04.06.2013

Junge Leute gestalten neuen Eingang zum jüdischen Friedhof

Ein Tor aus Eisen geschmiedet

Gedenken braucht einen würdigen Ort. Das gilt besonders für jüdische Friedhöfe, die in vielen Städten heute das noch einzige Zeugnis eines früher reichen jüdischen Lebens sind. In Meppen gestalten jetzt junge Leute den Eingang zum Friedhof neu.

 

Sie packen kräftig an: Mehrere Wochen lang arbeiten Meppener Berufsschüler jeden Tag beim jüdischen Friedhof in Meppen. Sie pflastern, mauern oder schmieden ein neues Tor. Foto: Petra Diek-Münchow

„So wird es gut“, sagt Holger Berentzen. Mit einem Lächeln sieht er zu, wie die Berufsschüler unbeirrt von Autos und Besuchern am Friedhofsportal arbeiten. Akkurat verlegen die angehenden Maurer das neue Pflaster, setzen Kantensteine, fegen, räumen auf. Lehrer Bernd Pinkernell ist sehr zufrieden, die jungen Männer machen alles sorgfältig. Die Pfeiler haben sie längst hochgemauert, bald kommen die neuen Tore: aus Eisen geschmiedet, mit Davidsternen und zwölf Kreisen für die zwölf Stämme Israels. Bis zu den Sommerferien soll alles fertig sein. „Dann sieht man, was hier ist“, sagt Berentzen.

Der Gemeindereferent engagiert sich ehrenamtlich als Sprecher des „Meppener Initiativkreises Stolpersteine“. Die Gruppe hatte vor sechs Jahren dafür gesorgt, dass Gunter Demnig Stolpersteine in der Kreisstadt verlegt: kleine Metalltafeln, die an vertriebene und ermordete jüdische Bürger erinnern. Auch der jüdische Friedhof, der etwas versteckt an der Hase liegt, war immer ein wichtiges Thema für den Arbeitskreis. Er sorgte für eine bessere Ausschilderung, eine anständige Infotafel und mahnte vor allem eine würdigere Eingangssituation an. Denn schön war die nicht: ein einfaches Industrietor mit einem Maschendrahtzaun, kaum zu unterscheiden vom Betriebsgelände daneben. „Da konnte man leicht vorbeifahren und den Friedhof übersehen“, sagt Berentzen.

In vielen Gesprächen mit Bürgermeister und Stadt, mit dem Landesverband der jüdischen Gemeinden und dem Landesamt für Denkmalpflege fand der Initiativkreis eine neue Lösung, die dem Gedenken an die Verstorbenen besser entspricht. Und Jugendliche sind daran beteiligt, das war dem Gemeindereferenten ganz wichtig. Schüler der Meppener Fachoberschule für Technik machten unter Anleitung ihrer Lehrerin Annette Stevens Vorschläge, wie das neue Tor aussehen könnte – befassten sich dafür mit jüdischer Geschichte und jüdischen Symbolen.

Einige waren vorher noch nie auf dem jüdischen Friedhof

Auch die Fertigung des Portals übernehmen Berufsschüler aus den Bereichen Bau und Metall. Sieben bis zehn junge Männer zwischen 16 und 18 Jahren arbeiten dafür mehrere Wochen direkt beim Friedhof: als Teil ihrer Ausbildung, als Teil aber auch einer persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema.

Denn die meisten kennen den jüdischen Friedhof nicht. „Ich war vorher noch nie hier“, sagt Robin Jansen ehrlich. Ganz ähnlich geht es seinen Mitschülern Jonas Ahlers und Marc Leigers, Mirco Gerke und Oliver Balmann, Daniel Lilienbaum und Stefan Balmann. Dass sie jetzt dem Gedenken an die Toten einen würdigen Ort verschaffen, finden die jungen Leute gut. Auch weil sie etwas Echtes bauen – das nicht hinterher wieder abgerissen werden muss. „Das können wir auch mal zeigen“, sagt Robin und denkt an seine Eltern und Freunde. Die dann vielleicht auch den Friedhof zum ersten Mal besuchen.

In einigen Monaten können sie vielleicht eine Gedenkstele hinter dem Portal sehen – beschrieben mit den Namen von 43 jüdischen Mitbürgern aus Meppen, die während des Naziterrors ermordet worden sind. Holger Berentzen spricht gerade mit dem Osnabrücker Künstler Mario Haunhorst über dieses Projekt. Während das neue Tor durch den Landesverband der Jüdischen Gemeinden, den Initiativkreis und die Stadt weitgehend bezahlt wird, braucht die Gedenk-stele noch Spenden. Dafür wird Berentzen in diesen Tagen 2500 Postkarten verteilen und verschicken. „Ich wünsche mir, dass viele Meppener Bürger und Einrichtungen diese Idee mittragen.“

Petra Diek-Münchow

Kontakt: h.berentzen@ewetel.net