22.05.2013

Eigenes Kunstatelier nach Krebserkrankung

Bilder vom Menschsein

Das Leben in seinen vielen Facetten inspiriert die Osnabrücker Künstlerin Cornelia Klein. Die Schulseelsorgerin und Religionspädagogin fand durch ihr Schicksal, die Diagnose Krebs, vor sieben Jahren zurück zu ihrer großen Leidenschaft – studierte Kunst und eröffnete ein Atelier. Mit großem Erfolg.

 

Die ganze Familie auf einem Bild vereint.
Foto: Heike Sieg-Hövelmann

„Hallo, schön dass Sie da sind“, sagt die 38-Jährige mit einem gewinnenden Lächeln. Mit schnellem Schritt geht sie voran, die Treppe hinauf in ihren „Lieblingsraum“. Das lichtdurchflutete Atelier befindet sich unter dem Dach des Einfamilienhauses, in dem Cornelia Klein mit ihrem Mann Achim und den beiden Töchtern Hanna (8) und Anna-Lena (10) lebt. Und im Vorübergehen lässt sich noch ein Blick auf das Musikzimmer erhaschen, wo die Familie gern mit Gitarre, Klavier und Flöten gemeinsam musiziert, sowie auf den Garten, der so farbenfroh ist wie manches ihrer Ölgemälde.

„Ich habe extra aufgeräumt“, sagt die junge Frau beim Eintreten fast entschuldigend. Doch von Unordnung kann überhaupt nicht die Rede sein – höchstens von kreativem Chaos und ganz besonderer Atmosphäre. Pinsel, Stifte, Ölfarben, Farbpigmente, Tinkturen, fertige und angefangene Werke, aber auch strahlend weiße leere Leinwände laden ein zum Staunen und um sich daran auszutoben. In einer Ecke steht ein Tisch mit kleinen Stühlen, denn ihre Kinder lieben es, bei der Mama zu sein – dort zu malen oder zu nähen.

„Hier darf man schmieren und sich mit Farben bekleckern“, betont die Künstlerin, die gelegentlich auch Kunstkurse anbietet. „Dabei geht es mir nicht darum, Techniken zu vermitteln, sondern zu ermuntern, sich in eigener Weise auszudrücken. Das aus den Teilnehmern rauszuholen, was in ihnen steckt.“

Keine Lust auf den Kampf um die beste Bewerbungsmappe

Gemalt hat Cornelia Klein schon immer gern. „Sobald ich einen Stift halten konnte, habe ich angefangen, Telefonbücher zu bemalen“, weiß sie aus Erzählungen ihrer Eltern. Nach dem Gymnasium wollte sie zunächst direkt Kunst studieren. „Mich hat die Konkurrenzsituation und der Kampf um die beste Bewerbungsmappe aber abgeschreckt“, sagt sie. Es sei eine Welt von Individualisten, die oft mit Ellenbogen kämpften.

Daher habe sie ihr anderes Hobby, die kirchliche Arbeit – „Ich war immer gern und viele Jahre Gruppenleiterin“ – zum Beruf gemacht. Nach dem Studium der Religionspädagogik war sie zunächst als Gemeindereferentin in der Osnabrücker Domgemeinde tätig und wechselte vor einigen Jahren mit einer halben Stelle in die Schulpastoral und den Religionsunterricht an den Berufsbildenden Schulen am Schölerberg. „Ich habe mittlerweile zwei Berufe“, sagt Cornelia Klein mit Augenzwinkern. Denn auch die Kunst trage sich wirtschaftlich. „Obwohl ich gar nicht gut verkaufen kann. Das machen Freunde und die Familie für mich.“
 
In etlichen Ausstellungen hat Cornelia Klein ihr Können präsentiert, u.a. im Schloss in Bad Iburg, im Dom, im Altlingener Wald und jüngst in ihrem Garten unter dem Motto „Einfach raus“. Und viele werden durch die halbabstrakten Bilder, die sich alle mit dem Menschsein beschäftigen, angesprochen. Ihre Motive reichen von schwer fassbaren Begriffen wie Freiheit oder Seele, über die Visualisierung konkreter Ereignisse wie Erdbeben oder Tsunami bis hin zu Porträts und Naturmalerei, die symbolhaft mit ihren Gedanken verschmelzen. Neben Privatkunden, die ihre Bilder entweder auf Ausstellungen erwerben oder bestellen, hängt etwa eine gelungene Gemäldereihe zum Pfingstereignis im Seelsorgeamt des Bistums Osnabrück.

Ihre Krankheit habe sie zur Ruhe gezwungen, berichtet Cornelia Klein offen. „Ich habe vorher gar nicht gemerkt, dass ich etwas vermisse. Ich war eingespannt in Beruf und Familie. Und das war auch alles gut.“ Die existenzielle Auseinandersetzung und das Bangen gerade zu Beginn der Krankheit habe dennoch für sie in der Frage gemündet: „Will ich so weitermachen wie bisher oder einen Neuanfang wagen?“ Und sie entschied sich, ihrem Talent mehr Lebenszeit zu schenken. Und darüber freuen sich jetzt alle, die inzwischen eine echte „Cornelia Klein“ ihr Eigen nennen können.

Heike Sieg-Hövelmann

Kontakt zur Künstlerin: corneliaklein@t-online.de