21.01.2015

Studenten gestalten Grabstätte für Früh- und Fehlgeburten

Ein Ort für Sternenkinder

Erweitert und umgestaltet wird die Grabstelle für Fehl- und Totgeburten – die sogenannten Sternenkinder – auf dem kommunalen Friedhof in Bad Essen. Angehende Landschaftsarchitekten haben Vorschläge gemacht.

 

Mit viel Liebe zum Detail haben die Studenten der Fachhochschule Haste die
Sternenkindergrabstätte umgestaltet. Foto: Lisa Mathofer

„Und hier auf diesen Platten kann man dann zum Grabstein laufen?“, fragt Agnes Bohe die Studentin. Die junge Frau hält das Modell aus Holz und Kunstpflanzen in der Hand. Mit dem Finger zeigt sie auf einen Holzbogen mit runden, klaren Plastikkugeln. „Genau, und hier diese kleinen Kristalle symbolisieren jedes einzelne Kind. Sie dienen als Erinnerung für die Angehörigen“, sagt sie. Diese Idee findet Agnes Bohe besonders gut: „Schön, das ist was sehr Individuelles.“

Agnes Bohe ist Sterbe- und Trauerbegleiterin im Ambulanten Spes-Viva-Hospizdienst des Krankenhauses St. Raphael in Ostercappeln. Mit prüfendem Blick, aber auch viel Lob schaut sie sich die Grabstättenmodelle der 25 Studenten an. Die jungen Frauen und Männer der Fachhochschule Haste studieren im ersten Semester Landschaftsarchitektur und Gartenkunst. Das erste große Projekt unter der Leitung von Jürgen Milchert, Professor der Fakultät, ist nun die Umgestaltung der Sternenkindergrabstätte auf dem Friedhof in Bad Essen.

Bevor es eine gesetzliche  Melde- und Bestattungspflicht für Tot- und Fehlgeburten unter 500 Gramm gab, wurden diese Kinder mit dem Klinikmüll entsorgt. Vor zwölf Jahren wurde dann in Bad Essen die Grabstätte für die sogenannten Sternenkinder errichtet. Jetzt soll die Fläche erweitert und verändert werden.

Die Geschwister mit einbeziehen

„Das Tabuthema von Fehl- und Totgeburten nimmt zu Recht mehr Platz in Anspruch“, sagt Carsten Meyer, Erster Gemeinderat. Jürgen Milchert betont, dass sich der Umgang mit Trauer gewandelt hat: „Wir sind in einer Phase, in der die Menschen neue Formen finden, um mit dem Tod umzugehen.

Den Respekt vor der individuellen Trauer haben die Studenten bei ihrer Arbeit deutlich mit einbezogen. Alle acht Modelle für eine neue Grabstätte zeigen eine hohe Sitzecke mit Sichtschutz. Damit Eltern, Geschwister und andere Familienmitglieder Blumen, Kerzen oder Erinnerungen ablegen können, wollen die Studenten verschiedene Möglichkeiten bieten. Etwa ein Windspiel zum Aufhängen oder eine Bank, auf der Geschwister ihre Handabdrücke verewigen können. „Das ist eine großartige Idee“, findet Agnes Bohe. „Die Geschwister einzubeziehen, ist ganz wichtig.“

Auch eine pflegeleichte Bepflanzung haben die Studenten bedacht, zum Beispiel mit immergrünen Bodendeckern oder Taglilien, die es in über 200 Arten gibt. Etwas, das auf jeden Fall erhalten bleiben soll, ist der große Grabstein. Als Grabspruch schlagen die Studenten vor: „Den Augen fern, dem Herzen nah“.  „Das ist ein neutraler Spruch, der die Idee unterstützt, dass die Spes-Viva-Initiative sich an Eltern aller Glaubens- und Kulturgemeinschaften wendet“, begründet ein Student die Idee.

Der Hospizdienst will sich nun mit Vertretern der Fachhochschule und der Gemeindeverwaltung, dem Friedhofsgärtner und den ehrenamtlichen Grabpflegerinnen, Brigitte Hoheisel und Annchen Humann von der Katholischen Frauengemeinschaft zusammensetzen. Aus den vielen Vorschlägen soll ein Plan für die neue Grabstätte entstehen.

Lisa Mathofer