03.12.2013

Emsländische Spitzensportlerin

Laufen mit Kirchenmusik im Ohr

Laufen – das ist ihre ganze Welt. Die emsländische Spitzensportlerin Maren Kock hat schon viele Meistertitel auf der Mittel- und Langstrecke gewonnen. Ihre zweite Leidenschaft, die gilt der Kirchenmusik im Jugendchor in Brögbern.

 

Training in Lingen: Jeden Tag läuft Maren Kock mehrmals um
den Dieksee. Das ist für die Leistungssportlerin wichtig als
Vorbereitung auf nationale und internationale Wettbewerbe.
Foto: Petra Dieck-Münchow

Maren Kock schaut nach oben in den Himmel. Es ist kühl, aber trocken – gerade richtig für einen Trainingslauf beim Dieksee in Lingen. Rasch holt sie Shirt und Hose aus dem Schrank, schnürt die violetten Laufschuhe fest zu und steckt sich die kleinen Kopfhörer für ihren iPod ins Ohr. Was sie unterwegs auf dem Musikgerät hört? Nicht nur die neuesten Hits, sondern ganz oft auch moderne Kirchenmusik. Zum Beispiel das fetzige Gospelstück „Lord reign in me“, das Christus bittet, durch uns in der Welt zu wirken. „Das sind richtige Kraftquellen für mich“, sagt die 23-Jährige.

Kraft – davon braucht die junge Lingenerin viel. Denn Maren Kock gilt im Emsland als Spitzenläuferin. Besonders auf den Mittel- und Langstrecken legt sie regelmäßig gute Zeiten hin. Wie viele Titel sie geholt hat? Da muss die 23-Jährige kurz nachdenken – und das ist keine Koketterie. Denn im Juniorenbereich müsste sie schon eine längere Liste schreiben. Deshalb seien nur die wichtigsten Titel genannt: 2012 deutsche Hallenmeisterin über 1500 Meter sowie deutsche U23-Meisterin über 5000 und 10 000 Meter. Und in diesem Jahr wurde sie bei den Leichtathletikmeisterschaften Zweite über 5000 Meter.

Warum Maren Kock eine passionierte Läuferin geworden ist?  „Ich wollte einfach laufen“, sagt sie und erzählt lächelnd von ihrem ersten Citylauf als Achtjährige quer durch Lingen. Die Grundschülerin belegt dabei auf Anhieb Platz 3 und wird als neues Talent entdeckt. Zwischen Realschule, Gymnasium Georgianum und der Ausbildung zur Pharmazeutisch-technischen Assistentin trainiert, trainiert, trainiert sie. Ganz ohne Starallüren, vielmehr sympathisch und bodenständig erzählt sie von ihren Wettbewerben rund um den Globus – und dass sie immer mal wieder vor dem Startschuss ein Stoßgebet gen Himmel schickt. Wie kürzlich, als sie mit dem Staffelteam des Deutschen Leichtathletik- Verbandes (DLV) zu einem Lauf nach Japan geflogen ist.

Wer in der Spitze mitlaufen will, muss intensiv trainieren

Und wie arrangiert sie das mit ihrem Job? Maren Kock arbeitet in einer Apotheke in Lingen-Damaschke, 20 Stunden in der Woche. „Mein Chef kommt mir sehr entgegen, was den Sport angeht.“ Denn wer oben in der Spitze mitlaufen will, muss jeden Tag intensiv trainieren. Bis zu zehn Laufeinheiten absolviert die 23-Jährige in der Woche. Die Emsländische Sporthilfe und einige Sponsoren unterstützen die junge Frau, die mittlerweile für einen Regensburger Verein antritt. „So komme ich dann auch finanziell über die Runden.“

Den Ruhepol zu diesen körperlichen Kraftakten findet sie unter anderem in ihrer Heimatkirche St. Marien in Lingen-Brögbern. Seit dem sechsten Lebensjahr singt sie dort im Chor mit: zuerst in der Kinderschola, mittlerweile im Jugendchor „Voluminant“. Vor allem die moderne Kirchenmusik, neue geistliche Lieder und Gospels mag sie besonders gerne. „Das ist ein wunderbarer Ausgleich neben der Arbeit und dem Sport und macht mir riesigen Spaß“, sagt sie. „Dabei kann ich richtig abschalten und wieder auftanken. Wir sind eine tolle Truppe.“ Bei ihren Läuferkollegen hat sich dieser Teil ihres Lebens schon herumgesprochen. „Die wollen immer, dass ich ihnen was vorsinge“, sagt sie schmunzelnd.

Alle zwei Wochen trifft sich „Voluminant“ samstags zur Probe in St. Marien. Und Maren Kock versucht, trotz Training und Wettkampf keinen Übungstermin zu verpassen. Chorleiter Josef Buitmann zieht seinen Hut vor so viel Disziplin. „Ich bewundere das Organisationstalent und die Zuverlässigkeit von Maren. Sie ist voll dabei – und mit ihrer Altstimme eine sichere Bank.“ Erst kürzlich konnten sich die Laxtener davon überzeugen, als der Chor für den neuen Pfarrer Hartmut Sinningen gesungen hat.

Nicht immer kann Maren Kock bei solchen Auftritten dabei sein – auch nicht beim nächsten am 8. Dezember bei Klaas in Laxten. Denn am zweiten Advent hat die 23-Jährige einen anderen Auftritt – bei den Cross-Europameisterschaften im serbischen Belgrad. Dafür trainiert sie, am Dieksee mit Kirchenmusik im Ohr. „In Christ alone“ (In Christus allein) ist ein anderes Lieblingsstück der jungen Frau. Viel Zuversicht und Hoffnung spricht aus diesem Stück. Und vielleicht spiegelt sich darin auch die Hoffnung für den nächsten großen Traum der Emsländerin wider: Olympia 2016 in Rio de Janeiro.

Petra Diek-Münchow