27.05.2015

Bremer Studiengang wird geschlossen / Kirchen suchen nach Alternative

Kirchenmusik auf der „roten Liste"

Der Studiengang Kirchenmusik an der Bremer Hochschule für Künste wird bis 2020 geschlossen. Damit reagiert der Akademische Senat der Hochschule auf Sparvorgaben der Landesregierung.

 

Keine Kirchenmusik mehr an der Bremer Hochschule: Der Studiengang
wird geschlossen. Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

Die beiden Bremer Studiengänge der Kirchenmusik mit Bachelor- und Masterabschluss könnten unter den derzeitigen restriktiven finanziellen und personellen Rahmenbedingungen nicht aufrechterhalten werden, heißt es. Die derzeit immatrikulierten Studierenden können ihr Studium zwar beenden, neue werden aber nicht mehr angenommen. Zwischenzeitlich hatte sich der Deutsche Musikrat für einen Erhalt des Studienganges eingesetzt. Der Deutsche Kulturrat hatte ihn auf seine „rote Liste“ bedrohter Kultureinrichtungen in Deutschland gesetzt. Es sei absurd, an einer Hochschule mit Schwerpunkt Alter Musik die Kirchenmusik als ergänzenden musikalischen Partner zu gefährden, kritisiert der Generalsekretär des Musikrates in Berlin, Christian Höppner.

Bremens Kirchenpräsidentin Edda Bosse warnt darüber hinaus auch vor den sozialen Folgen in einer Stadt, die zunehmend mit Kinderarmut zu kämpfen habe. Studenten und Absolventen des Studienganges hätten in der Vergangenheit viele sozialdiakonische Musikprojekte mit Kindern und Jugendlichen unterstützt, die nun gefährdet seien, sagt sie.

Das „Aus" schwächt auch Studiengänge wie Gesang, Klavier und Alte Musik

Der musikalische Leiter der Bremer Kulturkirche, Tim Günther, sagt, die Entscheidung sei unverantwortlich und geschichtsvergessen. „Die Kirchenmusik gehört zu den gesamtgesellschaftlichen Grundnahrungsmitteln.“ Große Namen der Bremer Kirchenmusik zählten zu den Mitbegründern der Hochschule für Künste und hätten den Studiengang mit aufgebaut. Das Ende schwäche auch angrenzende Studiengänge wie Gesang, Klavier, Alte Musik und Cembalo.

Günther verweist darauf, dass es bundesweit in den nächsten Jahren einen steigenden Bedarf an Kirchenmusikern geben werde, weil viele Stelleninhaber in den Ruhestand gingen. „Das spricht nicht dafür, den Studiengang zu streichen, sondern ihn zu stärken.“

Die Hochschule will mit den beiden bisherigen Kooperationspartnern des Studienganges, der Bremischen Evangelischen Kirche und dem Katholischen Gemeindeverband, über einen neuen Masterstudiengang Kirchenmusik reden. Das Angebot könne insbesondere bremische Stärken wie die einzigartige norddeutsche Orgellandschaft und das besondere Profil der Hochschule im Bereich der Alten Musik einbeziehen. Für eine Umsetzung setzt die Hochschule auf die Bereitschaft der beiden Kirchen, „dauerhaft mindestens 50 Prozent der entstehenden Kosten zu übernehmen“. (epd)