20.04.2016

Bischof Franz-Josef Bode besucht die ostfriesischen Inseln

Mit der Fähre zur Firmung

Noch bis Juni ist der Bischof in Ostfriesland unterwegs. Um die Gemeinden zu besuchen, um Jugendliche und auch Erwachsene zu firmen. Manchmal muss er dafür fliegen oder eine Fähre nehmen. Zum Beispiel für Langeoog.

 

Ein besonderer Moment: Bischof Bode spendet Angelina Janßen(l.) und Nicole Damwerth das Sakrament der Firmung. Foto: Klaus Kremer

Franz-Josef Bode schaut auf die Uhr. „Haben wir noch Zeit, zum Strand zu laufen?“, fragt er Susanne Wübker und Bernd Heuermann. Die Pastoralreferentin und der Pfarrer nicken: Wenn der Bischof auf Langeoog ist, soll er auch die Nordsee sehen. Und dann marschieren die drei mit flottem Schritt den Pfad hinter der St.-Nikolaus-Kirche hoch. Durch die Dünen über den Bohlenweg bis auf eine Anhöhe. Bode schirmt die Augen gegen die Sonne ab und atmet tief ein. „Das hat was, oder?“, sagt er.

Das hat was – dieser Satz könnte für die ganze Firm- und Visitationsreise in Ostfriesland stehen. Bis Juni besucht Bischof Bode die fünf Pfarreiengemeinschaften zwischen Spiekeroog und Rhauderfehn. Etwa 250 junge Leute wird er in den Gemeinden firmen. Und zwei erwachsene Frauen auf Langeoog, auch deshalb ist dieser Tag etwas Besonderes.

Dabei muss er in Ostfriesland oft andere Wege nehmen als sonst im Bistum: nach Juist das Flugzeug oder wie heute Morgen die „Langeoog 4“ ab Bensersiel. Viele Jugendliche strömen vor ihm auf die Fähre. Als sie plötzlich klatschen, dreht sich Bode überrascht um. Aber der Beifall gilt nicht ihm, sondern dem Mitschüler, der es gerade noch zur Klassenfahrt schafft. Den Bischof hatten sie gar nicht erkannt.

Gut 40 Minuten dauert die Überfahrt. Zeit für einen Kaffee mit Pfarrer Heuermann, Zeit für einen langen Blick auf Meer und weiten Himmel. Das tut auch einem Bischof gut. „Vieles bleibt zurück, wenn wir auf eine Insel fahren“, hat er für die „Langeoog News“ geschrieben. Die Inselzeitung hat ihm viel Platz eingeräumt, schließlich liegt sein letzter Besuch acht Jahre zurück.

Mehr Aufatmen gibt es jetzt erst mal nicht, an Land startet das Programm sofort. Im Rathaus schenkt Bürgermeister Uwe Garrels Ostfriesentee mit Kluntje ein. Schnell kommen Verwaltungsmann und Bischof ins Gespräch: über Klimaschutz, Seelsorge und soziale Fragen. „Das Angebot der Kirchen ist für uns extrem wichtig“, sagt Garrels. Gleich danach geht es zum evangelischen Inselpastor Christian Neumann. Das Hauptthema? Natürlich die Ökumene. „Wir können es uns nicht mehr leisten zu streiten“, meint Bode ganz richtig. Wie tragfähig die Basis längst ist, zeigt auf wunderbar einfache Weise das gemeinsame Mittagsgebet in der Inselkirche. Und am Ende wird der Bischof dann doch erkannt – von einer Osnabrückerin. „Darf ich ein Foto mit Ihnen machen?“, fragt Christel Thörner. Darf sie.

Die zwei Töchter stehen am Altar

Auf Gespräche, Momente, Begegnungen legt Franz-Josef Bode bei einer Visitation viel Wert. Damit er weiß, was in der Region gerade diskutiert wird. Denn in Ostfriesland mit zum Teil nur drei Prozent Katholiken ist die Situation anders als nebenan im Emsland. „Hier können wir lernen, wie Kirche in kleinen Gruppen intensiv leben kann“, sagt er.
 

Einmal kurz Seeluft schnuppern: Bischof Franz-Josef Bode am Strand
auf Langeoog. Foto: Manfred Münchow

Ein Thema auch für das Mittagessen mit Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand. Aber nach Rotbarsch und Rumpsteak geht es mehr darum, Danke zu sagen. Zum Beispiel Dagmar Wiedel, 87 Jahre alt und seit Jahrzehnten in St. Nikolaus aktiv. Lächelnd nimmt die frühere Lehrerin ein Geschenk entgegen. Und plaudert gern darüber, wie das früher so war auf Langeoog.

Dass sich die Gemeinde heute gut entwickelt, liegt jetzt auch in der Hand von Susanne Wübker – seit Januar als Pastoralreferentin auf der Insel. Im Vier-Augen-Gespräch redet sie mit dem Bischof über ihre Aufgaben und Ziele – nur unterbrochen von einem Telefoninterview, das Bode zwischendurch geben muss. Trotzdem kommen beide pünktlich ins Pfarrheim, dort schlägt Brigitte Suttner schon die Kirchenbücher auf. „Schauen Sie mal, Herr Bischof“, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes und zeigt auf eine Unterschrift vom 14. März 2008, „da waren Sie zum letzten Mal hier.“ Gemeinsam schlagen beide Seite um Seite auf, auch bei den Protokollen und der Chronik. „Gut haben Sie das gemacht“, lobt Bode. Und dann flitzt Brigitte Suttner los, um sich für die Firmung umzuziehen.

Das haben Nicole Darmwerth und Angelina Janßen schon gemacht. Im Pfarrsaal erzählen die Frauen, beide sind Mitte 40, dem Bischof von ihrer bewussten Entscheidung für die Firmung. Die eine ist eher antireligiös erzogen worden und hat erst spät den Glauben entdeckt. Die andere ist katholisch aufgewachsen und hatte dann Zweifel. „Aber jetzt fühlt es sich gut an“, sagt Angelina Janßen und strahlt über das ganze Gesicht. Und Franz-Josef Bode sagt, wie froh er über dieses Glaubenszeugnis ist.

Die gute Stimmung nehmen alle mit in den Gottesdienst hi­nein. Feierlich geht es zu – mit einem großen Einzug, mit Gesang vom Gospelchor, mit mächtigem Orgelspiel. Familien und Freunde sind gekommen, die Töchter von Nicole Damwerth stehen als Messdienerinnen am Altar. Als der Bischof den Frauen die Hand zur Firmung auflegt, da stimmt wieder der Satz vom Strand: Dieser Tag hat was.

Petra Diek-Münchow