21.04.2016

Zu Besuch bei der ersten rumänisch-orthodoxen Gemeinde in Osnabrück

Ikonen in St. Wiho

Ikonen für den Altarraum und ein Priestergewand aus Bukarest bringt Pastor Ilie Bogdan zur Gottesdienstfeier mit. Die neu gegründete rumänische Gemeinde feiert ihre Gottesdienste in der Osnabrücker Kirche St. Wiho.

 

Pastor Ilie Bogdan und seine Frau Simone sind seit 2012 in Deutschland. Foto: Philipp Adolphs

Ilie Bogdan wirft sein mit Gold besetztes Gewand über die Gläubigen. Sie knien betend vor ihm, allein oder in Gruppen. Dabei liest der junge Pastor aus der Heiligen Schrift. Nach einer Weile gibt er die verzierte Bibel einem Gläubigen, der laut weiterliest, während der Pastor herumgeht und jeden Anwesenden persönlich segnet. Ein Gottesdienstbesucher singt immer dieselben rumänischen Verse.

Pastor Ilie, Jahrgang 1982, leitet die erste rumänisch-orthodoxe Gemeinde in Osnabrück. In der katholischen Kirche St. Wiho fanden er und etwa 50 Gläubige ein Zuhause für ihre neu gegründete Gemeinde zur „heiligen Teodosie von Brazio“. Ein paar der zahlreichen Ikonen, die während des Gottesdienstes den Altarraum schmücken, hat Pastor Ilie aus Rumänien mitgebracht, für einige andere hat er die Bilder von Heiligen aus dem Internet ausdrucken und rahmen lassen. Eine Decke, die während der rumänischen Liturgie den Altar ziert, und sein priesterliches Gewand sind das Handwerk eines Schneiders aus Bukarest.

Ilie Bogdan hat in Bukarest und Sibiu Theologie studiert. In Deutschland müsste man ihn eigentlich Bogdan Ilie nennen: In Rumänien nennt man den Familiennamen immer an erster Stelle. Jeden Sonntag richtet Ilie ab acht Uhr die Wihokirche für den Gottesdienst her, anschließend baut er alle liturgischen Gegenstände wieder selbst ab. Bis zum orthodoxen Osterfest feiert die Gemeinde auch jeden Freitagabend die Liturgie der Krankensalbung mit anschließender Beichtgelegenheit. Ostern ist nach orthodoxem Kirchenkalender in diesem Jahr am 1. Mai.

Pfarrer Christoph Baumgart betreut die katholische Gemeinde St. Wiho, die zur Pfarreiengemeinschaft mit St. Elisabeth und St. Josef Hasbergen gehört. Da in St. Wiho die Messe am Samstagabend gefeiert wird, sei diese Gastfreundschaft so leicht möglich: „Die Stimmung war: Alle tun etwas für Flüchtlinge. In Hellern gibt es keine, also dachten wir, wir tun etwas für die rumänischen Gläubigen“, erzählt Pfarrer Baumgart.

Viele Rumänen arbeiten in der Fleischindustrie

Nachdem ihn eine Anfrage von Ilie Bogdan über den Dechanten Bernhard Stecker erreichte, beriet Baumgart sich mit dem Kirchenvorstand, dem Pfarrgemeinderat und Bischof Franz-Josef Bode. Alle Befragten stimmten der Allianz zu. Die Nutzungsvereinbarung mit der rumänischen Gemeinde umfasst nur zwei Seiten, die Nutzung erfolgt kostenfrei. Schließlich lud Baumgart Pastor Ilie ein, sich im katholischen Gottesdienst vorzustellen. Im Gegenzug schauten einige Katholiken bei der rumänisch-orthodoxen Liturgie vorbei.

„In Osnabrück und Umgebung gibt es etwa 1500 rumänische Orthodoxe“, sagt Baumgart, daher sei Pater Ilie beauftragt worden, die Gemeinde zu gründen. Auf der Internetseite der „Rumänischen orthodoxen Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa“ heißt es: „Seine Eminenz Seraphim ordiniert Diakon Bogdan Ilie, als Priester eine neue Gemeinde in Osnabrück zu organisieren, um dem wachsenden Bedarf in der wichtigen Stadt gerecht zu werden.“

Tatsächlich werden seit einigen Jahren immer mehr neue rumänische Gemeinden gegründet: in Bielefeld, Dortmund, Bremen, Hannover und Sögel. „Seit 2014 brauchen Rumänen keine Erlaubnis, um in Deutschland zu arbeiten“, sagt Ilie. „Viele Rumänen arbeiten in der Fleischerei, auch samstags und auch in Nachtschicht; in Lengerich oder Georgsmarienhütte. Deswegen können sie sonntags nicht zur Kirche kommen“, sagt er. „Die alten Leute sind in Rumänien geblieben, hier in Osnabrück gibt es aber viele Familien, die möchten ihre Kinder hier taufen und hier heiraten. Das ist gut und schlecht, denn die Dörfer in Rumänien werden leer.“

Pastor Ilie ist mit seiner Frau Simone, einer Ärztin, seit 2012 in Deutschland. Die ersten Jahre verbrachten sie im Hochsauerland. Ihre kleinen Söhne heißen Joan und Mateo.

Nach jedem Gottesdienst führen sie noch lange Gespräche mit den Besuchern: „Es gibt viele, die ein Problem haben, und einen Pfarrer brauchen,“ sagt Ilie, „wir hoffen, wir werden eine kräftige Gemeinde“.

Philipp Adolphs