22.06.2016

Drei gemeinnützige Träger gründen Bremer Altenpflegeschule

Ein Beruf mit Zukunft

Nicht nur jammern und klagen, dass der gut ausgebildete Pflegenachwuchs fehlt, sondern selbst ein attraktives Angebot schaffen: Das haben drei Bremer Partner, darunter die Caritas, getan. Sie gründeten eine Altenpflegeschule. 

 

Vor der neuen Ausbildungsstätte: Maike Voigts vom Institut für Berufs- und Sozialpädagogik, Oberin Friederike Juchter, Vorstandsvorsitzende Bremische Schwesternschaft vom Roten Kreuz, und Martina kleine Bornhorst vom Vorstand des Bremer Caritasverbandes (v.l.). Foto: Anja Sabel

Schichtdienst, körperlich anstrengende Arbeit, schlechte Bezahlung, wenig Karrierechancen – die Altenpflege gilt nicht gerade als Traumberuf. Während die Krankenpflege noch von der Nähe zur Medizin profitiert, steht die Altenpflege in der Hierarchie ganz unten. Denn Alter ist in unserer Gesellschaft eher negativ besetzt und wird stark mit Krankheit, Tod und Sterben assoziiert. Hinzu kommen immer mal wieder Skandale um schlecht geführte Heime. 

Dass dieses Image abschreckend wirkt, wissen die Vorsitzende der Bremischen Schwesternschaft, Oberin Friederike Juchter, und ihre Mitstreiterinnen von der Caritas und vom Institut für Berufs- und Sozialpädagogik (ibs). In der neuen Bremer Pflegeschule wollen sie zeigen, dass es auch anders geht – unter anderem mit vielen praktischen Einsätzen, einer tariflichen Vergütung und der Botschaft: Altenpflege ist ein Beruf mit Zukunft, Aufstiegsmöglichkeiten und Spezialisierungen.
 
Medizinisches Wissen auch in Pflegeheimen

„Junge Menschen für diesen Beruf zu begeistern, darum geht es uns“, sagt Juchter. „Außerdem wollen wir die Auszubildenden angemessen auf diese sinnvolle Tätigkeit vorbereiten, denn die Aufgaben einer examinierten Pflegefachkraft sind deutlich anspruchsvoller geworden.“ Medizinische Kenntnisse, das Wissen um Palliativpflege oder „kultursensible Pflege“ – weil der Anteil  muslimischer Pflegebedürftiger wächst – sind auch in Pflegeheimen gefragt. Martina kleine Bornhorst vom Vorstand der Bremer Caritas betont: „Uns ist wichtig, dass wir Pflegekräfte ausbilden, die fachlich souverän, werteorientiert und konfessionsübergreifend verständnisvoll handeln.“ Pflegen kann jeder! Diesen Satz lässt sie nicht gelten.

Juchter, kleine Bornhorst und Maike Voigts vom ibs sehen die Bremer Altenpflegeschule als ersten Meilenstein auf dem Weg zu einer einheitlichen Pflegeberufsausbildung, die bald kommen wird und die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege nicht mehr trennt.

Doch zunächst startet die Ausbildung ganz klassisch. Die Kerninhalte sind gesetzlich geregelt, die Schüler wenden das im theoretischen Blockunterricht Gelernte in der Praxis an – bei ambulanten Pflegediensten oder in Pflegeheimen. „Dass Theorie und Praxis künftig aus einer Hand kommen, ist ein Qualitätsvorteil“, meint kleine Bornhorst. Fachliche Absprachen, klare Rahmenbedingungen – alles werde über persönliche Kontakte auf kurzem Wege geklärt.

Vergütung höher als in anderen Ausbildungsberufen

Oberin Friederike Juchter ist überzeugt, dass die Bedingungen für die Pflegeazubis der Bremer Altenpflegeschule hervorragend sind – nicht zuletzt wegen des von der Tarifgemeinschaft Pflege ausgehandelten Vertrags: „Unsere Vergütung liegt im dritten Ausbildungsjahr bei monatlich 1138 Euro – das ist deutlich mehr als in anderen Ausbildungsberufen“, sagt sie. 29 Tage Urlaub, 39-Stunden-Woche, mögliche Mehrarbeit und Einsätze am Wochenende oder Feiertag – alles sei geregelt. Und nach einem erfolgreichen Examen sei eine Übernahme so gut wie sicher. Aber vor allem: „Die Pflege ist ein Beruf mit einem Alltag, der so bunt ist wie das echte Leben.“

Anja Sabel

 

 

Noch freie Ausbildungsplätze

Die Bremer Altenpflegeschule am St.-Pauli-Deich 26 startet am 1. September und bietet 27 Ausbildungsplätze. Ins Leben gerufen wurde sie von drei gemeinnützigen Trägern: der Bremischen Schwesternschaft vom Roten Kreuz, dem Caritasverband Bremen und dem Institut für Berufs- und Sozialpädagogik (ibs). Dazu gründeten die Beteiligten einen Verein, gemeinsam mit Pflegeeinrichtungen in eigener Trägerschaft, dem Roten-Kreuz-Krankenhaus und dem St.-Joseph-Stift. Zum Ausbildungsbeginn sind noch etwa zehn Plätze frei – auch für Auszubildende anderer gemeinnütziger Pflegeeinrichtungen.

Kontakt: Renate Veith, Telefon 04 21/55 991 72, E-Mail: r.veith@bremer-altenpflegeschule.de. Mehr im Internet unter www.bremer-altenpflegeschule.de