18.08.2016

Malteser-Jugend bekommt anderen Blick für die Sinne

Einmal blind sein

Wie ist es, plötzlich nicht mehr sehen zu können, nicht mehr hören zu können? Betroffene führten Jugendliche aus Osnabrück durch die Ausstellungen „Dialog im Dunkeln“ und „Dialog im Stillen“.

Mitglieder der Malteser-Jugend aus der Diözese Osnabrück vor der Ausstellung in Hamburg. (Foto: Malteser)

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“. Diese Aussage des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry aus „Der kleine Prinz“ bekommt eine komplett andere Bedeutung, wenn man plötzlich nur mit einem weißen Langstock (umgangssprachlich auch Blindenstock genannt) ausgestattet in einem komplett dunklen Raum steht und sich orientieren soll.

In genau diese Situation wurden 17 Mitglieder der Malteser-Jugend der Diözese Osnabrück versetzt, als sie neulich die Ausstellung „Dialog im Dunkeln“ in der Hamburger Speicherstadt besuchten. Von sehbehinderten Personen wurden sie sicher durch die Ausstellung in völliger Dunkelheit geführt. Diese bestand unter anderem aus einem Park mit Grasboden und Hängebrücke, aus einem Setting einer Großstadt mit einer Straße, die zu überqueren war, sowie aus einer Bar, in der das Bezahlen eine echte Herausforderung darstellte.

Nun waren nicht die sehbehinderten Menschen, sondern die Malteser Jugendlichen auf Hilfe angewiesen. „Alle rückten ein Stück näher zusammen, plötzlich half jeder jedem. Es zeigten sich Schwierigkeiten im Alltag, die mir vorher nie aufgefallen wären“, so einer der Teilnehmer.

Mit diesem Perspektivwechsel war der Tag aber noch nicht vorüber. Der „Dialog im Stillen“ stand ebenfalls auf dem Programm. In dieser Ausstellung wurde durch schalldichte Kopfhörer der Gehörsinn abgeschaltet, so dass keine normalen Gespräche mehr geführt werden konnten. Eine hörgeschädigte Person zeigte auf beeindruckende Weise, wie Kommunikation trotzdem möglich ist. Den Teilnehmenden wurden verschiedene Aufgaben gestellt, die sie nur mit Mimik und Gestik lösen konnten, was einmal mehr, ein anderes Mal weniger gut gelang.

Ohne Übung ist es nur schwer zu verstehen

Im Anschluss wurden erste Gesten der Gebärdensprache erlernt. „Die Logik hinter dieser Sprache ist verblüffend, aber nicht auf den ersten Blick ersichtlich“, berichtete ein Teilnehmer. „Es ist eine Art Sprechen mit Bildern. Jede Handbewegung erinnert an etwas, aber ohne Übung ist es nur schwer zu verstehen.“ Mithilfe eines Gebärdendolmetschers konnten im Anschluss viele Fragen zum Alltag von Hörgeschädigten beantwortet werden.

Die Gruppe verließ mit vielen neuen Eindrücken die Speicherstadt. Alle waren sich einig: Auf Sehkraft und Gehör möchte niemand verzichten, aber diejenigen, die das müssen, sind auch ganz normale Menschen. Die Beeinträchtigung macht sie nicht aus, sondern ist nur eine kleine Facette. Und es lohnt sich, offen zu sein, um nicht nur diese eine Facette zu sehen. (mhd)

Zur Webseite der Ausstellung geht es hier