19.03.2015

Junge Leute reden mit beim Umbau im Haus Maria Frieden

Die Kapelle soll „cooler" werden

Die Kapelle in der Jugendbildungsstätte Haus Maria Frieden in Rulle muss saniert werden. Bei der Planung sollen aber nicht nur Architekten und Handwerker entscheiden. Auch die jungen Leute, die das Haus nutzen, dürfen ein Wörtchen mitreden.

 

Gemeinsam geht's besser: 60 junge Leute geben den Architekten Tipps,
wie die Kapelle im Haus Maria Frieden aussehen kann. Fotos: Thomas
Osterfeld

Fünf Gruppentische sind im Projektraum aufgebaut. Darauf liegen große weiße Papierbögen, auf denen der Kapelleninnenraum und -vorraum als große Quadrate eingezeichnet sind, daneben jeweils ein großer Kasten mit bunten Spielkarten. „Tageseinstieg“, „Gottesdienst“, „Atempause“ und zweimal „Zwischendurch“ lauten die Überschriften an den Tischen. Als Erstes sollen Kreuz, Altar und Tabernakel im Raum platziert werden. „Wo kommt man denn rein? Ich finde es wichtig, dass man das Kreuz gleich sieht, wenn man durch die Tür geht“, bemerkt eine junge Teamerin. Doch Architekt Max Graap aus Berlin will solche konkreten Fragen zur Raumaufteilung noch gar nicht diskutieren. Ihm geht es in dieser Phase darum, Aktionen, atmosphärische Vorstellungen und liturgische Objekte kreativ zu verhandeln.

Mit den sechseckigen Aktivitätenkarten geht es los: Die unterschiedlichen Farben sind den Kategorien kreativ, kommunikativ, wissbegierig, zurückgezogen, gemütlich und liturgisch zugeordnet. Schnell wird es bunt im Kapellenraum. Dabei scheinen viele Karten Ähnliches auszudrücken: „Chillen“, „entspannen“, „zur Ruhe kommen“ oder „in sich kehren“ stehen beispielsweise darauf. Auf den Karten sind die Aktivitäten vermerkt, die bei der Befragung am Anfang herausgekommen sind. Die Kinder- und Jugendgruppen im Haus Maria Frieden hatten im Sommer Postkarten ausgefüllt und darauf Fragen beantwortet wie „Wie sieht ein cooler Ort aus?“ oder „Wo kannst du auf andere Gedanken kommen?“. Die Ergebnisse der über 500 Karten fassten die Architekten aus Berlin (siehe „Zur Sache“) anschließend zusammen. „Beim Legespiel geht es nun darum, die Aussagen und Aktivitäten noch stärker zu konkretisieren“, so Architekt Graap.

Die Karten auf dem Spielfeld werden in den Gruppen intensiv diskutiert: Darf man den Kapellenraum zwischendurch auch zum Schlafen nutzen? Ist „die Seele baumeln lassen“ wirklich das Richtige zum Tageseinstieg? Kann man den Altar auch einmal wegschieben, wenn gerade keine Messe stattfindet? Darf man vielleicht sogar auf dem Altar sitzen? Architekt Nils Ruf stellt Möbelentwürfe vor, die man ganz leicht vom Tisch zur Sitzbank umwandeln kann. Doch andere in der Gruppe finden das nicht gut: „Ein Altar ist ein sakraler Gegenstand, der unverrückbar im Kirchenraum seinen Platz hat,“ meint einer.
 

Eine dunkle Holzvertäfelung und Hocker mit Bast-
geflecht kennzeichnen heute die Kapelle.

Trotz düsterer Einrichtung ein beliebter Ort im Haus

Im nächsten Spielschritt werden den gruppierten Sechsecken kleine Dreiecke zugeordnet, die Stimmungen wiedergeben: Räumlich, assoziativ, sinnlich hören, sehen, riechen und fühlen sind diese überschrieben. Neben den Postkartenwünschen sind auch die Ergebnisse aus den Collagearbeiten zu Atmosphäre und Charakter der neu gestalteten Kapelle aus Projektschritt II in diese Beschreibungen mit eingeflossen. „Es gibt bei den jungen Leuten einen großen Wunsch nach Offenheit und Lebendigkeit“, berichtet Hausleiterin Lydia Egelkamp. „Wie im Garten“ oder „mit Blick in den Himmel“ seien bei der Befragung häufig genannt worden.

Trotz der düsteren Einrichtung aus den siebziger Jahren sei die Kapelle auch gegenwärtig ein Ort, den die Jugendlichen im Haus gerne aufsuchen, so Egelkamp. „Es gibt im Haus wenige Rückzugsorte. In der Kapelle kommen sie zur Ruhe, sie können in sich reinhören und vielleicht auch auf Gott hören.“

Zum Abschluss des Planspiels werden Bereiche im Kirchenraum abgeteilt, die eben diese Ruhe bieten, indem sie vor Blicken und Geräuschen abgeschirmt sind. Sitzende, stehende, umhergehende und liegende Figuren auf durchsichtigen Folien „animieren“ anschließend den Raum. Ein Fähnchen kennzeichnet den wichtigsten Ort in den Kapelle.

Die etwa 60 haupt- und nebenamtlich tätigen Mitarbeiter der Jugendbildungsstätte, die das Legespiel unter Anleitung der Berliner Architekten ausprobiert haben, werden dieses Spiel mit ihren Jugendgruppen weiterspielen und die Ergebnisse wiederum dokumentieren. „Wir wollen am Ende mehr als 1000 junge Leute am Partizipationsprozess beteiligen“, sagt Projektleiter Gero Peters, Referent für Glaubenskommunikation und Jugendliturgie im Diözesanjugendamt des Bistums Osnabrück. Voraussichtlich werde die Zahl am Ende aber noch sehr viel höher liegen.
Ab Juli 2015 werden die Berliner Architekten von „dieBaupiloten BDA“ aus den eingereichten Befragungsergebnissen einen Ideenentwurf für den Umbau erarbeiten, der wiederum in einer abschließenden Beteiligungsrunde diskutiert wird. Ist diese abgeschlossen, dürfen die Handwerker ans Werk gehen.

Regine Bruns

 

 

Zur Sache

Im Sommer 2014 startete in der Jugendbildungsstätte „Haus Maria Frieden“ in Rulle das Projekt „Kapelle aufmöbeln“. Seitdem halten die jugendlichen Besucher des Hauses ihre Wünsche für die geplante Umgestaltung der in die Jahre gekommenen Kapelle im Dachgeschoss auf Postkarten und Collagen fest. Jetzt beginnt Projektphase III: In Form eines Legespiels, welches das beauftragte Architekturbüro die Baupiloten BDA aus Berlin entwickelt hat, sollen die jungen Teamer des Hauses ihre Vorstellungen zu Aktivitäten und Stimmungen im Kirchenraum zeigen.