06.04.2017

Jahresbilanz der Psychologischen Beratungstellen

Gemeinsam nach Lösungen suchen

Die Beziehung der Eltern sei das Glück der Kinder, erklärt Bernhard Plois. Um für dieses Glück zu sorgen, wurden 2016 in der Ehe-, Familien-, Lebens- und Erziehungsberatung Kinder, Paare, Familien und Einzelpersonen beraten.

Diplom-Psychologin Birgit Westermann und Bernhard Plois, Leiter der Psychologischen
Beratungsstellen im Bistum Osnabrück. Foto: Nadine Vogelsberg

Fast alle Menschen wünschten sich eine stabile, funktionierende Beziehung, erklärt Bernhard Plois, Leiter der Psychologischen Beratungsstellen für Ehe-, Familien-, Lebens- und Erziehungsberatung im Bistum Osnabrück. Das sei statistisch belegt. Aber nicht immer erfüllt sich dieser Wunsch. Wenn es in der Beziehung kriselt, kommen ratsuchende Paare in eine der zehn Beratungsstellen im Bistum Osnabrück. Doch auch Menschen mit anderen Sorgen und Nöten kommen: Einzelpersonen, Kinder, Familien.

Insgesamt 5197 Ratsuchende haben sich 2016 neu angemeldet. Sie kommen aus allen gesellschaftlichen, sozialen und religiösen Schichten. 175 Mitarbeiter kümmern sich in zahlreichen Muttersprachen um sie: ob Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Türkisch, Arabisch, Farsi oder Russisch. Von den 4 731 500 Euro, die die Beratungsstellen kosten, kommt das Bistum für gut die Hälfte auf, die andere Hälfte wird durch kommunale Zuschüsse finanziert. Ein Großteil der Ratsuchenden hat Fragen zur Erziehung, etwa ein Drittel sucht Beratung zu Ehe und Familie.

Alle Beteiligten kommen zu Wort

Die Berater beziehen bei ihren Gesprächen alle involvierten Parteien mit ein, lassen jeden zu Wort kommen und beraten, ohne Partei zu ergreifen. Je früher die Beratung beginne, desto besser sei dies für das Wohl der betroffenen Kinder, meist im Alter zwischen sechs und elf Jahren. Immerhin 57 Prozent der Eltern dieser Kinder sind noch ein Paar.

Von der ersten Kontaktaufnahme bis zu einem Erstgespräch vergehen im Schnitt zwischen 14 und 21 Tagen, Bis zur Aufnahme der eigentlichen Beratung verstreichen noch einmal mehrere Wochen. Aber bereits dieses erste Gespräch helfe den Klienten bereits, ein wenig den Druck von ihrer Situation zu nehmen, ist sich Plois sicher.

Nicht selten empfehlen Ärzte, Schulen und soziale Dienste die Aufnahme einer Beratung über die Beratungsstellen. Auch Richter verweisen Paare, die dabei sind, sich scheiden zu lassen, oft an die Beratungsstellen, damit sie gemeinsam eine Lösung, beispielsweise für das Sorgerecht des gemeinsamen Kindes, finden. Bei diesen sogenannten hochstrittigen Paaren kann jedoch nur in einem Drittel der Fälle eine Lösung gefunden werden, erklärt Birgit Westermann, Diplom-Psychologin und Stellenleiterin der Erziehungs- und Familienberatung Osnabrück.

Sie erlebt oft, dass die Paare durch vorausgegangene Konflikte bereits sehr zerstritten sind. Dies stärkt nur das Misstrauen der beiden für den jeweils anderen, so dass sie um ihr Kind, ihre finanzielle Zukunft und sogar ihre Existenz fürchten. In einem solchen Fall ist es schwer, den ehemaligen Partnern die Ängste zu nehmen. Die Lösungen, die auf dieser Basis erarbeitet werden, beziehen sich meist nur noch darauf, beispielsweise Urlaubs- und Besuchszeiten des gemeinsamen Kindes zu regeln. Die Beziehung selbst ist zu diesem Punkt jedoch meist nicht mehr rettbar. Gerade während einer Trennung seien Eltern am verwundbarsten und am wenigstens in der Lage, ihre Rolle als Eltern auszufüllen, führt Westermann aus. Denn während Eltern eine Vorbildfunktion für ihre Kinder haben und ihnen als moralischer Kompass dienen, verliert der Nachwuchs oft den Halt, wenn die Eltern nicht mehr als Einheit agieren, sondern sich gegeneinander richten.

Eine feste Größe impastoralen Angebot

Doch die meisten Eltern kommen bereits, bevor sie derart zerstritten sind, so dass die Beziehung der Eltern, und damit die Beziehung der ganzen Familie zueinander, verbessert werden kann. Somit, resümiert Plois, „bleibt die Beratung eine feste Größe im pastoralen Angebot der Kirche“.

Nadine Vogelsberg