08.06.2012

22. Juni

John Fisher, Thomas Morus

Johannes Fisher (englischer Vorname: John)

Geschichte: John Fisher trat 1483 in das College Michaelhouse in Cambridge ein, um 1491 erfolgte die Priesterweihe. 1501 wurde er Doktor der Theologie und Vizekanzler, 1502 Theologieprofessor und 1504 schließlich Bischof von Rochester. 1504 und in den folgenden zehn Jahren wurde er zum Kanzler der Universität in Cambridge gewählt, bis er das Amt 1514 auf Lebenszeit erhielt. Es wurde tatsächlich erst nach seinem Tod neu besetzt. Damals hoch angesehen, hielt Fisher 1509 die Grabrede auf König Heinrich VII. Prediger war er ebenfalls bei der Verbrennung protestantischer Schriften am 12. Mai 1521 in St. Pauls Cross in London.

Fisher war Gelehrter, ein Kenner des Humanismus, der katholischen Tradition, er war mit anderen Humanisten befreundet (unter anderen mit Erasmus von Rotterdam) sowie ein Reformer in der katholischen Kirche Englands (Klerusreform).

In theologischen Streitfragen bezog Fisher eine klare Position: Er wandte sich gegen die antiklerikale Haltung des englischen Unterhauses und gegen die protestantischen Bestrebungen seiner Zeit. Seiner Feder entstammen wichtige Werke, auch Streitschriften gegen den damals aufkeimenden Protestantismus und insbesondere gegen Luther.

Im Streit Heinrich VIII. hinsichtlich der angestrebten Scheidung von Katharina von Aragón, deren Beichtvater Fisher war, vertrat er die katholische Position, die er in mehreren Schriften darlegte. Er wurde 1534 im Tower eingekerkert, weil er den Suprematseid nicht leistete, der den englischen König zum Oberhaupt der englischen Kirche machte. Während seiner Gefangenschaft erhob ihn Paul III. am 20. Mai 1535 zum Kardinal. Fisher wurde des Hochverrats angeklagt, zum Tode verurteilt und am 22. Juni 1535 enthauptet, wenige Tage vor Thomas Morus.

John Fisher, 1935 heilig gesprochen, wird in der katholischen Kirche als Märtyrer verehrt. Mittlerweile wird seiner auch in der anglikanischen Church of England (Gedenktag 6. Juli) gedacht.

Herkunft des Namens: „Gott ist gnädig“ (hebräisch)

 

 

Thomas Morus

Geschichte: Thomas Morus, 1478 in London geboren, machte sich schon in jungen Jahren einen Namen als Anwalt, Politiker, Gelehrter und Schriftsteller. Mit 25 Jahren war er bereits Mitglied des Unterhauses. Als überzeugter Christ hatte Thomas Morus lange überlegt, ob er Mönch oder Jurist werden solle. Seine Entscheidung, eine weltliche Laufbahn einzuschlagen, hinderte ihn jedoch nicht daran, sich mit theologischen Fragen zu beschäftigen und in der Kirche Verantwortung zu übernehmen.

Während im Mittelalter der Glaube an die Vorbestimmtheit des Menschen durch sein unentrinnbares Schicksal vorherrschte, glaubte der Humanist Morus an die Vernunft und Handlungsfreiheit, die jedem Menschen von Gott gegeben ist. In diesem Bewusstsein erzog und lehrte Thomas Morus seinen Sohn und seine drei Töchter. Dass seine Töchter die gleiche akademische Ausbildung bekommen konnten wie sein Sohn, war Morus sehr wichtig.

Unter König Heinrich VIII. – bekannt wegen seiner zahlreichen Ehefrauen – war Thomas Morus ein angesehener Politiker. Als sich der Papst weigerte, die erste Ehe Heinrichs aufzulösen, wollte sich der König von der römisch-katholischen Kirche trennen und selbst Oberhaupt der englischen Kirche werden. Heinrich brauchte einen klugen Politiker, um sein Vorhaben dem Volk schmackhaft zu machen, doch Morus ließ sich dafür nicht gewinnen, sondern stand fest zur Einheit der Kirche. Den Eid, den Heinrich die Bischöfe und seine Beamten schwören ließ, verweigerte Thomas Morus. Auch als er daraufhin in den Londoner Tower eingesperrt wurde, blieb er seinem Glauben und seinem Gewissen treu. Am 6. Juli 1535 wurde Thomas Morus enthauptet.

Thomas Morus wurde 1935 gemeinsam mit John Fisher heilig gesprochen. Im Oktober 2000 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Patron der Regierenden und der Politiker. Er ist außerdem Patron der KjG (Katholische junge Gemeinde).

Herkunft des Namens: „der Zwilling“ (hebräisch)