16.09.2016

Wie wird man „faire Gemeinde"?

Fünf Punkte für die Umwelt

Fast fünf Jahre gibt es die Initiative „Faire Gemeinde“. Knapp 75 der über 200 Kirchengemeinden im Bistum sind mittlerweile mit einem entsprechenden Siegel ausgezeichnet. Wie wird und bleibt man „faire Gemeinde“? 

Echt fair: Genießen und was Gutes tun - Annette Pohl und Anne Keßling (v. l.) geben Impulse für den Blick über den Tellerrand. Foto: Stefan Buchholz

Annette Pohl und Anne Keßling tauchten beim ersten Infotreffen über faire Gemeinden nicht zufällig auf. Die beiden Frauen aus der Pfarreiengemeinschaft Osnabrück-Süd beschäftigte das Thema bereits länger. „Kaffee und Tee habe ich für die Familie auch vorher schon im Weltladen gekauft“, sagt Anne Keßling. Ähnlich Annette Pohl: Sie versteht faires Handeln als Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung. „Wir wollen doch unseren Enkeln eine lebenswerte Welt hinterlassen.“

Zum Infotreffen hatte 2012 der Arbeitskreis „Faire Gemeinde“ geladen. Mit dabei: Hubert Hoffmann. „Wir haben überlegt, wie wir das in den Gemeinden publik machen können.“ Mit dem Kauf- und Konsumverhalten in den Pfarreien könnten wichtige Beiträge zum Schutz der Umwelt und für gerechtere globale Lebensbedingungen geleistet werden, so Hoffmann, der heute ehrenamtlich der Bischöflichen Kommission „Mission-Entwicklung-Frieden“ vorsteht. Praktisch soll das vor Ort so funktionieren: Jede Gemeinde geht eine Selbstverpflichtung ein. Sie orientiert sich an sechs fairen und sechs ökologischen Kriterien. „Einhalten müssen wir davon insgesamt fünf“, erklärt Anne Keßling.

Das Kunststoffgeschirr wird jetzt gespült

Die drei Osnabrücker Gemeinden verzichteten von Beginn an auf Pommesschalen aus Pappe. „Stattdessen gibt es sie jetzt aus Kunststoffgeschirr, das wir nach dem Spülen wiederverwenden können“, schildert Annette Pohl.  Das gefiel nicht allen. Durch das Spülen brauche man doch viel mehr Wasser, lautete ein Argument der Kritiker, das schließlich entkräftet wurde. Immer wieder mit den Leuten sprechen, sie erinnern, versuchen, neue Verbündete zu gewinnen – das gehört dazu, wenn man faire Gemeinde ist.

Auch wenn hier und da noch die Skeptiker ihre Augen rollen, wenn es um die konsequente Umsetzung geht: Anne Keßling und Annette Pohl sind schon ein bisschen stolz, was sie bislang erreicht haben: Der Pfarrbrief wird jetzt auf Recyclingpapier gedruckt und bei Präsenten sowie auf den Pfarrfesten und Veranstaltungen gibt es nur noch Produkte aus fairem Handel. Auch der Kindergarten macht komplett mit. 

Neue Kontakte durch die Vernetzungstreffen

Hilfreich sind auch die Kontakte, die während der jährlichen Vernetzungstreffen entstehen (siehe „Termin“). Und mittlerweile ist die Idee sogar ökumenisch: „Es gibt schon mehrere evangelische Gemeinden, die mit uns kooperieren“, so Hubert Hoffmann. Derzeit überlege der Arbeitskreis, wie er helfen kann, wenn im Laufe der Zeit die Begeisterung nachlässt. „Wir untersuchen gerade die Ursachen“, so Hoffmann. Die Auszeichnung „Faire Gemeinde“ bekomme man ja nicht dafür, sich nur auf den Weg gemacht zu haben, sondern auch auf ihm zu bleiben. 

Trotz mancher Rückschläge bleibt man in Osnabrück-Süd auf Kurs. Bald werden auch Druckerpatronen gesammelt, die recycelt werden. Anne Keßling: „Irgendwann wollen wir auch ein Gemeindefest klimaneutral veranstalten.“

Stefan Buchholz

 

 

Zur Sache

Kirchengemeinden, die als faire Gemeinde zertifiziert sind oder danach streben, sind zu einem Vernetzungstreffen nach Osnabrück eingeladen. Es findet statt am Samstag, 15. Oktober, von 9.30 bis 16.30 Uhr im Gemeindehaus von St. Joseph, Miquelstraße 25. Zum Programm gehört ein Blick in das päpstliche Lehrschreiben „Laudato si‘“ und dessen Bedeutung für die Aktion. Am Nachmittag gibt es Workshops über fairen Handel und nachhaltige Entwicklung. 

Informationen:
Telefon 05 41/31 88 20
E-Mail: info@suednordberatung.de
www.faire-gemeinde-os.de