05.03.2016

Kommentar

Das Alte ist vorbei

"Weg mit den alten Zöpfen, so weh der Schnitt auch tut", könnte ein Schritt in die Zukunft der Kirche sein. Ein Kommentar von Ulrich Waschki.

Man kann den Pfarrer aus Münster verstehen, der seine Pfarrstelle aufgibt. Was er auch versucht hat, die Kirche wird nicht voller. Zur Erstkommunion oder Hochzeit fordern Menschen tolle Events, erstklassigen Service, um sich zum Dank nicht wieder blicken zu lassen. Das kann frustrieren. Und es wird noch schlimmer werden. Die Kirche in Deutschland schrumpft weiter. 

Zeit, mit dem Alten Schluss zu machen. Weg mit den alten Zöpfen. Mit der Idealisierung der Pfarrgemeinde als Gemeinschaft aller Gläubigen an einem Ort. Mit der Fixierung auf den Priester oder auf „die“ Hauptamtlichen. Weg mit der Beurteilung, dass nur dazugehört, wer jeden Sonntag in der Messe ist, im Chor singt, beim Pfarrfest Waffeln backt. Wie unsere ganze Gesellschaft wird die Kirche der Zukunft bunter werden. In ihrer Art, den Glauben zu leben und zu feiern. In ihren Strukturen. 

Die Kirche der Zukunft muss missionarisch sein. Was heißt das? Einige Gedanken – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Missionarisch sein, heißt auszustrahlen. So zu leben, dass andere sich anstecken lassen. Dazu müssen wir unseren Glauben erst einmal selbst leben. Nicht an den Priester delegieren, sondern uns selbst auf die Suche nach Gott machen. Die eigene Gottesbeziehung entwickeln und pflegen – in der Form, die für mich persönlich die beste ist.

Missionarisch sein, heißt, ohne Hintergedanken zu agieren. Vom Evangelium leben, „was man verstanden hat – und sei es noch so wenig“, um mit Frère Roger zu sprechen. Sich für andere einsetzen, aber nicht mit dem Ziel, den anderen zu missionieren, ihn einzufangen für meine Gruppe oder Gemeinde, sondern weil ich ihm etwas Gutes tun will, weil ich will, dass er von Gott erfährt.

Missionarisch sein, heißt auch, die Frage beantworten zu können, was Gott mit meinem Leben zu tun hat. Laut einer Umfrage finden 50 Prozent der Katholiken in der Kirche keine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Gibt es Gott? Was hat er mit meinem Leben zu tun? Offenbar bleiben wir die Antwort auf diese Fragen schuldig. Das ist ein Kernproblem. Die Menschen müssen spüren, dass dieser Gott etwas mit ihrem Leben zu tun hat. Wo das fehlt, wird Kirche zum Kulturverein.

Einen Plan für die Kirche der Zukunft gibt es nicht. Kann es nicht geben. Aber es gibt viele Ideen. Entscheidend ist, neue Wege nicht mit der Vergangenheit zu vergleichen. Und: das Gottvertrauen nicht zu verlieren. Denn Er hat irgendwas mit uns vor. Und das wird gut werden. Aber anders.

Von Ulrich Waschki

 

Lesen Sie dazu auch:

"Ich habe kein Problem"

Eine andere Kirche gesucht