26.09.2011

Semesterauftakt an der Universität Osnabrück

Imam-Weiterbildung geht in die zweite Runde

Die bundesweit erste universitäre Weiterbildung für Imame und Seelsorgerinnen in Osnabrück geht in die zweite Runde. 28 muslimische Studierende – darunter sieben Frauen – aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen haben sich für den neuen Kurs angemeldet.

 

Prof. Martina Blasberg-Kuhnke überreicht die Zertifikate. Rechts neben ihr: Prof.
Bülent Ucar und Ministerin Aygül Özkan. Foto: Anja Todt

Die Teilnehmer wurden jetzt von der niedersächsischen Sozial- und Integrationsministerin Aygül Özkan begrüßt. Zugleich erhielten die ersten 30 Absolventen ihre Abschlusszertifikate.

Für die Integration gläubiger Muslime sei die Ausbildung von Imamen in Deutschland richtig und notwendig, betonte Özkan. „Es ist eine Bereicherung für alle, wenn Imame religiöse Inhalte auf Deutsch vermitteln können und die deutsche Gesellschaft und unser Rechtssystem kennen.“

Wesentlich entspannter als zu Beginn des Pilotprojektes zeigte sich diesmal Professorin Martina Blasberg-Kuhnke, Vizepräsidentin der Osnabrücker Universität. „Wir freuen uns, dass wir weiteren Imamen und Seelsorgerinnen das zweisemestrige deutschsprachige Programm anbieten können, um ihre Arbeit in den Moscheegemeinden so gut wie möglich zu unterstützen“, sagte sie. Auch Professor Bülent Ucar, Leiter des Zentrums für Interkulturelle Islamstudien, ist zufrieden mit dem Verlauf: „Das Interesse ist ungebrochen. Wir haben gute Pionierarbeit geleistet.“

Das Weiterbildungsprogramm umfasst zwei Schwerpunkte: Vor allem für theologisch vorgebildete Imame aus dem Ausland ist der Bereich „Landeskunde“ interessant. In diesen Kursen geht es um Geschichte, Politik, Recht und Gesellschaft in Deutschland.

Im zweiten Schwerpunkt werden pädagogische Kenntnisse für die Jugend- und Gemeindearbeit vermittelt. Für die aus dem Ausland stammenden Imame ist es wichtig, dass sie ausreichende Deutschkenntnisse mitbringen, damit sie sich ohne Schwierigkeiten verständigen und theologische Inhalte in Deutsch wiedergeben können.

Wieder mehr Bewerber als vorhandene Plätze

Auch in diesem Jahr konnten nicht alle Bewerber berücksichtigt werden. Die Kosten des Fortbildungsprogramms in Höhe von 300 000 Euro teilen sich das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration sowie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Manfred Schmidt, spricht von einem Projekt mit Modellcharakter, das andere Universitäten ermuntern könne, ähnliche Programme aufzulegen. Für das Wintersemester 2012/13 plant die Universität Osnabrück einen Bachelorstudiengang für die Ausbildung von islamische Theologen und Imamen.

Die Universität Osnabrück ist Vorreiter im Bereich der Islamischen Religionspädagogik und Theologie in Deutschland und in Europa. Bereits 2002 begann sie, muslimische Religionslehrer auszubilden. Vor drei Jahren wurde das Zentrum für Interkulturelle Islamstudien gegründet.

Im Oktober vergangenen Jahres gab Bundesforschungsministerin Annette Schavan bekannt, dass eines der vier bundesdeutschen Zentren für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück entstehen soll. Jetzt erhielt die Uni den entsprechenden Zuwendungsbescheid über drei Millionen Euro. Das Zentrum wird besonders den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern und damit eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung von Religionsgelehrten im staatlichen Hochschulsystem gewährleisten. (at)