19.09.2016

Anfrage

Gibt es doch eine ewige Verdammnis?

Im ersten Korinterbrief heißt es: „… wessen Werk niederbrennt, der wird Schaden erleiden, er selbst jedoch wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch“ (3,14f). Bedeutet dies, dass es „ewige Verdammnis“ nicht gibt? H. S., 60437 Frankfurt

Ähnlich wie Sie haben Theologen schon früh in der Kirchengeschichte gefragt. Origenes (185–254) etwa und später das Konzil von Ferrara-Florenz (1438–1445) haben diesen Satz des Paulus mit der Vorstellung eines Fegefeuers in Verbindung gebracht. Allerdings gilt wie so oft in der Bibelauslegung: Einzelne Bemerkungen sollten nicht isoliert, sondern im Zusammenhang gelesen und interpretiert werden.

In seinem Brief an die Gemeinde in Korinth entfaltet Paulus hier keine Lehre vom Letzten Gericht. Sein Thema ist: Wie entwickelt sich eine junge christliche Gemeinde, nachdem sie das erste Mal von Christus gehört und sich zu ihm bekannt hat? Dabei verwendet Paulus das Bild vom Hausbau und den verantwortlichen Handwerkern.

Wie bei jedem Bau ist das Fundament das Wichtigste. Das einzige Fundament ist Christus; in Korinth hat Paulus es gelegt. Seither arbeiten andere daran weiter: Apostel, Wanderprediger, Gemeindemitglieder selber. Die tun das aber nicht immer nach denselben Plänen. Und deshalb schärft Paulus ein: Eines Tages kommt ans Licht, wer Pfusch am Bau der Gemeinde betrieben hat.

Am Tag des Gerichts werden – bildlich gesprochen – die verwendeten Baumaterialien einer Feuerprobe unterzogen: Was verbrennt, was hat Bestand? Gold, Silber, edle Steine sind bautechnisch wenig sinnvoll, brennen aber nicht, anders als Stroh, Gras und Holz. 

Das Bild besagt: Wer an der Gemeinde so weiterbaut, dass sie wächst, sich als echt und glaubwürdig erweist, wird beim Bauprüfungstermin belohnt. Wer gepfuscht hat, der „wird Schaden erleiden“: Sein Gewerk zerfällt; sein Pfusch wird verbrennen.

Er selber entgeht dem Gericht knapp, wenn auch schmerzhaft. Paulus mahnt also seine Leser, auch uns heutige Gemeindemitglieder, gut zu prüfen, welche Maßnahmen, Aktionen, Modelle und Lehren sie verkünden, annehmen und umsetzen. Über das sonstige Ergehen sündiger Menschen nach dem Tod macht er hier keine Aussagen.

Von Roland Juchem