03.06.2014

Die Taube: Symbol für den Heiligen Geist

Ein ganz besonderer Vogel

Die Taube ist auf allen Kontinenten zu Hause. Seit der Antike trotzt sie dem Aussterben und ist oft stärker vertreten, als erwünscht. Kein Wunder, dass das außergewöhnlich zähe und fruchtbare Tier seinen Platz in der Geschichte gefunden hat: als bedeutsames Stück der Religions- und Kulturgeschichte.

 

Die Taube gilt als Friedensvogel und als Symbol für den Heiligen Geist. Als Symbol für die Liebe lässt man bei Hochzeiten oft Tauben in den Himmel steigen. Foto: Irochka-Fotolia

Besonders für Christen ist die Taube als Symbol des Heiligen Geistes – nicht nur an Pfingsten – ein ganz besonderer Vogel. Schon im Alten Testament wusste Noah, der Erbauer der Arche, die klugen Flugweltmeister zu nutzen. Er ließ drei Tauben ausfliegen, um die Höhe der Sintflut zu testen. Die dritte kam mit einem frischen Ölzweig im Schnabel als Zeichen des Friedens zurück. Somit wusste Noah, dass nur noch wenig Wasser auf der Erde stand.

Das Neue Testament knüpft dann die Verbindung zwischen Taube und Heiligem Geist. Aber nicht etwa in der Pfingsterzählung, sondern bei der Taufe im Jordan. Als Jesus getauft aus dem Wasser stieg, „öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen“, schreibt der Evangelist Matthäus. Fortan galt die Taube als Symbol des Heiligen Geistes. In der christlichen Kunst nahm die Seele die Gestalt der Taube an, und auch die Ikonographie stellt den Heiligen Geist als weiße Taube dar.

Ihr Image ist besser als sie selbst

Allerdings ist der Taubenkult kein rein christliches Phänomen. Schon in der Antike war der Vogel Sinnbild von Sanftmut, Einfalt und Unschuld – weil man annahm, er besitze keine Galle und sei daher frei von allem Bösen und Bitteren. Im alten Indien und bei einigen germanischen Stämmen galt die Taube als „Seelenvogel“. Und im Islam sind die gurrenden Zweibeiner heilig, weil sie den Propheten Mohammed auf der Flucht von Mekka nach Medina beschützt haben sollen.

In Deutschland erlebte das Federvieh Anfang der 80er Jahre eine regelrechte Renaissance: auf Stickern und T-Shirts Tausender Anhänger der Friedensbewegung. Auch heute noch kommt die Taube immer wieder als Symbol der Versöhnung zum Einsatz. Bei den Eröffnungen von Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen steigen sie zu Tausenden in den Himmel.

Dabei wird die Taube ihrem friedlichen Ruf nur eher selten gerecht. Unter Zoologen gilt sie als gefräßig und neidisch. Verhaltensforscher weisen darauf hin, dass unter den Tauben eine brutale Hackordnung herrscht. Auch sonst haben die Vögel mit dem wenig schmeichelhaften Ruf „Ratten der Lüfte“ wenig Freunde. Dem Gartenfan vertreiben sie die Singvögel und nutzen die Gemüsebeete als Futterplatz. In den Städten setzen sie mit ihren Exkrementen nicht nur historischen Gebäuden, sondern auch Anwohnern und Passanten mächtig zu. Besonders Venedig klagt über Verätzung der wertvollen Gebäude durch Taubendreck.

König Salomo prägte den Kosenamen „Taube“

Dennoch: Die Taube ist ein herausragendes Symbol – nicht nur für Frieden und den Heiligen Geist. Die Liebe bildet dabei den letzten Teil der symbolischen Trias. Die Taube war die Gefährtin der antiken Liebesgöttinnen Aphrodite und Venus. Und im alttestamentlichen Hohelied umwirbt Salomo die Frau seiner Träume mit den Worten „Mach auf, meine Schwester und Freundin, meine Taube, du Makellose“. Kein Wunder, dass „meine Taube“ nicht erst seit Mutter Beimer aus der Lindenstraße, sondern schon seit biblischen Zeiten zu den beliebtesten Kosenamen zählt.

Alexa Odendahl