11.08.2015

Christen und Juden begegnen sich in Haus Ohrbeck

Bibelwoche öffnet Türen

Der Uniprofessor diskutiert mit der Ordensfrau, der Rabbiner mit der Theologin: Bei der jüdisch-christlichen Bibelwoche in Haus Ohrbeck haben sich Mitglieder beider Religionen über das Buch Kohelet ausgetauscht.

 

Ungezwungener Dialog: Uta Zwingenberger (l.) im Gespräch mit Teilnehmern der jüdisch-christlichen BibelwocheFoto: Matthias Petersen

Uta Zwingenberger kennt Dialogveranstaltungen, bei denen nur ein einziger Vertreter jüdischen Glaubens dabei ist – „und der sitzt dann meist auf dem Podium“, sagt die Diözesanbeauftragte für die Biblische Bildung im Bistum Osnabrück. Da waren die Verhältnisse während der jüdisch-christlichen Bibelwoche in Haus Ohrbeck ganz anders: Von den 135 Teilnehmern waren rund ein Drittel Juden. Zwei Drittel waren Christen verschiedener Konfessionen, Katholiken, Lutheraner oder Anglikaner. „Wir haben gemerkt, dass es auf der anderen Seite auch Unterschiede gibt“, sagt Zwingenberger. Auch im Judentum existierten mehrere Strömungen.

Bettina Strübel ist aus Frankfurt/Main angereist und legt ein besonderes Augenmerk auf die Musik. Zu Hause macht die Protestantin gerne Chormusik – und lädt dazu Juden wie Christen ein. „Zuletzt haben wir Psalmen gesungen und uns beider Traditionen bedient“, sagt sie. Werde die Bibel im Angesicht einer anderen Religion gelesen, öffneten sich oft unvermutet Türen. So hätten sich auf beiden Seiten Wunden der Vergangenheit gezeigt, „die wir dann auch akzeptieren konnten“.

Ähnlich ist der Ansatz der Bibelwoche, die vor 47 Jahren mit dem Ziel entstand, die ehemaligen Kriegsgegner Deutschland und England an einen Tisch zu bringen; bald darauf weitete sich der Kreis auf die beiden Religionen aus. Jeden Tag gibt es einen Vortrag, in Kleingruppen wird dann weitergeredet.

Uta Zwingenberger sieht den Dialog beider Religionen stocken – zumindest auf großer Bühne. Das liege möglicherweise daran, dass die Generation älter wird, die den Krieg unmittelbar erlebt hat. „Aber für die Bibelwoche in Haus Ohrbeck gibt es immer so viele Anmeldungen, dass wir sogar eine Warteliste haben.“ (pe)