03.08.2015

Erinnerung: Abwurf der Atombombe auf Hiroshima

"Mein Gott, was haben wir getan?"

Sie hießen "Little Boy" und "Fat Man". Die Atombomben mit den so verharmlosenden Namen brachten Hunderttausenden den Tod. Am 6. August 1945, vor 70 Jahren, wurde der Schrecken des Atomzeitalters sichtbar.

Gedenkort an den Abwurf der Atombombe in Hiroshima. Im Hintergrund sieht man noch eine der Ruinen. Foto: kna-bild

Mit 12 Mann Besatzung startete der B-29 Bomber "Enola Gay" in Richtung der japanischen Stadt Hiroshima - nach Frühstück und Gottesdienst. An Bord befand sich "Little Boy". Mit Uran bestückt, besaß die Bombe eine Sprengkraft von rund 13 Kilotonnen TNT. Hiroshima war strategisch unwichtig mit rund 255.000 Einwohnern. Niemand rechnete mit einem Angriff.  

Der grelle Lichtblitz der Detonation zuckte mit der Helligkeit einer zweiten Sonne am Himmel über Hiroschima. Bob Caron, MG-Schütze der "Enola Gay", konnte die Explosion genau beobachten. Um 8.15 Uhr Ortszeit wurde die längliche, fünf Tonnen schwere Atombombe aus dem Schacht der "fliegenden Festung" in fast 9.500 Meter Höhe ausgeklinkt. "Little Boy" schwebte an einem Fallschirm auf das Herz der Stadt herab. In 580 Metern Höhe, nach 43 Sekunden, zerbarst die Bombe, und Caron sah, wie sich der riesige Feuerball formte, die Detonationswolke von Staub, Erde und Wasser wie "ein brodelndes Meer von kochendem Pech" die Stadt verschlang und eine Rauchsäule zum Himmel aufstieg, die sich zum Atompilz formte, apokalyptisches Menetekel der selbst zerstörerischen Kräfte des Menschen. Entsetzt vermerkte Kopilot Robert Lewis im Logbuch: "Mein Gott, was haben wir getan?" 

Die Bombe explodierte, während in Hiroschima die Berufstätigen zur Arbeit und die Kinder zur Schule gingen. Eine Druckwelle, viel gewaltiger als alle Orkanstürme, riss alles Leben nieder. Hitzestrahlung, in ihrem Zentrum mehr als 5.000 Grad Celsius heiß, ließ Dachziegel schmelzen, Haut verbrennen oder gar Körper einfach verdampfen: In einem Stein ist der Schatten eines sitzenden Mannes eingebrannt, der gerade auf die Öffnung seiner Bank wartete. Von den 76.000 Häusern der Großstadt wurden 70.000 zerstört oder beschädigt. Extreme Radioaktivität fügte tödliche Schäden auch noch Tage später zu, so dass auch suchende Familienangehörige und ahnungslose Helfer verstrahlt wurden. Die Leidensgeschichte der "hibakusha", der Atombombenopfer, dauert bis heute an an.  
 

Mehr als 200.000 Opfer bis heute

Die höchsten Schätzungen der Todesopfer belaufen sich auf 140.000 nach Jahresfrist, mehr als 200.000 bis heute: Die meisten Opfer waren Zivilisten. Drei Tage später, am 9. August 1945, detonierte über Nagasaki die zweite Atombombe der Kriegsgeschichte, befeuert nicht von Uran wie ihre Schwesterwaffe, sondern von Plutonium. "Fat Man" hatte eine wesentlich höhere Sprengkraft und forderte bis 1949 geschätzte 150.000 Tote. 

Die atomare Katastrophe wurde den US-Bürgern als befreiender Schlag verkauft, der eine verlustreiche Invasion erspart habe. US-Präsident Harry S. Truman wollte den Widerstandswillen der japanischen Führung und ihrer Streitkräfte brechen und zugleich der Sowjetunion die Macht der Amerikaner demonstrieren. Warnende Stimmen, die forderten, die Gewalt der Waffe zunächst öffentlich zu demonstrieren und danach Japan ein Ultimatum zu stellen, wischte der Präsident beiseite.  

"Die Kraft, die aus der Sonne Macht bezieht, ist auf diejenigen losgelassen worden, die dem Fernen Osten Krieg brachten", erklärte Truman einen Tag nach Hiroshima der Weltöffentlichkeit. Er forderte die totale Kapitulation. Kein Wort davon, dass ein zweiter Abwurf auf Nagasaki vorgesehen war.  

Nach Hiroschima und Nagasaki widmete Albert Einstein, der aus Furcht vor der Atombombe in den Händen der Nazis dem US-Atom-Programm wesentlichen Anstoß gegeben hatte, seine letzten Lebensjahre der Friedensarbeit. Gandhi, Vorbild des Physikers, urteilte über den alliierten Luftkrieg: "In Dresden und Hiroschima hat man Hitler mit Hitler besiegt."

Inzwischen gibt es neun Atommächte. Den USA folgte 1949 die Sowjetunion, danach 1952 England, 1960 Frankreich, 1964 China. Israel besitzt die Bombe vermutlich seit 1967, Indien seit 1974, Pakistan seit Beginn der 1980er Jahre und Nordkorea nach eigenen Angaben seit 2006. Ob der Iran nach schwierigen internationalen Verhandlungen langfristig auf die Entwicklung der Atombombe verzichtet, bleibt offen.

kna