29.06.2016

Bremer Christen feiern ein großes Glaubensfest

Den Frieden schmecken

In einer von Krisen und Kriegen geschüttelten Zeit feiern Bremer Christen vom 16. bis 18. September ein Fest des Friedens – den Ökumenischen Stadtkirchentag. Sie wollen die christliche Botschaft von Frieden und Verständigung wieder ins Gespräch bringen.

 

Das Programm steht: Pastorin Susanne Kayser und Pastor Rüdiger
With gehören zum ökumenisch besetzten Lenkungsausschuss, der
den Stadtkirchentag vorbereitet. Foto: Anja Sabel

Über ihre Kindheit und Jugend sagt die Bremerin Susanne Kayser: „Ich bin mit einem ökumenischen Gefühl aufgewachsen.“ Ihr war immer bewusst, dass es neben ihrer evangelischen Heimatkirche St. Remberti noch ein anderes Gotteshaus gab, das sie gern besuchte: die benachbarte St.-Ursula-Kirche. Mit den katholischen Kindern ging es zum Beispiel auf Schifffahrt, und später „haben wir mit unserer Kantorei Konzerte in St. Ursula gegeben, weil die Akkustik dort besser war“. Das ökumenische Grundgefühl habe sie sich bewahrt, sagt Susanne Kayser, die heute Pastorin im Stadtteil Hastedt ist und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Bremen. „Zu Amtseinführungen laden wir uns gegenseitig ein und informieren uns auch, was gerade ansteht. Ich finde, das ist ein starkes Zeichen.“

Mit dem Ökumenischen Stadtkirchentag im September hofft Kayer, dass es noch einen Schritt weiter geht. Ein ökumenisch besetzer Lenkungsausschuss, dem die Pastorin angehört, hat das Programm erarbeitet. Es startet am Freitagabend mit Gottesdiensten und Begegnungen in den Gemeinden und Stadtteilen. Weiter geht es am Samstag in der Innenstadt mit neun Hauptveranstaltungen, einem Bühnenprogramm, dem Jugendprogramm „Jott“ sowie weiteren Aktionen, darunter ein Offenes Singen von Friedensliedern und eine stille Andacht der Quäker – beides im St.-Petri-Dom (siehe auch „Zur Sache“).

„Wir wollen keine Nabelschau betreiben"

Rüdiger With, Pastor in der Pfarrei St. Raphael, vertreten in der ACK und im Lenkungsausschuss, freut sich vor allem auf den Abschlussgottesdienst am Sonntag. „Nicht immer ist Masse auch Klasse, aber ich wünsche mir, dass möglichst viele Menschen auf den Marktplatz kommen und miterleben, wie wir als Christen gemeinsam Zeugnis ablegen, neugierig werden und sich im guten Sinne angezogen fühlen.“
 

Logo des Bremer Stadtkirchentags

Susanne Kayser erklärt: „Wir wollen keine Nabelschau betreiben, sondern uns als Christen näherkommen und zugleich schauen, welche Aufgaben wir innerhalb der Gesellschaft haben.“ Das biblische Motto des Stadtkirchentags, „Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“, sei durch den Krieg in Syrien und die Flüchtlinge besonders aktuell. „Der Friede fällt uns nicht in den Schoß. Wir müssen darum ringen und daran arbeiten“, sagt Kayser. Spannend findet sie die Vielfalt des Mottos: Frieden zwischen den Religionen, den Konfessionen, Frieden in unserer Gesellschaft, zwischen den Generationen, Arm und Reich, das Friedenszeugnis der Christen in einer Welt voller Kriege. „Jeder, der auch nur ein paar Stunden am Stadtkirchentag teilnimmt, sollte die Möglichkeit haben, auch dem Stück Frieden in sich selbst nachzuspüren“, sagt Kayser.

Pastor With hofft auf weiter wachsendes Vertrauen – weg von der katholischen Angst vor der Protestantisierung der Kirche“ und der protestantischen Angst: „Die Römer ziehen uns über den Tisch“. Pastorin Kayser ergänzt: „Ich wünsche mir, dass die Besucher gestärkt werden, denn Glaubensgemeinschaft endet nicht an den Grenzen der eigenen Kirche. Und ich wünsche mir, dass wir ermutigt werden, uns weiter den gesellschaftlichen Themen zu stellen und somit einen Schritt weiterzugehen auf dem Weg des Friedens.“

Anja Sabel

 

 

 

 

Das Programm – eine Auswahl

Freitag, 16. September:
– Aktion „Gutes Essen für alle“, Kinder der katholischen und evangelischen Kindertagesstätten essen auf dem Marktplatz. Um 12 Uhr tischen unter anderem Propst Martin Schomaker und Bürgermeister Carsten Sieling auf.
– ökumenischer Auftakt am Abend in den Stadtteilen, mit Gottesdiensten, Musik, Andacht, Begegnung und Mahlzeiten

Samstag, 17. September:
– Impuls „Gesellschaft“: Was unsere Gesellschaft von Christen und Kirchen erwarten kann, 10.30 Uhr in der Kirche Unser Lieben Frauen (ULF)
– Impuls „Bibel“: Dialogbibelarbeit, 10.30 Uhr im Domkapitelhaus
– Impuls „Ein Glaube – eine Taufe – eine Kirche?“: Erfahrungen in der ökumenischen Zusammenarbeit, 10.30 Uhr, Hochschule für Künste (HfK), Konzertsaal
– Werkstatt „Zusammenleben“: Warum Vielfalt der Lebensformen die Kirche bereichert, 14 Uhr ULF
– Werkstatt „Flüchtlinge“: Zusammenleben in Zeiten der Wanderungen, 16 Uhr ULF
– Werkstatt „Frieden und Unfrieden zwischen den Religionen“, HfK, 13.30 Uhr
– Werkstatt „Gewaltfrei Zeichen setzen“: das Friedenszeugnis der Christen in einer Welt voller Kriege (Workshop), HfK, 16 Uhr

Weitere Aktionen am Samstag:
– Offenes Singen von Friedensliedern (Dom)
– Bibelwort im Einkaufsort: in Geschäften aus der Bibel vorgelesen und aktualisiert aus der Sicht von Menschen, die in Armut leben, 11 bis 13 Uhr.

Sonntag, 18. September:
Abschlussgottesdienst um 11 Uhr auf dem Marktplatz mit Bischof Franz-Josef Bode.

Für die Jugend findet ein eigenes Programm namens „Jott“ rund um St. Johann im Schnoorviertel statt.

Vollständiges Programm: www.stadtkirchentag-bremen.de

Informationen zur Staffel der Gastfreundschaft