13.07.2016

Besucher aus dem ugandischen Kumi zu Gast in Wallenhorst

Die Partnerschaft lebt

Für ein Vierteljahr hatte die Kirchengemeinde St. Alexander in Wallenhorst Caroline Kjyai und Solomon Otwao aus Kumi nach Wallenhorst eingeladen. Dabei sollten die zwei aus Uganda möglichst viel von Deutschland kennenlernen.

 

Singen und musizieren als Probe für den Gottesdienst Anfang August: Markus Süllow (v.l.), Pfarrer Dietmar Schöneich, Johannes Albers, Christa Nöring, Caroline Kiyai, Salomon Otwao. Foto: Stefan Buchholz

Die beiden Besucher aus Kumi sollten aber nicht nur touristische Attraktionen kennenlernen. Für die beiden jungen Menschen sollte es auch um Wissenstransfer gehen. Dazu besuchten sie in Deutschland unterschiedliche Arbeitsfelder und nutzten sie als Hospitationsstationen.

Beide sind in ihrer Heimat Uganda derzeit ohne Ausbildung. Aus finanziellen Gründen konnte Caroline Kiyai das Personalmanagement-Studium nicht weitermachen. Aktuell kümmert sie sich um die Jugendarbeit in der St.-Paul’s-Kirche von Kumi, der Partnerin der Wallenhorster Alexandergemeinde. Solomon Otwao besuchte die Schule nur bis zur Klasse 11.

Caroline Kiyai lernte während ihrer Zeit in Wallenhorst Kindergärten, Schulen und die Arbeit im Pfarrbüro von St. Alexander kennen. Alles in Deutschland sei sehr gut organisiert, findet sie. Am meisten beeindruckt hat die 29-Jährige der Umgang der Deutschen mit der Zeit. „Wenn man hier 9 Uhr sagt, meint man auch 9 Uhr. Die Zeit wird viel mehr wertgeschätzt als bei uns.“ Für ihre Rückkehr nach Uganda Mitte August hat sie sich fest vorgenommen, es mit der Zeit auch so zu halten wie in Deutschland.

Positiver Blick in die Zukunft

Solomon Otwao zeigt sich erstaunt, wie viel deutsche Schüler schon früh über technische Fragen lernen. Der 24-Jährige, der auf einem Hof als Farmer Erdnüsse anbaut, schaute sich auch in Sachen Landwirtschaft einiges ab. So hospitierte er einige Zeit im Wabe-Zentrum, wo es um Naturschutz und nachhaltig produzierte Agrargüter geht.

Ebenso blickte er zwei deutschen Bauern über die Schultern. Gefallen hat ihm die gutdurchdachte Unterbringung der Schweine und die aus seiner Sicht clevere Art, Gras als Futtermittel zu gewinnen. „Wenn ich nach Uganda zurückkomme, möchte ich versuchen, mich zu spezialisieren.“ Dafür braucht es Hilfe und – das hat er in Deutschland ebenfalls erfahren – auch Startkapital.

„Vielleicht ist der Begriff „Wissentransfer“ etwas hochgehängt“, sagt Markus Süllow, einer der Sprecher der deutsch-ugandischen Zusammenarbeit. Aber die Wissensvermittlung für Menschen aus Uganda habe sich durchaus bewährt, wie Süllow bei einem Besuch in Uganda erfuhr: „2013 war James Obwangan in Wallenhorst und hat sich auch für Landwirtschaft interessiert. Bei meinem letzten Aufenthalt sagte er mir, dass er einige Dinge in der Bewirtschaftung seiner Felder geändert und so eine bessere Ernte erzielt habe.“

Da man die Zusammenarbeit mit der St.-Paul’s-Gemeinde in Kumi ausdrücklich nicht als Entwicklungsarbeit versteht, ist man in Wallenhorst auch an dem interessiert, was man von den Menschen dort lernen kann. „Zum Beispiel ihre Zufriedenheit trotz der widrigen Umstände. Und zweitens der positive Blick in eine ungewisse Zukunft“, sagt Markus Süllow. Seit einigen Jahren ist Kumi auch Einsatzort für junge Leute, die vom Bistum Osnabrück in einen Freiwilligendienst im Ausland (FDA) entsendet werden.

Auch wenn dreimonatige Aufenthalte wie die von Caroline Kiyai und Solomon Otwao wegen des Organisationsaufwandes künftig vielleicht nicht mehr stattfinden können, wird die Kooperation mit den Menschen aus Kumi fortgesetzt. „Wir werden die gegenseitigen Besuche in einem zwei- bis dreijährigen Wechsel fortsetzen“, sagt Süllow.

Stefan Buchholz

 

Der Gottesdienst, in dem die Gäste aus Uganda verabschiedet werden, findet am Sonntag, 7. August, in der Alexanderkirche in Wallenhorst statt. Beginn ist um 11 Uhr.