13.11.2012

Bremer leistet Indienhilfe

Gesucht: Kinderpaten

Indien ist für Karl Böhme zur Lebensaufgabe geworden. Elfmal hat er das Land bereist, vier Schulen mitfinanziert und bislang 116 Kinderpatenschaften vermittelt. Armut ist nicht vorherbestimmt – davon ist der Bremer überzeugt und setzt sich deshalb seit vielen Jahren für mehr Bildung und christliche Werte ein.

 

Karl Böhme in seinem „Indienzimmer“ zu Hause in Bremen mit vielen Erinnerungsstücken. Nach seiner letzten Reise im Oktober sucht er für vier Kinder, deren Fotos er mitgebracht hat, noch Paten. Foto: Anja Sabel

Skulpturen, Gemälde, Fotos – im Obergeschoss des Wohnhauses reiht sich ein Mitbringsel an das andere. Selbst die kitschig-bunten Willkommenshalsketten hat Karl Böhme aufbewahrt. Im Regal stehen Ordner, in denen die Kinderpatenschaften dokumentiert sind. Ein bisschen wehmütig lässt Böhme den Blick durch sein „Indienzimmer“ schweifen. Die elfte Reise auf den Subkontinent, die wenige Wochen zurückliegt, wird wohl seine letzte gewesen sein. Das Reisen strengt den 76-Jährigen mittlerweile sehr an. Schweißtreibende Temperaturen selbst nachts, unbequeme Betten in Missionsstationen im Urwald, die vielen Impfungen – „das macht der Kreislauf nicht mehr mit“, sagt er. Immerhin löste er ein Versprechen ein und nahm seine Enkeltochter Celine mit auf Indienreise. Die Abiturientin wollte unbedingt Mumbai, die Heimat ihrer Mutter, kennenlernen und überlegt jetzt sogar, einen Freiwilligendienst in Indien zu leisten. 

Auch der Weihbischof hat ein Patenkind

Über 50 Jahre Engagement für Indien sprechen für sich. Die Böhmes haben nach der Geburt ihrer ältesten Tochter nicht nur zwei indische Kinder adoptiert, sondern kontinuierlich Entwicklungsarbeit geleistet. Als Chefkonstrukteur einer Bremer Maschinenfirma sei er in der Lage gewesen, drei große Schulgebäude sowie eine Slumschule wesentlich mitzufinanzieren, sagt Karl Böhme. Außerdem vermittelte er bislang 116 Kinderpatenschaften: im Freundes- und Bekanntenkreis, in seiner Kirchengemeinde. Selbst Weihbischof Theodor Kettmann unterstützt ein Patenkind.

Die Hilfe begann 1960 mit einer Zwei-Dollar-Spende. Böhme schickte das Geld in einem Briefumschlag an den deutschen Pallottinerpater Hans Weidner, damals Apostolischer Administrator der Diözese Raipur. Nach dem Glauben des Hinduismus ist die Seele auf einer ständigen Reise. Ob Armut, Reichtum, Krankheit, Gesundheit, Dummheit oder Intelligenz – all diese Dinge weisen auf das vorherige Leben hin. Aus diesem Glauben heraus ist auch das Kastensystem begründet, das die gesellschaftliche Rangordnung in Indien festlegt: Jedem Hindu wird seine Rolle im jetzigen Leben entsprechend seiner Verfehlungen im vorherigen Leben zugewiesen. Mit vorherbestimmter Armut und Ungleichheit mag sich Böhme aber nicht abfinden. Er ist überzeugt: Für eine gerechtere bessere Welt ist Bildung und damit auch das Vermitteln christlicher Werte wichtig. „Selbst die höchste Hindukaste, die Brahmanen, schicken heute ihre Kinder in die christlichen Internate und Schulen, weil sie die besten sind“, sagt er.

Die meisten Ureinwohner sind Analphabeten

Eine dieser Schulen wurde im Dorf Jairamnagar gebaut, wo die älteste Missionsstation der Diözese Raipur steht. Dort besuchen 2000 Schüler den Unterricht. Die 1989 eingeweihte Schule heißt St. Joseph – wie die katholische Grundschule in Bremen-Oslebshausen. Auf dem Gelände befinden sich außerdem ein Mädchen- und ein Jungeninternat, eine 34 Hektar große Musterfarm sowie eine Krankenstation. Karl Böhme war schon oft dort und weiß, dass die meisten Ureinwohner, die im Urwald Aundhi leben, Analphabeten sind. „Die Eltern sind dankbar, wenn ihr Kind durch eine Patenschaft in einem Internat aufgenommen werden und eine Schule besuchen kann.“

Erfreut beobachtet der Bremer, was aus den Patenkindern wird: Einige sind heute Lehrerinnen, Krankenschwestern oder Ärzte – „Menschen, die gebildet sind und auch selbstbewusst mit veralteten Traditionen brechen“.

Anja Sabel

 

 

So funktioniert eine Patenschaft:

Die Patenschaft für ein Kind in Indien kostet monatlich 18 Euro (bis etwa zum 18. Lebensjahr). Von diesem Geld können der Schulbesuch und ein Internatsaufenthalt finanziert werden. Wer möchte, kann sich mit seinem Patenkind per Brief austauschen oder es sogar besuchen. Vermittelt wird die Patenschaft über das Kindermissionswerk in Aachen. Interessenten wenden sich an Karl Böhme in Bremen, E-Mail: karl.boehme1@nord-com.net