11.09.2014

Jugendliche bauen Kinderspielplatz in Russland

Ein Camp der besonderen Art

Sie sägen, hämmern, vermessen – und das mit Hingabe. 20 Teilnehmer eines Jugendworkcamps sind für drei Wochen nach Barnaul in Russland gereist. Was sich wie Ferienarbeit anhört, ist freiwillig und hat einen gemeinnützigen Hintergrund.

 

Arbeit in den Sommerferien: Drei Wochen lang bauten Jugendliche aus dem Bistum Osnabrück gemeinsam mit Jugendlichen aus dem russischen Barnaul an einem Spielplatz für die Kindertagesstätte vor Ort. Foto: privat

Eigentlich ist Tobias Siebenmorgen kein gelernter Handwerker. Und bis zur Fahrt nach Russland wusste er nicht einmal, dass er handwerklich geschickt ist. „Beim Bau des Spielplatzes musste man kein Profi sein, um mit anzupacken. Wir brauchten jede helfende Hand“, erzählt der 20-Jährige. Für ihn besteht kein Zweifel: Die Atmosphäre im deutsch-russischen Jugendworkcamp in Barnaul war großartig. „Nächstes Mal bin ich auf jeden Fall wieder mit dabei.“

Zum dritten Mal hat das Jugendworkcamp bereits stattgefunden. Wie immer in den Sommerferien – wie immer in Russland. Diesmal machten sich 20 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 30 Jahren auf den Weg nach Barnaul in Sibirien. Nicht, um Urlaub zu machen, sondern sie verfolgten ein anderes Ziel: „Vor Ort haben wir unter fachlicher Anleitung einen Kinderspielplatz gebaut und gemeinsame Zeit mit russischen Jugendlichen verbracht“, erzählt Werner Oenning, Geschäftsführer des Sozialen Seminars im Bistum Osnabrück. Das Projekt ist eine Kooperation der Caritas und des Sozialen Seminars.

Begegnung, Austausch und einen Spielplatz bauen – das steht im Mittelpunkt der Aktion. Eigentlich war das Workcamp in seinen Anfängen 2010 als einmalige Aktion angedacht. „Die Rückmeldungen der deutschen Jugendlichen und der russischen Partner waren so positiv, dass wir das Projekt fortgeführt haben“, sagt Oenning. In diesem Jahr wurde das Kinderzentrum der Stadt Barnaul um einen Spielplatz mit Rutsche erweitert. Dazu gehörten außerdem ein Holzhäuschen, eine Kletterwand sowie Schaukel und Sandkasten. Beim Bau des Spielplatzes wurde die Truppe von drei Klosterbauern unterstützt. „Das sind deutsche Handwerker, die ehrenamtlich in Russland soziale und kirchliche Einrichtungen sanieren. Auch einige junge Russen halfen freiwillig beim Spielplatzbau mit,“ erklär Ottmar Steffan, Vorsitzender der Russlandhilfe.

Begeisterung auf beiden Seiten grenzenlos

Manchmal sei die Kommunikation zwischen deutschen und russischen Jugendlichen schon schwer gewesen. Die russischen Helfer sprachen kaum oder gar kein Englisch. „Zum Glück hatten wir einige Russlanddeutsche in der Gruppe, die das Gespräch übernommen haben“, betont Steffan. „Ansonsten wurde mit Händen und Füßen geredet.“ Trotz der Sprachbarriere war die Stimmung untereinander gut. Auch nach der Arbeit saßen die Jugendlichen oft zusammen oder unternahmen etwas. „Alle waren motiviert und wollten richtig gute Arbeit machen“, ergänzt Tobias Siebenmorgen. „Die Begeisterung war auf beiden Seiten grenzenlos.“ In diesen Tagen entstand nicht nur ein Spielplatz, sondern es wurden auch echte Freundschaften geschlossen.

Knapp 5800 Kilometer von zu Hause entfernt und dann noch freiwillig arbeiten? Für die Jugendlichen ist das eine Herzensangelegenheit. „Die Kombination zwischen einem Abenteuer in Russland und etwas Gutes für andere zu tun, motiviert die Jugendlichen, bei der Aktion mitzumachen“, betont Geschäftsführer Oenning. Hinzu komme die Freundlichkeit und Dankbarkeit der Menschen vor Ort. „Spätestens als wir bei der Einweihung des Spielplatzes dir Freunde der Kinder gesehen haben, wussten wir, dass es die Mühe wert war.“ Und diese Erfahrung sei mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.

Anna Eckart

Das Jugendworkcamp ist eine Kooperation zwischen Sozialem Seminar und dem Caritasverband für die Diözese Osnabrück/Russlandhilfe. Finanziell wird das Projekt unterstützt durch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch und durch das katholische Förderprogramm (Renovabis, afj, BDKJ-Go East) für Jugendbegegnungen mit den Ländern Mittel-und Osteuropas. Weitere Informationen gibt es bei der Caritas Osnabrück unter Telefon 05 41/34 97 81 64.