07.02.2013

Liebesbriefe im Zeitalter von Kurzmitteilungen

Handgeschrieben zählt

Mit handgeschriebenen Briefen haben sich Menschen über Jahrhunderte ihre Liebe gestanden. Liebesbriefe berühmter Persönlichkeiten gehören sogar zur Weltliteratur. Aber macht sich im Zeitalter digitaler Medien noch jemand diese Mühe? Der Brief als romantische Art, seine Gefühle zu offenbaren, scheint vom Aussterben bedroht.

 

Schöne Erinnerungen auf dem Dachboden: Alte Liebesbriefe werden
oft aufbewahrt. Foto: Jörg Sabel

„Wie hast Du mir süss geschrieben, Du! Dein Brief war wie ein weiches Kosen deiner Hände ...“ Solche Herzensergüsse sind normalerweise nur für eine Person bestimmt. In diesem Fall waren sie es für den Landschaftsmaler Otto Modersohn. Seine Frau Paula Modersohn-Becker, ebenfalls Künstlerin, ahnte im Jahr 1900 nicht, dass sich ihre Briefe eines Tages in einem Sammelband wiederfinden werden.

Auch Liebesbekenntnisse anderer berühmter Menschen sind nicht privat geblieben. Viele gehören zur Weltliteratur, gewähren einen intimen Blick in die Seele und sind sogar interessant für die Forschung. Ob Goethe, Schiller oder Voltaire, Beethoven, Ibsen oder Dickens – ihre handschriftliche Zeilen spiegeln die großen Dramen wider: den Überschwang der Gefühle, Ängste vor dem Verlust, Zärtlichkeit und Eifersucht, erfülltes Glück und schmerzliche Trennung. „In Briefen überleben die ungezählten Komödien und Tragödien unseres Lebens“, sagt der Autor und Literaturkritiker Werner Fuld, der eine Liebesbriefsammlung bekannter Frauen und Männer unter dem Titel „Ich küsse dich von Kopf bis Fuß“ herausgegeben hat.

Seit Jahrtausenden versuchen Menschen, ihre Liebe in kunstvolle Formen zu gießen. Schon in der Bibel findet sich ein höchst erotisches Liebesgedicht: Das Hohelied Salomos im Alten Testament ist eine einzige Liebeserklärung. Liebesbriefe in der Literatur finden sich auch in der Antike, beispielsweise bei Ovid. Eine Blütezeit der Liebeslyrik war das Mittelalter, als die Minnesänger ihre Liebeserklärungen vor ihrer Angebeteten, meist einer höfischen Dame, in Liedform vortrugen.

Paare auf Fantasiereise: Wie sieht unsere Beziehung in 20 Jahren aus?

Blamiert man sich, wenn man heute noch zu Stift und Papier greift? „Auf gar keinen Fall“, sagt Marie Pieck. Die Musikerin und Religionspädagogin leitet Paarseminare in der Katholischen Familienbildungsstätte Osnabrück. Und dort kommen Liebesbekenntnisse in Briefform gut an. Beispielsweise begeben sich die Paare auf Fantasiereisen: Sie schreiben auf, wie sie ihre Beziehung in fünf, zehn oder 20 Jahren sehen, wie sie dann auch mit Alter und Krankheit umgehen würden. Marie Pieck, dreifache Mutter, hat zuletzt nach der Geburt eines ihrer Kinder einen Brief erhalten. Eine Idee der Hebamme. Sie schlug den werdenden Vätern vor, an ihre Partnerin zu schreiben und so ihre Gefühle für sie und das noch ungeborene Kind auszudrücken. „Ein wunderschöner Liebesbeweis“, findet Marie Pieck. 

Im Zeitalter des Internet bleibt die Sehnsucht nach Romantik manchmal unerfüllt. Die Kommunikationsformen heute sind direkter und kürzer. Für wortarme Verliebte bieten Liebesbriefagenturen und digitale Liebesbriefgeneratoren ihre Dienste an.

Was Liebende sich heute schreiben, das weiß Eva Wyss. Die Sprachwissenschaftlerin hat an der Universität Zürich ein Liebesbriefarchiv der Gegenwart aufgebaut. Für ihre Habilitation über den „Liebesbrief im 20. Jahrhundert“ rief Wyss in mehreren Medien dazu auf, ihr private Liebesbotschaften zu schicken. Sie erhielt seitenlange Briefe, kleine Zettelchen mit Kinderhandschrift, erotische E-Mails und flüchtige SMS. Inzwischen hat sie mehr als 6000 Dokumente archiviert.

Marie Pieck findet handgeschriebene Liebesbriefe langlebiger als E-Mails. „Man liest sie 20, 30 Mal, legt sie unters Kopfkissen, trägt sie wochenlang mit sich herum und bewahrt sie oft in einer Schachtel auf dem Dachboden auf.“ Eines ist sicher: Liebeserklärungen wird es immer geben. Und Liebesbriefe deshalb irgendwie auch.

Anja Sabel

 

 

Wohin rund um den Valentinstag 2013?

Bramsche: Segnungsgottesdienst zum Valentinstag am 14. Februar um 18 Uhr in der St.-Martinus-Kirche für alle Paare, die befreundet, verliebt oder verheiratet sind

Osnabrück: Valentinsgottesdienst mit Paarsegen am 14. Februar um 20 Uhr in der St.-Ansgar-Kirche, anschließend Begegnung im Gemeindehaus

Osnabrück: „Zeit für Paare“ am Samstag, 16. Februar, von 10 bis 19.30 Uhr in der Katholischen Familienbildungsstätte Osnabrück, Große Rosenstraße 18. Ein Tag für Partnerschaft im grau-bunten Alltag der Ehe: Was hält Paare zusammen? Was mögen sie aneinander? Und wie prägen Kinder und Familie die Partnerschaft? Mitbringen: ein Hochzeits- oder Paarfoto.

Osnabrück: „Bettgeflüster“, Geschichten über die Liebe zum Valentinstag mit Märchenerzählerin Sabine Meyer und Patrick Pagendarm (Flügel) am Samstag, 16. Februar, um 20 Uhr, Steinwerk Ledenhof, Am Ledenhof 3-5. Anmeldung: Erzähltheater Osnabrück, Telefon 05 41/5 80 43 85, E-Mail: info@erzaehltheater-osnabrueck.de

Stapelfeld: ein Abend mit Segnungsfeier zum Valentinstag für Paare, 14. Februar, 19 bis 22 Uhr in der Katholischen Akademie Stapelfeld. Information/Anmeldung: Barbara Ostendorf, Telefon 0 44 71/1 88 11 32, E-Mail: bostendorf@ka-stapelfeld.de

Georgsmarienhütte: Frisch verliebt? Noch verliebt? Segensfeier für alle Paare und Konfessionen am 14. Februar um 19.30 Uhr in der Bruder-Klaus-Kirche an der Katholischen LandvolkHochschule in Oesede, anschließend Sektempfang, Anmeldung: Telefon 0 54 01/8 66 80

Wallenhorst: Segensfeier zum Valentinstag für alle Paare und Verliebte in der Pfarreiengemeinschaft Wallenhorst um 19 Uhr in der Alten Kirche.

Bremen: Segnungsgottesdienste unter dem Motto „Ein Segen für die Liebe“ am 14. Februar um 19 Uhr in der St.-Hedwigskirche und St.-Bonifatius-Kirche; 19.30 Uhr in der St.-Hildegard-Kirche; 20 Uhr in der Propsteikirche St. Johann

Spelle: ökumenischer Segnungsgottesdienst am 14. Februar um 19.30 Uhr in der St.-Johannes-Kirche

Lingen: Segnungsgottesdienst am 14. Februar um 19.30 Uhr in der St.-Bonifatius-Kirche, mit dem Chor „Cantamus“ aus der Maria-Königin-Gemeinde in Lingen

Nordhorn: Segnungsgottesdienst am 14. Februar um 19 Uhr in der St.-Augustinus-Kirche