19.03.2013

Fastenkrippe bis Karfreitag zu sehen

Beten am „Heiligen Grab"

Krippen zu Weihnachten kennt jeder. Viel seltener aber sind Fastenkrippen, die in der Passionszeit Leiden und Tod von Jesus zeigen. In der St.-Maximilian-Kirche in Haren-Rütenbrock ist solch ein „Heiliges Grab“ bis Karfreitag zu sehen.

 

Licht für die Fastenkrippe: Küsterin Margret Gerdes-Terborg hat die
Figurenkrippe in der Kirche aufgebaut. Foto: Petra Diek-Münchow

Das Kreuz ist leer, nur ein weißes Tuch hängt vom Querbalken herab. Darunter stehen zwei römische Legionäre. Mit glänzender Rüstung und spitzen Lanzen bewachen sie das Grab. Darin ruht Jesus – die Augen geschlossen, Hände und Füße von den Nägeln durchbohrt.

Links neben dem Chorraum ist diese eindrucksvolle Figurengruppe aufgebaut. Vor dem Seitenaltar ragt sie über drei Meter in die Höhe. „Wir sind sehr froh, dass wir diese Fastenkrippe haben“, sagt Margret Gerdes-Terborg. Bis ins Detail kennt die Küsterin die Darstellung – und kann sich doch in jedem Jahr aufs Neue dafür begeistern. „Schauen Sie doch, wie kunstvoll das Holz geschnitzt ist“, sagt die 59-Jährige und zeichnet mit der Hand den  Faltenwurf des Grabtuchs nach. Wer in diesen Tagen in die Kirche kommt, um sich das „Heilige Grab“ anzuschauen, davor zu meditieren oder still zu beten, dem erzählt sie gern mehr davon.

Schriftlich erwähnt wird die handgeschnitzte und farbig bemalte Figurengruppe das erste Mal im Inventarbuch der Kirchengemeinde im Jahr 1878. Entstanden ist sie nach heutiger Kenntnis aber schon um 1830. Die Gläubigen schätzten früher solche Bildnisse, weil sie die Ereignisse der Karwoche vor Augen haben wollten. Margret Gerdes-Terborg interessiert sich für Geschichte – nicht nur, weil sie eine Ausbildung als Kirchenführerin gemacht hat. Das Interesse an St. Maximilian liegt in der Familie, schon ihr Vater war Küster. „Am 1. April ist das Amt genau seit 65 Jahren in unserer Familie“, sagt sie stolz.

Seit mehreren Jahren forscht die 59-Jährige nach weiteren Informationen über die Fastenkrippe. Sie hat sich dort erkundigt, wo die Heilig-Grab-Verehrung eine größere Tradition hat: in Südtirol und in Ingolstadt. Und sie hat viele Bücher gelesen, im Internet recherchiert, außerdem Krippenkenner Gerhard Lohmeier und die emsländische Kulturdezernentin Andrea Kaltofen befragt. Im Bistum ist die Rütenbrocker Fastenkrippe herausragend. Wer sie im romantisch-religiösen Stil der Nazarener geschnitzt hat, weiß man bisher nicht.

In Rütenbrock war sie bis 1955 regelmäßig im Altarraum zu sehen und verschwand danach einige Jahre in einem Abstellraum. Seit der großen Kirchenrenovierung 1984 steht sie wieder in jedem Jahr vor dem Marienaltar. Margret Gerdes-Terborg baut sie auf, mit viel Hilfe von ihrem Ehemann und ihren Kindern. Bis Karfreitag bleibt die Fastenkrippe stehen – und gar nicht selten muss die Küsterin Gästen dann von ihrer Geschichte erzählen.
Infos: Telefon 0 59 34/14 67

Petra Diek-Münchow

 

 

Hintergrund

Eine Fastenkrippe ganz anderer Art ist in diesen Wochen in der St.-Ludgerus-Kirche in Schapen im südlichen Emsland zu sehen. Sie zeigt in zehn Stationen die Passionsgeschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem bis zum jetzt noch leeren Grab. Am Karfreitag wird das Grab verschlossen, zu Ostern kommen mit dem Auferstehungsengel und den Emmausjüngern zwei weitere Stationen dazu.
Die Gestaltung der auf Tischen aufgebauten, knapp zehn Meter langen Fastenkrippe lag im Jahr 2008 in Händen von Maria Lögers und vielen weiteren Gemeindemitgliedern. Sie haben die Gewänder für die über 40 Gliederpuppen selbst genäht und die Stationen bis in kleinste Details liebevoll gestaltet.
Die Fastenkrippe ist noch bis zum 12. April täglich in der Kirche zu besichtigen.