24.10.2012

10. November

Lübecker Märtyrer

Eduard Müller, Johannes Prassek, Hermann Lange

Geschichte: Die drei Geistlichen waren als Kapläne an der Herz-Jesu-Kirche in Lübeck eingesetzt. Sie vervielfältigten und verteilten Predigten des Bischofs von Münster, Graf von Galen, in denen der sich gegen die Vernichtung psychisch und physisch Kranker durch die Nationalsozialisten wandte. Auch bei Gruppenabenden in der Herz-Jesu-Kirche wurde offen über die Sinnlosigkeit des Krieges diskutiert. Johannes Prassek war vor allem als begabter, mitreißender Prediger und als politisch denkender Intellektueller bekannt. In Soldaten- und Jugendgruppen kritisierte er offen die Erschießung von Gefangenen und Juden. Um polnischen Zwangsarbeitern helfen zu können, lernte er Polnisch.

Nach der Verhaftung des evangelischen Lübecker Pfarrers Karl Friedrich Stellbrink wurden auch die drei katholischen Geistlichen sowie 18 Laien verhaftet. Wegen „landesverräterischer Feindbegünstigung“, „Wehrkraftzersetzung“, „Vergehen gegen das Rundfunkgesetz“ und das „Heimtückegesetz“ wurden die Geistlichen im Juni 1943 zum Tode verurteilt. Sie starben durch das Fallbeil. Die Laien bekamen Zuchthausstrafen.

Herkunft der Namen: Eduard: „Hüter des Besitzes“ (althochdeutsch); Hermann: „der Heeresmann“ (althochdeutsch); Johannes: „Gott ist gnädig“ (hebräisch)

 

 

Karl Friedrich Stellbrink

Geschichte: Pastor Karl Friedrich Stellbrink ist nicht unumstritten. Als Gegner des Nationalsozialismus verurteilt und hingerichtet, war er zunächst Anhänger dieses Systems. Stellbrink unterstützte das Programm der NSDAP aus einer deutsch-nationalen Grundhaltung. Wie viele andere ließ er sich von Hitler täuschen, der sich als Christ ausgab und mit biblischem Vokabular hantierte. Doch die Vorstellung einer fruchtbaren Symbiose zwischen Christentum und Nationalsozialismus erwies sich bald als Illusion. Nach einer Predigt wurde Stellbrink von der Geheimen Staatspolizei verhaftet.

Mit der wachsenden Einsicht in den wahren Charakter des Nationalsozialismus näherte sich Stellbrink auch den drei katholischen Kaplänen an. Stellbrinks anerzogener Antikatholizismus wich einer zunehmenden Offenheit. In dieser freundschaftlichen Verbindung erkannte er, wie bedeutsam die Predigten des Bischofs von Münster, Graf von Galen, waren. Sie enthüllten den verbrecherischen und menschenverachtenden Charakter der Naziherrschaft.

Herkunft der Namen: Karl: „der Tüchtige“ (althochdeutsch); Friedrich: „der Friedensreiche“ (althochdeutsch)