen eine halbe Seite. Sie erzählen Gott, was sie bewegt, wovor sie sich fürchten, was Ihnen Schönes widerfahren ist. Vielleicht sind diese Besucher beim Schreiben in der Kirche ganz allein, fühlen sich unbeobachtet.

Andere dagegen fassen sich kurz. Ihre Eintragungen sind wie kleine Stoßgebete. „Für Mama, dass sie nicht so einsam ist.“ – „Für Oma, dass sie erlöst ist.“ – „Gib mir Nerven und Kraft“ – oder einfach: „Beschütze alle auf der Klassenfahrt.“ Für mehr war vielleicht keine Zeit mehr, die Gruppe drängt weiter.

Das Fürbittbuch wird von vielen Altersgrupppen genutzt, denn es finden sich Bitten für Großeltern, für Enkel, für Kinder und Partner, auch für die Uroma, die offenkundig verstorben ist. Bei Krankheiten und vor schweren Operationen notieren die Menschen ihre Bitte um Hilfe und Gesundheit. Sie wissen, dass Gott kein Zauberer ist, der eins, zwei, drei den alten Zustand wiederherstellt. Sie bitten um Kraft und Unterstützung: „Herr, hilf unserer Tochter wieder gesund zu werden.“

Zu den weiteren Anliegen zählt die Suche nach einer neuen Stelle. „Herr, hilf meinem Sohn bei der Arbeitssuche“, heißt es. Manche Eintragungen lassen erahnen, wie schwer manche Familien es im Alltag haben. So schreibt eine Frau: „Gib mir Kraft und Gesundheit, die Schule und Ausbildung als Altenpflegerin zu schaffen. Dann könnte ich auch meine vier Kinder ernähren. Ich danke dir für alles von ganzem Herzen, lieber Gott.“

Mancher Dank stammt vielleicht von Touristen, die eher zufällig den Weg in den Dom fanden. „Danke für den schönen Tag, alles wird gut“, schreibt jemand. Und ein englischsprachiger Besucher lobt den Dom, in dem er keinen Eintritt zahlen musste. „Beautiful and peaceful church. Thank you for sharing it with us for nothing.“ (zu Deutsch etwa: Schöne Kirche, danke, dass Sie sie mit uns umsonst teilen). Andere Touristen scheinen das Fürbittbuch mit einem Hotelgästebuch zu verwechseln und schreiben einfach „Greetings from Vermont“ (Grüße aus Vermont/USA) hinein.

Dienstags in der Messe wird das Buch zum Altar geholt, die darin notierten Anliegen werden mit ins Gebet genommen, so wie dieses: „Lieber Gott, ich suche dich überall. Hilfe: Ich möchte dich wieder finden.“ (kol)