28.05.2015

Lingener Gemeinden unterstützen Flüchtlinge und sammeln Alltagsgegenstände

Fahrräder und Bleistifte

Fahrräder, wo man hinsieht. Dicht an dicht stehen sie an der Seitenmauer der Kirche Maria Königin in Lingen und in einem auf dem Kirchenvorplatz abgestellten Anhänger, laufend kommen Autos angefahren und laden weitere Fahrräder ab. Was ist hier los?

Das hätten sich Diakon Christian Eilers, Bernward Rusche, Jette Seifert und Johannes Kröger von der Projektgruppe „Flüchtlinge – Heimat geben“ nicht träumen lassen, als sie dazu aufriefen, nicht mehr benötigte Fahrräder für Flüchtlinge und Menschen in Not abzugeben. „Ich hab die Kiste Bier verloren“, sagt Christian Eilers schmunzelnd. „Ich hätte nie geglaubt, dass wir mehr als 100 Fahrräder bekommen.“ Dabei sind am Aktionstag schon am Vormittag in St. Marien 62 Fahrräder abgegeben worden. In Maria Königin sind nachmittags doppelt so viele hinzugekommen, am Ende sind es 133 „Drahtesel“.

Jette Seifert, Johannes Kröger, Christian Eilers (von links), Bernward Rusche (rechts) von der Projektgruppe  „Flüchtlinge – Heimat geben“ sowie die freiwilligen Helfer Mark Riße mit Suna und Julie hatten bei der Sammlung der Fahrräder für Menschen in Not alle Hände voll zu tun.
                                                                                                                                                             Foto: Elisabeth Tondera

Bernward Rusche schüttelt mit gespielter Ratlosigkeit den Kopf: „Jetzt haben wir das Problem, dass wir nicht wissen, wohin mit den Rädern.“ Damit meint er nicht, dass sich nicht genügend Abnehmer finden. Doch bevor es so weit ist, müssen die Fahrräder überprüft werden, ob sie fahrtüchtig und verkehrssicher sind. Das und eventuelle Reparaturen übernehmen die Fahrradwerkstätten der Marienschule und der Gesamtschule Emsland, mit denen die Projektgruppe kooperiert. Die Schulen bieten an, die Räder bei Bedarf auch später zu reparieren. „Wir hoffen, dass die Flüchtlinge und Schüler auf diese Weise miteinander in Kontakt kommen“, meint Rusche.

Anspitzer, Lineale und Blöcke für die Schule

Nach der Überprüfung kommen die Räder in zwei Garagen des Bauhofes der Stadt Lingen unter und werden zu einem symbolischen Preis abgegeben. Den Bedarf soll der Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) ermitteln, mit dem die Projektgruppe zusammenarbeitet. „Weil die näher an den Menschen sind“, so Eilers und berichtet, dass die erste Aktion der Projektgruppe, die sich aus dem neu gewählten Pfarrgemeinderat gebildet hat, eine Sammlung von Schulmaterialien war. „Die ursprüngliche Idee dazu hatten unsere Erstkommunionkinder. Deren Motto war ‚Wer teilt, gewinnt‘. In einem Gottesdienst in der Maria-Königin-Kirche in Lingen hatten die Kinder Schulmaterial für Flüchtlingskinder gesammelt. Unsere Projektgruppe hat die Aktion auf die Pfarreiengemeinschaft ausgeweitet“, erzählt er.

In beiden Kirchenfoyers, der Grundschule Altenlingen, der Marienschule und dem Gymnasium Georgianum wurden Kisten aufgestellt, in die Anspitzer, Lineale, Collegeblöcke und, was im Schulalltag so gebraucht wird, hineingelegt werden konnten. „Auch bei dieser Aktion war eine Masse an Material zusammengekommen“, sagt der Diakon.

Dabei achtet die Projektgruppe darauf, bei ihren Aktionen stets die  Bedürfnisse der Menschen in Not im Auge zu behalten. „Wir möchten nicht in wilden Aktionismus verfallen und irgendetwas tun, was niemandem nützt, sondern genau überlegen“, betont Bernward Rusche. Die Idee, Fahrräder zu sammeln, ist Diakon Eilers gekommen, weil er zwischen St. Marien Biene und Maria Königin pendelt und ihm aufgefallen ist, dass auf dieser Strecke oft Einzelpersonen oder auch Familien zu Fuß unterwegs sind, teilweise mit schweren Einkaufstaschen. Inzwischen plant die Projektgruppe schon die nächste Aktion. Sie sucht nach Sprachpaten, die die Landessprache der Flüchtlinge beherrschen und sie zum Beispiel bei Behördengängen oder beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen.

Spielenachmittag für Kinder im Sommer

Im Sommer möchte die Gruppe einen Spielenachmittag für Kinder anbieten. „Wir wollen nicht nur etwas für die Flüchtlinge tun, sondern auch mit ihnen. Wenn wir die Kinder einladen, werden sie nicht alleine kommen, und da werden sich Kontakte ergeben“, vermutet Bernward Rusche. Christian Eilers denkt schon weiter: „Dann schauen wir, was sich wieder ergibt. Es werden sicher noch mehr Flüchtlinge kommen – und es wird eine Menge neuer Aufgaben geben.“

Elisabeth Tondera