10.12.2014

Zum Advent gehört die Hoffnung auf Frieden. Der braucht aber Frühförderung

Einsatz für ein Himmelsgeschenk

Weihnachten – Fest des Friedens. Entsprechend zahlreich sind Spendenaufrufe, Friedensappelle und Wohltätigkeitskonzerte. Frieden wird aber auch erforscht – nur werden diese Propheten oft zu wenig gehört.

Die Taube ist das Symbol des Friedens. Doch Frieden passiert nicht einfach - man muss ihn achten und fördern. Foto: fotolia

In den Wochen vor dem Fest äußert sich die Sehnsucht nach Frieden besonders laut: in Gebeten von Papst und Bischöfen, auf Adventsbasaren an Schulen und Kindergärten, bei Wohltätigkeitskonzerten berühmter Künstler oder dem Gospelchor von nebenan.

Frieden bleibt ein untrügliches Indiz für das Reich Gottes. So wie Jesaja es erträumte: „Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, jeder Mantel, der mit Blut befleckt ist, wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. … Seine Herrschaft ist groß und der Friede hat kein Ende.“ Allein: Frieden bewegt sich auf leisen Sohlen.

In Deutschland gibt es rund 200 Friedens- und Konfliktforscher. Leider werden sie und ihre Kollegen weltweit oft zu spät gehört – oder gar nicht. „Das Problem mit den IS-Kämpfern war schon vor mehr als einem Jahr bekannt“, sagte etwa Conrad Schetter vom Bonner „International Center for Conversion“, einer der Friedensforschungseinrichtungen. Rea-giert habe die Politik aber erst, als im Sommer die Medien von den Milizen unter der schwarzen Flagge berichteten, kritisierte er auf „Spiegel online“. Sanktionen, Waffenlieferungen und Bombardements sind die Reaktionen, die zu spät kommen. 

2014 war kein gutes Jahr für den Frieden. Bereits im Jahr zuvor hatte das Heidelberger Institut für internationale Konfliktforschung 414 politische Konflikte gezählt. Dabei sind Konflikte an sich nicht schlimm. Sie müssen ausgetragen und geklärt werden – nur eben gewaltfrei. Um dabei zu helfen, analysieren Friedens- und Konfliktforscher die Lage vor Ort, erstellen Gutachten und suchen Politiker zu beraten. Nicht, dass sie Gewalt gegen übermächtige Aggressoren ausschließen.

 

Friedensgutachten: Mehr Flüchtlinge in Deutschland aufnehmen

Einmal im Jahr bündeln die Forscher ihr Wissen in einem Friedensgutachten. Für 2015 schlagen sie etwa vor, in Deutschland 200 000 Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Dringend. Der Libanon mit seinen 4,5 Millionen Einwohnern hat 1,2 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Ohne Entlastung droht dem Land 2015 der nächste Ausbruch von Gewalt, wenn Konflikte um Wasser, Arbeit, Unterkunft und religiöse Differenzen eskalieren.

Seit rund 60 Jahren können Menschen in West- und Mitteleuropa in Frieden leben. In gewisser Weise ist das ein Himmelsgeschenk, das sich vermehren lässt, wenn es weitergegeben wird. „Etwas für Flüchtlinge kochen, ihnen Kleidung spenden, mit ihnen in Kontakt kommen – das macht die Welt ein bisschen wärmer“, schlägt die Duisburger Friedensforscherin Janet Kursawe vor. Menschen, die das erleben, können antiwestliche und antichristliche Hasspropaganda, mit der sie daheim konfrontiert werden, widerlegen.

Im Übrigen höhlt steter Tropfen auch Steine des Hasses. Für Heinz-Gerhard Justenhoven vom  katholischen Institut für Theologie und Frieden in Hamburg sind öffentliche Akademien, Projekte an Schulen oder seit Jahren bestehende Partnerschaften zwischen Pfarreien gelungene Beispiele. „Solche Projekte halten Probleme im Bewusstsein, die sonst wenig Beachtung finden würden“, sagt er. Auch lange nach Weihnachten. 

Von Roland Juchem 

(mit kna)