05.07.2016

Fußballspiel verloren – na und? Warum die Isländer doch gewonnen haben

Großer Sieg für kleines Land

Im Viertelfinale der Europameisterschaft ausgeschieden – kein Grund zur Trauer. Ein besonderer Fußballabend mit katholischen Isländern in Haus Ohrbeck bei Osnabrück.

 

Es steht bereits 5:1 für Frankreich: Gunnar Örn Olafsson, Olafur Kristinsson und Hreinn Lindal (v.l.) nehmen es gelassen. Foto: Jörg Sabel

Der Text der isländischen Hymne „Lofsöngur“ ist ein biblischer Lobgesang an Gott, den Schöpfer des Landes. Allerdings ist sie schwer zu singen. Kein Problem für Hreinn Lindal, den Opernsänger aus der Nähe von Reykjavik. Seine geschulte Stimme übertönt sogar den Gesang der Nationalelf und der isländischen Fans im Stadion. Ein feierlicher Moment. Dass er sich jemals für Fußball interessieren und vor dem Fernseher mitfiebern wird, war noch vor wenigen Wochen undenkbar für Lindal.

Auch Gunnar Örn Olafsson hält es beim Viertelfinalspiel gegen Frankreich nicht auf seinem Zimmer. Olafur Kristinsson wiederum, Katholik wie seine beiden Landsmänner und Teilnehmer  einer Theologischen Studienwoche in Haus Ohrbeck, ist schon länger Fußballfan. Nach dem Anpfiff informiert er sich kurz auf Facebook, was in seiner Heimatstadt Reykjavik los ist, und zeigt ein Foto: Tausende Fußballbegeisterte drängen sich in der Innenstadt.

Dann fallen Tore, vier für Frankreich, schon in der ersten Halbzeit. „Das wird eine Schlacht“, sagt Kristinsson leise, bleibt aber gelassen. Ist es schlimm zu verlieren? „Überhaupt nicht“, antwortet der Jurist sofort. „Niemand hat geglaubt, dass wir so weit kommen. Ein großer Sieg für unser kleines Land!“  Er ist überzeugt, dass die Talentsucher in Zukunft auch nach Island schauen werden. „Das tut unserer Nation gut.“

Und wie erklärt er sich, dass  die Außenseitermannschaft so viele Sympathiepunkte sammelt? Für Kristinsson eine klare Sache: „Wir Isländer denken positiv. Wir geben nicht auf, versuchen immer, unsere Probleme zu lösen und haben eine Mannschaft, in der jeder für jeden einsteht.“ Zwei Tore fallen noch für Island. Am Ende reicht es nicht. Aber traurig ist niemand. „Jetzt freue ich mich auf das  Spiel Deutschland gegen Frankreich“, sagt Kristinsson, „und ich hoffe, dass Deutschland gewinnt!“ (asa)