13.03.2013

Verkauf von „Solibrot" hilft Bauern in Bangladesch

Jedes Brot füllt die Spendenbox

„Solibrot – schmeckt gut und tut gut“ ist das Motto einer Misereoraktion in der Fastenzeit, die der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) unterstützt. Ob das Brot wirklich gut schmeckt, kann man zum Beispiel in Aschendorf testen.

 

Hoffen auf einen guten Verkauf des Solibrotes:  Waltraud Thieke, Hermann Tombrink, Marita Determann und Sigrid Egbers. Foto: Kerstin Ostendorf

Klein, eckig, dunkelbraun und mit Kürbiskernen bestreut: So sieht das Solibrot der Bäckerei Tombrink in Aschendorf aus. „Soli“ steht dabei nicht für ein besonderes Korn oder eine neue Form des Solidaritätszuschlags für Deutschlands Osten, wie einige Kunden bereits vermuteten. Es steht für Solidarität mit Entwicklungsländern – in Aschendorf für die Solidarität mit den Kleinbauern in Bangladesch – und wurde von der Hilfsorganisation Misereor ins Leben gerufen.

Hermann Tombrink, Inhaber der Bäckerei, musste nicht lange überlegen, als Waltraud Thieke und Marita Determann vom Leitungsteam des Aschendorfer Frauenbundes auf ihn zukamen. „Das war überhaupt kein Problem. Wir haben schon andere soziale Aktionen unterstützt“, sagt Tombrink. Seit dem Aschermittwoch verkauft er das Kürbiskern-Malz-Brot für 2,70 Euro. Fünfzig Cent pro Brot gehen als Spende an Misereor.

Zum ersten Mal arbeiten in diesem Jahr der KDFB auf Bundesebene und Misereor zusammen. „Bislang haben einzelne Diözesanverbände die Aktion unterstützt“, sagt Sigrid Egbers, Diözesanvorsitzende des KDFB. In diesem Jahr beteiligt sich der Verband im Bistum ebenfalls zum ersten Mal und bereitet verschiedene Aktionen in Osnabrück, Hollage, Wallenhorst, Bremen, Papenburg und eben in Aschendorf vor. Neben dem Verkauf des Brotes bei zwei Aschendorfer und einer Hollager Bäckerei backen und verkaufen die Frauen auch selbst Brot oder planen Aktionen mit Kindergärten und Grundschulen. Misereor unterstützt dabei mit Material: Arbeitshefte mit Gebeten und Meditationen, ein genauer Zeitplan, Plakate, Aufkleber, Spendenboxen und Brottüten.

Hunger ist heute nur noch ein Ziehen im Magen

Beim monatlichen Frühstück der Frauen in Aschendorf wird auch über den Wert von Brot und Nahrungsmitteln gesprochen. „Hunger ist für uns heute ein Ziehen im Magen, das anzeigt, das Zeit für die nächste Mahlzeit ist“, sagt Egbers. Entbehrungen kenne man nur noch aus der Kriegs- und Nachkriegszeit.

„Weltweit hungern aber immer noch eine Milliarde Menschen, obwohl eigentlich ausreichend Nahrungsmittel vorhanden sind“, sagt Egbers. So muss Bäcker Tombrink zum Beispiel jede Woche zwei Kubikmeter Altbrot spenden oder entsorgen, weil die Kunden bis kurz vor Ladenschluss eine große Auswahl möchten. „Zweimal in der Woche kommt die „Tafel“ und holt Brot ab. Der Rest wird zu Tierfutter verarbeitet“, sagt er.

In diesem Jahr sammeln die Frauen bei der Solibrot­aktion Erfahrungen. „Man kann sicherlich noch einiges verbessern, zum Beispiel die Werbung“, sagt Determann. Tombrink stimmt dem zu: „Die Flyer sind sehr klein und fallen kaum auf“, sagt der Bäcker. Dennoch ist er insgesamt ganz zufrieden: Täglich verkauft er zwischen zehn und zwanzig Solibrote – und so füllt sich auch die Spendenbox.

Kerstin Ostendorf
 

 

 

Hintergrund

Mehr als 75 Prozent der Bevölkerung von Bangladesch leben als Bauern auf dem Land. Doch sie hungern, weil sich die Landwirtschaft verändert hat. Gab es früher bis zu 100 verschiedene Reissorten, setzt man nun auf Monokultur, Kunstdünger und Pestizide. Die Böden sind ausgelaugt, was zusammen mit der Klimaveränderung zu Ernteausfällen führt. Familien kommen in die Abhängigkeit von Großbetrieben, müssen Saatgut und Pestizide kaufen und verschulden sich. Misereor hilft den Kleinbauern und schafft ein Netzwerk, das sich auf die traditionellen Anbaumethoden besinnt. Die Familien bauen Saatgut an, das robust und anpassungsfähig ist.