02.05.2016

Kommentar

Geht das? Geht doch!

Eigene Kinder haben – Stress und Arbeit oder das höchste Glück? Gedanken einer Mutter und einer Nicht-Mutter zum Muttertag.

Foto: fotolia

Geht das?

„So ein Enkelkind wäre ja auch schön“, müssen meine Freundinnen und ich uns immer mal wieder von unseren Müttern anhören – besonders jetzt zum Muttertag. Noch ist das mit einem Augenzwinkern verbunden. Noch.

Wir sind alle um die 30 Jahre alt. „Wir haben noch Zeit“, ist unsere einhellige Meinung zu dem Thema. Kinder? Dafür fühlen wir uns zu jung. Wir haben doch gerade erst das Studium geschafft, sind die ersten Jahre im Beruf, wollen jetzt Geld verdienen und einen gewissen Lebensstandard aufbauen.

Zugegeben, es ist auch eine gewisse Scheu vor der Verantwortung, die meine Generation umtreibt. Wir mögen unser aktuelles Leben: das regelmäßige Ausgehen, Urlaube, spontane Treffen mit Freunden – all‘ das würde wegfallen oder wäre mit  viel Aufwand verbunden. 

Noch mehr hält uns aber der eigene Hang zur Perfektion zurück. Wenn wir Kinder bekommen, wollen wir alles richtig machen. Doch wie kann das funktionieren, wenn der Job befristet ist? Ist man eine „Rabenmutter“, wenn man wieder arbeiten möchte? Leidet nicht die Partnerschaft unter der Arbeit und dem Stress? Denn – so nehmen wir es bei anderen wahr, die ihr „Leid“ klagen – Kinder sind vor allem Arbeit.

Und doch sage ich und jede meiner Freundinnen: „Irgendwann möchte ich Kinder.“ Irgendwann wollen wir die Nachteile in Kauf nehmen. Wir glauben, mit fast 30 Jahren, haben wir Zeit. Doch die Uhr tickt. Hoffentlich warten wir nicht zu lange – und wagen es. Irgendwann.

Von Kerstin Ostendorf

 

Geht doch!

Einen Zweifel gab es eigentlich nie: einen Zweifel daran, dass ich Kinder haben möchte. Auch nicht daran, dass ich mit einigem Ehrgeiz berufliche Ambitionen habe. Auch nicht daran, dass beides miteinander zu vereinbaren sein wird. Dass es trotzdem bis 35 gedauert hat, bis ich unser erstes Kind im Arm hielt und erst mit 40 das zweite – das hatte mehr mit „den Umständen“ zu tun als mit grundsätzlichen Bedenken.

Es gab auch nie die Frage, ob wir uns dies oder jenes nicht mehr leisten können, ob diese oder jene Party ausfallen muss oder dieses oder jenes Urlaubsziel erst in 20 Jahren wieder anzusteuern ist – vielleicht, weil wir in unserem „hohen Alter“ schon einiges erlebt hatten. Und weil wir ahnten, dass es noch Schöneres gibt als Auto, Party und Urlaub.

Vielleicht war manches etwas naiv. Kranke oder trotzköpfige Kinder, Gehetze zwischen Job und Einkauf, totlangweilige Elternabende, verregnete Nordseeurlaube und endlose Diskussionen mit „Pubertierenden“ – das hatten wir vorher nicht so im Blick. Und trotzdem: Jetzt, knapp 15 Jahre nach dem ersten Kind, habe ich immer noch keine Zweifel. Sicher: Ohne Kinder wäre mehr Karriere dringewesen, mehr Gehalt, mehr Zeit für Hobbys, mehr Ruhe. Aber keinesfalls mehr Glück!

Deshalb tut es mir leid, wenn junge Paare vor lauter Zweifeln nicht zum Kind kommen, wenn oft mehr von Problemen, Sorgen und Stress die Rede ist als von Lachen, Liebe und Glück. Traut euch, Leute, und glaubt mir: Es geht. Und zwar gut!

Von Susanne Haverkamp