03.05.2017

Erste Partnerkonferenz der Freiwilligendienste im Ausland

Eintauchen in andere Kulturen

Eine Partnerkonferenz der Freiwilligendienste im Ausland des Bistums Osnabrück – das gab es noch nie. 27 Betreuer aus Uganda, Botswana, Ghana, Indien, Peru und Russland tauschten sich in der Katholischen Landvolkhochschule in Oesede mit ehemaligen Freiwilligen aus.

Betreuer aus sechs Ländern, ehemalige Freiwillige und Organisatoren trafen sich in der Katholischen Landvolkhochschule in Oesede. Foto: Claudia Sarrazin

Den ersten Testlauf für die Freiwilligendienste im Ausland, kurz: FDA, gab es 1999. „Und seit 2000 werden regelmäßig Freiwillige aus unserem Bistum entsandt“, erklärt FDA-Mitarbeiterin Regina Wildgruber. Inzwischen sind es rund 25 Volunteers pro Jahr, die in mehreren breitgefächerten Seminaren auf ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet werden. „Aber so eine Partnerkonferenz hatten wir noch nicht, das wollten wir schon ganz lange mal machen“, sagt Wildgruber. Das Programm dieser Konferenz hatte vor allem eines vorgesehen: Zeit zum Kennenlernen und Gelegenheit zum Austausch, untereinander sowie mit ehemaligen Freiwilligen.

Ein Auslandsaufenthalt habe sie schon lange interessiert, erzählt Verena Peters, die derzeit ihren Master in „Interkultureller Psychologie“ macht und Fragen der Betreuer aus Uganda und Botswana beantwortet: „Ich wollte ganz in eine andere Kultur eintauchen – am liebsten in Afrika oder Südamerika.“ Ihr Wunsch erfüllte sich, sie reiste nach Uganda.

Vor Ort unterstützte Peters zunächst Krankenschwestern in einem Hospital: „Diese Arbeit ist mir erst schwergefallen, weil ich keine Erfahrung in diesem Bereich hatte“, antwortet Peters auf Nachfrage. Deshalb würde sie kein zweites Mal „mit dem Schwesternjob starten“. Die Arbeit im klinikeigenen Labor habe ihr besser gefallen. Aber besonders beeindruckte Peters, „wie offen die Kinder in der Hospitalschule waren“.

Verena Peters leistete ihren FDA in Uganda. Das Foto entstand zu Ostern,
deshalb durfte sie die traditionelle Kleidung für Frauen, „Gomesi", tragen.
Neben ihr Schwester Agnes, eine Ordensfrau aus der Gemeinde. Foto: privat

Auf kulturelle Unterschiede angesprochen, nannte die junge Frau den Umgang mit Verabredungen: „Ich habe mich immer gefragt: War das eine konkrete Zusage oder nur so gesagt?“ Ungewohnt war für sie auch, „dass Maria, die für uns kochte, nicht mit uns essen durfte“, erklärt Peters, die das Essen in Uganda liebte.

„Ich spüre eine grundsätzliche Dankbarkeit für das, was wir in Deutschland haben“

Und was würde sie den Betreuern aus Sicht eines Volunteers empfehlen? „Immer ein offenes Ohr haben und zuhören, gemeinsam zu essen und auch mal etwas zusammen zu unternehmen“, sagt Peters. Dann bekommen Betreuer auch schnell mit, wenn etwas nicht gut läuft. Verena Peters ist „unglaublich dankbar“ dafür, wie viel sie als Freiwillige lernen durfte. Zum Beispiel, „andere besser zu verstehen und offener für andere zu sein“. An der Konferenz in Oesede wiederum gefällt ihr, dass alle zu Wort kommen – die Partner, die Freiwilligen und die Organisatoren. Außerdem empfindet sie es als wohltuend, wie intensiv gefragt wird und wie sehr sich die Betreuer dafür interessieren, die Situation für die Freiwilligen zu verbessern.

Vincent von der Haar interessierte sich schon vor seinem Auslandsjahr für Indien und die Kultur des Landes. „Mir war bewusst, dass es uns in Deutschland an nichts fehlt“, sagt der junge Mann, den es gereizt hatte, „ein Jahr einmal ganz anders zu leben“. Kulturschocks erlitt er dann am Anfang eine ganze Menge, vor allem was den indischen Straßenverkehr betraf.

Vincent von der Haar mit Kindern während seines Freiwilligen-
dienstes in Indien. Foto: privat

Im Dorf Mirga in der Nähe von Kalkutta lebte von der Haar in einer Boarding School und betreute Kinder. Beim gemeinsamen Spielen lernte er von ihnen zunächst Bengali. Später unterrichtete er die Viert- und Fünftklässler in Mathe und Englisch. „Es gab in Indien viele Momente, in denen ich eine Art grundsätzliche Dankbarkeit für das spürte, was wir haben. Die war vorher bei mir nicht da“, sagt Vincent von der Haar.

Heute sind ihm ganz andere Werte und Dinge wichtig als vor seiner Reise: „Mir ist es zum Beispiel wichtiger, Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen, als ein neues Computerspiel zu haben.“ Außerdem sei er toleranter geworden und lasse anderen ihre Meinung, wenn sie für Argumente nicht aufgeschlossen seien.

Auf die Frage der Betreuer aus Indien und Ghana, ob er seine Unterkunft, sein Essen und das zur Verfügung stehende Auto mit der Unterbringungssituation anderer verglichen habe, antwortet von der Haar: „Ich finde, das wäre nicht die richtige Herangehensweise. Freiwillige sollten auch etwas Demut haben.“ Von der Haar freut sich, auf der Partnerkonferenz mit seinen Antworten etwas zurückgeben und weiterhelfen zu können. In seiner Gesprächsrunde habe es sowohl bei den Ghanesen als auch bei den Indern Überraschungen gegeben: beispielsweise seien die Beziehungen der Freiwilligen zu den Dorfbewohnern je nach Land sehr unterschiedlich.

Freiwillige sind für viele Kinder ein Vorbild und ein Ansporn, viel in der Schule zu lernen

Im Plenum erzählen später auch einige Betreuer aus sechs Partnerländern, dass sie durch die Volunteers neue Einsichten gewonnen haben: Einer betrachtet seine Umwelt hinsichtlich potenzieller Gefahren wie Überfälle nun weniger ängstlich. Ein anderer berichtet von einem Freiwilligen, der ein Recyclingsystem für Wassercontainer auf den Weg gebracht habe. Dadurch spare seine Schule nicht nur Müll, sondern erhalte sogar noch Geld. Und ein Inder erklärt: „Wir bleiben sonst unter uns und sprechen nicht mit anderen. Doch seitdem unsere Kinder mit den weißen Freiwilligen sprechen, sind sie auch anderen gegenüber offener geworden.“ Davon abgesehen, nähmen sich viele Schüler an den Volunteers ein Vorbild und versuchten, so viel wie möglich in der Schule zu lernen, um studieren zu können.

Claudia Sarrazin