18.11.2014

Frau aus Fürstenau startet Gebetsaufruf für den 8. Dezember

Fünf Minuten für den Frieden

Kriege und Katastrophen gibt es reichlich auf der Welt. Agnes Kempe lassen Konflikte in der Ukraine oder im Irak keine Ruhe. Sie betet viel für den Frieden – und möchte viele Menschen dazu bewegen, gemeinsam mit ihr zu beten. Dafür gibt es auch schon einen konkreten Termin.

 

Friedensinitiativen gibt es an vielen Orten im Bistum: In Nordhorn luden Anfang dieser Woche alle Religionen zum Lichtergang ein. Foto: Werner Westdörp

Bis vor ein paar Wochen lebte Agnes Kempe mit Russlanddeutschen zusammen in einem Mehrfamilienhaus. Als sich die Lage in der Ukraine immer mehr zuspitzte, fragte sie nach, wie es den Nachbarn gehe. Sie hörte von deren Freunden und Verwandten, und plötzlich war ihr dieser militärische Konflikt ganz nah. 2014 scheint es überall in der Welt zu brennen, die Nachrichten sind voll von medizinischen Katastrophen und militärischen Konflikten. „Ich glaube, viele Menschen stehen dem hilflos gegenüber“, sagt Agnes Kempe. Sie selbst ist ein gläubiger Mensch, Religion gehört zu ihrem Leben: „Wenn ich etwas nicht verkrafte, lege ich es dem Herrgott vor die Füße“, sagt sie und schmunzelt dabei.

Ein wenig leidet sie darunter, dass die Gesellschaft in Deutschland individueller geworden ist, dass die Gemeinsamkeit im Glauben zurückgeht. „Jeder kämpft für sich, das Wir-Gefühl ist nicht mehr da“, sagt sie. Ein gemeinsames Gebet vieler Menschen zum verabredeten Zeitpunkt – das scheint ihr eine gute Idee zu sein, um Ballast abzuwerfen. Fünf Minuten beten, am 8. Dezember um 19.20 Uhr – diesen Gedanken wollte sie ursprünglich nur in Osnabrück umsetzen. Aber dann nahm sie Kontakte auf zu Vertretern anderer Konfessionen – und plötzlich wuchs die Geschichte.

„Aus vollem Herzen beten – das kommt sicher an“

Agnes Kempe hat keine Scheu davor, so breit wie möglich zu diesem Gebet einzuladen – über die Grenzen der Länder, der Konfessionen, der Religionen hinweg. Dabei sei es nicht entscheidend, ob nun ein Vaterunser oder ein Ave Maria gebetet, ein Lied gesungen oder ein Bibeltext vorgetragen werde. Zwar könne auch im heimischen Wohnzimmer gebetet werden, aber mit anderen zusammen in der Kirche oder im Gemeindesaal – das wäre so recht nach dem Geschmack von Agnes Kempe. „Wenn wir aus vollem Herzen beten, kommt das sicher an.“

Manchmal denkt die 46-Jährige an die Erzählungen der Eltern und Großeltern, die über ihre Erlebnisse aus der Kriegszeit berichteten. „Das hat mich immer interessiert. Und ich habe mir immer die Frage gestellt, was ich an ihrer Stelle getan hätte.“ Dann denkt sie ein paar Jahrzehnte weiter. „Vielleicht müssen wir uns dann auch einmal fragen lassen, was wir 2014 gegen die aufkommende Kriegsgefahr unternommen haben.“

Agnes Kempe lädt für den 8. Dezember
zum Gebet ein. Foto: Matthias Petersen

Inzwischen hat Agnes Kempe für die Idee des Gebets viel Unterstützung bekommen. „Ich bin selbst erstaunt, wie sich das entwickelt“, sagt sie. Das mag auch an ihrem Lebensprinzip liegen: „Wenn ich einer Sache zugestimmt habe, beiße ich mich durch.“ Aber sie stellt auch klar: „Nicht ich bin das Entscheidende an der Aktion. Wir wenden uns an den allmächtigen Gott. Und das tun wir gemeinsam.“ Die Christen hätten einen „schönen Glauben“, meint sie. „Wir sind von Grund auf geliebt mit all unseren Fehlern und Schwächen.“

Den 8. Dezember hat Agnes Kempe nicht durch Zufall ausgewählt: Neun Monate vor dem Geburtsfest der Gottesmutter feiern die Katholiken an diesem Tag die Unbefleckte Empfängnis Mariens. Ein Gebet zu Maria könne nicht ohne Wirkung bleiben. „Die große Mama wird‘s schon richten“, sagt Agnes Kempe und schmunzelt wieder. „Vielleicht ist das ja eine gewisse Naivität. Die gestehe ich mir aber auch zu.“ Und auch die Uhrzeit – 19.20 Uhr – hat sie mit Bedacht gewählt: „Da ist nämlich gerade eine Lücke zwischen vielen Aktivitäten des Menschen. Deshalb passt das sehr gut.“

Matthias Petersen

Mehr zur von Agnes Kempe initiierten Aktion finden Sie hier.

 

Initiativen gesucht

Die katholische Friedensbewegung Pax Christi möchte eine Übersicht erstellen, wo es im Bistum Osnabrück Gebetsinitiativen für den Frieden gibt. Informationen an Franz-Josef Lotte, Telefon 05 41/2 17 75, E-Mail: os-hh@paxchristi.de