01.07.2014

Stolperstein für katholischen Arbeitersekretär

Ermordet am hellichten Tag

Geld, Aktentasche und die goldene Uhr hatte er noch bei sich, als er gefunden wurde. Bernhard Schopmeyer, Sekretär der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), wurde am 23. Juni 1945 in Osnabrück erschossen – nach Kriegsende. Viele sind überzeugt, dass er von Nazis ermordet wurde. Vermutlich, weil er zu viel wusste.

 

Maria und Bernhard Schopmeyer an ihrem Hochzeitstag 1927. Das
Paar hatte sechs Kinder. Der Mord an Schopmeyer konnte nie richtig
aufgeklärt werden. Foto: privat

Am Tag vor seinem Tod hatte er eine gewisse Vorahnung. Zwei Kerle hatten ihn tagsüber verfolgt; Bernhard Schopmeyer kannte sie nicht, aber er fühlte sich bedroht. Daran erinnert sich seine Frau Maria in ihrem Bericht, den sie nach seinem Tod verfasste, gut. Als er von einer Versammlung in der Ziegelstraße nach Hause kam, sagte er demnach zu ihr: „Wer sind die Männer, die da draußen vor der Tür stehen? Die verfolgen mich, die haben nichts Gutes im Schilde.“

Doch seine Frau hatte die Männer nicht gesehen. Am folgenden Tag, am 23. Juni 1945, wurde Bernhard Schopmeyer mittags im Osnabrücker Bürgerpark erschossen. Er war 44 Jahre alt und Vater von sechs Kindern. „Die Kugel drang in den Rücken und durchschlug Lunge und Herz“, schreibt Maria Schopmeyer. „Außer seinem Leben wollte man nichts; denn es fehlte nichts an Wertsachen, wie Fahrrad, Geldbörse mit einer Gehaltsnachzahlung von zwei Monaten über 1000 Reichsmark, seine Armbanduhr, sein Ring und seine Aktentasche. Man hat mir gleich gesagt, dass er zu viel gewusst hat, dass er deshalb verschwinden musste, damit nicht noch gewisse Leute benachteiligt würden“, schreibt seine Witwe. Wen sie damit gemeint haben könnte, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.

Schopmeyer, der bis 1928 dem Osnabrücker Stadtparlament angehört hatte, war im Juni 1945   mit den Plänen zur Neugründung einer Partei befasst, die den Geist der Zentrumspartei fortsetzen, aber keine katholische Partei sein sollte, sondern überkonfessionell wirken sollte. Die CDU Osnabrück, die im Herbst 1945 gegründet wurde, zählt Schopmeyer zu ihren geistigen Gründungsvätern. Jetzt wird in Osnabrück ein Stolperstein in Erinnerung an Bernhard Schopmeyer verlegt,  für den die CDU die Patenschaft übernommen hat.

Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus

Stolpersteine werden für Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Zum Beispiel für Menschen jüdischen Glaubens, die deportiert und ermordet wurden, für psychisch Kranke, die in den Kliniken umgebracht wurden, für Geistliche, die im KZ starben oder hingerichtet wurden, für Mitglieder von Parteien, die von den Nazis getötet wurden. Nach Auffassung des Initiativkreises Stolpersteine in Osnabrück war der Mord an Bernhard Schopmeyer politisch motiviert.

Schopmeyer, am 2. September 1900 in Hagen geboren, erlernte den Beruf des Zimmermanns, wurde Mitglied im Jugendverein und zum 1. Januar 1926 in die Diözesanleitung als Arbeitersekretär berufen. 1927 heiratete er. 1928 wurde Bernhard Schopmeyer für die Zentrumspartei in das Osnabrücker Stadtparlament gewählt, kurze Zeit später wurde er Abgeordneter des Provinzial-Landtages in Hannover. In Osnabrück war er Beisitzer am Arbeitsgericht und er leitete ein Büro, wo er Arbeitern Auskünfte in sozialen Fragen erteilte.

Mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler 1933 begann eine Zeit der Rückschläge. Schopmeyer wurde gezwungen, das Mandat in Hannover aufzugeben, dann wurde das Stadtparlament aufgelöst und linientreu neu besetzt. Sein Büro war eine Woche lang von der SA besetzt.

Am 28. August 1939 wurde Berhard Schopmeyer zum Heeresdienst eingezogen. Er war Soldat in Frankreich, Polen, Russland und im letzten Kriegsjahr in Flensburg. Er brachte Schriftstücke der Widerstandsbewegung mit nach Hause, die seine Frau nach dem Lesen sofort vernichten sollte.

Im September 1944, als Schopmeyer zu Besuch zu Hause war, klingelte die Gestapo an der Tür und wollte ihn mitnehmen. Schopmeyer weigerte sich, mitzugehen. Er sei Soldat und unterstehe nur dem Kriegsgericht, sagte er. Die Männer zogen ab. Schopmeyer informierte seinen Hauptmann. Der erhielt auf Nachfrage bei der Gestapo die Auskunft, es habe sich um eine allgemeine Aktion nach dem Attentat vom 20. Juli gehandelt.

Am 8. Mai erfolgte die Kapitulation Deutschlands, am 12. Mai kehrte Schopmeyer nach Osnabrück zurück. Wenige Wochen später wurde er erschossen.

Andrea Kolhoff

 

 

Zur Sache

Die Aktion Stolpersteine beruht auf einem Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Zur Erinnerung an Menschen, die von den Nationalsozialisten getötet wurden, werden Pflastersteine mit Messingplatten versehen, die den Namen und den letzten Aufenthaltsort des Opfers nennen. In Deutschland wurden schon an über 500 Orten Steine verlegt.

Am Mittwoch, 9. Juli, werden in Osnabrück sechs Stolpersteine verlegt, einer davon für Bernhard Schopmeyer (14 Uhr, Knollstraße 73). Weitere Steine gibt es für Menschen, die als psychisch Kranke ermordet wurden: Erinnert wird an Heinrich Linnemann, Gustav Kurdelmeyer, Frieda Auguste Zorn, Agnes Mayland und Paul Stämmler.