18.02.2015

Firmlinge produzieren Radiobeiträge für die Fastenzeit

Interview im Sarglager

Wie können wir Jugendliche auf die Firmung vorbereiten? Diese Frage beschäftigt viele Gemeinden. In Herzlake gibt es jetzt ein neues Konzept. Dort produzieren die Firmlinge fünf Radiosendungen – die Themen haben es in sich.

 

Recherche im Bestattungshaus: Für ihre Radiosendung über Tod und Sterben befragten die Firmlinge auch Doris Kötter (l.). Foto: Petra Diek-Münchow

„Wollt ihr mal gucken?“, fragt Doris Kötter. Ein bisschen verlegen schauen sich die Firmlinge an. Kein Wunder, sie stehen vor einem leeren Sarg. Schließlich überwindet sich einer der Jungen und hebt mit Pastoralreferent Dominik Witte den Holzdeckel an. Die Jugendlichen treten näher heran, werfen einen Blick auf die weiße Decke und das Kissen – verlieren langsam ihre Scheu.

Dass die jungen Leute an diesem Abend im Sarglager des Bestattungshauses Kötter in Lähden-Holte stehen, hängt mit ihrer Firmung zusammen. Die Pfarreiengemeinschaft Herzlake/Dohren probiert in diesem Jahr eine neue Vorbereitung aus. Statt wöchentlicher Gruppentreffen produzieren die 45 Firmlinge fünf jeweils 15-minütige Radiosendungen für die Fastenzeit. Die können die Herzlaker vor dem Hochamt direkt in der Kirche hören. Oder eben zu Hause an jedem Radio. Schon seit 1998 verfügt die Gemeinde über die technischen Möglichkeiten für diesen Kirchenfunk.

Die Idee zu dem Projekt hatte Dominik Witte. Er weiß, wie schwierig die Firmvorbereitung sein kann – und wie schwer es Jugendlichen fällt, dabei über Fragen des Glaubens zu sprechen. „Im Radio reden sie jetzt auch über den Glauben, aber eben anders“, sagt er. Die praktische Arbeit, die Recherche vor Ort, die Aufnahme und das fertige Produkt am Ende motivieren die Firmlinge mehr als jeder theoretische Gruppennachmittag.

Jeder Beitrag so professionell wie möglich

Die Themen haben es dabei in sich. Es geht um die Fastenzeit und Glaubensvorbilder wie Franziskus, um die aktuelle Situation der Kirche und den Heiligen Geist, um Tod und Sterben. Die Radiobeiträge dazu entstehen ganz unterschiedlich. Für einige schreiben die Firmlinge mit Hilfe ihrer Katecheten eigene Texte und nehmen diese auf, für andere führen sie Interviews zum Beispiel mit Pfarrer Frank Rosemann oder mit Gottesdienstbesuchern. „Das war nicht immer so einfach“, sagt Witte, „weil es eine ungewohnte Situation für die Jugendlichen ist, am Mikro zu stehen und sendereif zu sprechen.“ Verhaspler schneidet er später heraus, damit jeder Beitrag möglichst professionell wirkt. Außerdem hat sich Witte, der nebenberuflich Kirchenmusiker ist, eine eigene Titelmelodie überlegt.

Für den Beitrag über das Thema Tod und Sterben recherchieren die jungen Leute an einem für sie ungewohnten Ort, direkt im Bestattungshaus. Doris Kötter und Tochter Marita stellen ihnen dabei offen ihre Arbeit vor. Ganz selbstverständlich sprechen sie über See- und Feuerbestattungen, erzählen von Begegnungen mit Trauerfamilien, zeigen Urnen und Kindersärge – sparen auch unbequeme Details nicht aus.

Man kann auf den Gesichtern der Firmlinge ablesen: Über dieses Thema sprechen sie sonst nicht so oft, da läuft bei manchem ein Kopf-Kino. Nur zögerlich stellen sie deshalb am Anfang Fragen, aber alle hören gespannt und aufmerksam zu. Und die Frage von Firmkatechetin Martina Timmermann an Doris Kötter am Ende passt genau zu ihrem Radiobeitrag. Was hilft am besten bei belastenden Erlebnissen? „Reden, reden, reden“, sagt die Bestatterin. Das wird die Sendung sicher erreichen.

Petra Diek-Münchow

Die Gemeinde in Herzlake überträgt jeden Sonntag um 10.30 Uhr das Hochamt auf der UKW-Frequenz 106,1 MHz. Die Übertragung reicht etwa zehn Kilometer weit. Für die Fastenzeit stellen die Firmlinge fünf Sendungen her, die 15 Minuten vor den Gottesdiensten starten. Die Termine: Sonntag, 22. Februar, 1. März, 8. März, 15. März und 22. März. Die Beiträge sind auch abrufbar: www.pfarreiengemeinschaft-herzlake-dohren.de