20.05.2016

Kommentar

Gemach, gemach …

"Papst lässt Frauen zum Diakonat zu" - so oder ähnlich titelten in der vergangenen Woche Zeitungen und Onlinemagazine. Doch was steckt wirklich hinter der Äußerung von Papst Franziskus? Ein Kommentar von Susanne Haverkamp.

„Ich glaube, jetzt beginnt eine heftige Debatte.“ So reagierte Kardinal Walter Kasper auf die Ankündigung des Papstes, über eine Öffnung des Diakonats für Frauen nachzudenken. Und in der Tat: Kaum war der Satz gesagt, überschlugen sich die Medien mit der Ankündigung der frohen Botschaft, so, als stünde die erste Weihe spätestens nächstes Jahr zu Pfingsten an.

Doch: gemach, gemach! Was hat er denn genau gesagt, der Papst? Erstens: nichts Wohlüberlegtes. Franziskus wurde bei einer Versammlung von Ordens-oberinnen mit Fragen konfrontiert, die er offenbar vorher nicht kannte. „Er hatte keine fertigen Antworten. Er dachte beim Reden“, erzählte Schwester Katharina Ganz, Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen in Würzburg, Radio Vatikan kurz nach der Veranstaltung.

Und so offenbarte der Papst, angesprochen auf ein Diakonat der Frau bei den ersten Christen, zunächst seine eigene Unkenntnis. „Es gibt einige Veröffentlichungen über das Diakonat in der Kirche, aber es ist nicht klar, wie es aussah“, meinte er und erinnerte sich dunkel an ein lange zurückliegendes Gespräch darüber mit einem syrischen Theologen.

Darauf folgte die zweite Aussage: er wolle sich mal von der Glaubenskongregation über den neuesten Stand der Forschung unterrichten lassen. Und drittens eine offizielle Kommission einrichten, „die diese Frage durchdenkt. Ich denke, es wird der Kirche guttun, diesen Punkt zu klären.“ Punkt. Neues Thema. Frauen sollen in der Messe predigen dürfen? Nein!

Was gut ist: Papst Franziskus kennt kaum Tabus. Er lässt mit sich über (fast) alles reden. Auch über den Diakonat der Frau. Zumal er grundsätzlich dafür ist, Frauen mehr Verantwortung in der Kirche zu geben. Außerhalb der Priesterweihe, versteht sich. Keine Klerikalisierung, bitte.

Gut ist es deshalb auch, realistisch zu bleiben. Weder gibt es eine konkrete zeitliche Perspektive – nicht für die Kommission und nicht dafür, wie schnell sie arbeitet. Noch gibt es Anzeichen, dass der Diakonat der Frau ein Weiheamt würde. Es ist wohl an eine „Segnung und Sendung“ zu denken, wie sie auch hauptamtliche pastorale Mitarbeiter oder auch Lektoren bekommen.

So sah es zumindest die „Internationale Theologische Kommission“, die 2003 feststellte, „dass es tatsächlich ein Dienstamt der Diakonissen gegeben hat“, das aber „nicht als das einfache weibliche Äquivalent des männlichen Diakonats aufgefasst wurde“. Allen, die sich jetzt schon freuen, sei also leider gesagt: gemach, gemach!

Von Susanne Haverkamp