22.03.2017

Vor der Erstkommunion wird in Bad Laer an die Taufe erinnert

Mit der Taufe fing alles an

Können sich Kinder an Jesus orientieren? „Er war nie böse und hat nichts Schlechtes gemacht“, ist das Fazit eines Jungen, der sich beim Tauferinnerungsfest in Bad Laer mit christlichen Werten auseinandergesetzt hat. Auch viele Eltern, die im Alltag Hektik erleben, wurden nachdenklich. 

Mit Handabdrücken verzierten Kinder und Eltern das selbst gestaltete Schiff, „das sich Gemeinde nennt“. Foto: H. Sieg-Hövelmann„Damit wollte Jesus den Jüngern zeigen, wie doll er sie liebhat“, sagt Eva und wippt mit ihren Füßen in der Schale auf und ab. Dass das Mädchen noch Strümpfe anhat und kein Wasser zum Einsatz kommt, tut der symbolischen Handlung keinen Abbruch. Das Geschehen an Gründonnerstag mit Fußwaschung und Abendmahl bei Fladenbrot und Apfelsaft steht im Mittelpunkt des Workshops „Tut dies zu meinem Gedächtnis“.  

Eltern und Kinder sitzen in einem mit Tüchern verhangenen Raum auf Teppichen und Sitzkissen um einen flachen Tisch herum. Im Hintergrund läuft leise orientalische Musik. Alle machen die Zeitreise in dem historisch anmutenden Ambiente begeistert mit. Und die beteiligten Kinder, die bald zur Erstkommunion gehen, wissen schon erstaunlich viel über die Hintergründe, über Jesus und die Kirche. 

Gern denken sie darüber nach, was Nächstenliebe und sich christlich zu verhalten bedeutet. „Wenn einer nicht gut in der Schule ist, sollten wir ihm helfen“, sagt Judith. „Kinder, die noch keine Freunde haben, mal einladen“, fügt Johanna hinzu. Und Niclas überlegt laut:  „Jesus war nie böse und hat nie was Schlechtes gemacht.“ 

Annegret Krampe, die als pastorale Mitarbeiterin den Workshop leitet, freut sich über die klugen Kommentare und ermuntert: „Das ist nicht leicht und gelingt bestimmt nicht immer. Doch wir können uns darum bemühen und Jesus als Vorbild nehmen.“ Denn durch die Taufe sei jeder Christ dazu berufen, nach Gottes Geboten und Weisungen zu handeln. Diese Botschaft verfehlt nicht ihre Wirkung. Es ist ruhig in der Runde, ein Vater meint später nachdenklich: „Man verliert im Alltag manchmal die eigentlich wichtigen Fragen aus dem Blick. Es tut gut, zu erleben, wie die Kinder mit dem Herzen dabei sind und sich als Erwachsener vor Augen zu führen, was die Taufe für das eigene Leben bedeutet.“

Glauben ins Gespräch bringen und Lust machen auf Gemeinschaft

Genau dazu will der Familientag in der Pfarreiengemeinschaft  Mariae Geburt Bad Laer und St. Antonius Remsede als Teil der Erstkommunionvorbereitung anregen. „Wir möchten den Glauben wieder ins Gespräch bringen und Lust machen auf die christliche Gemeinschaft“, erklärt Annegret Krampe, die das Konzept entwickelte. Denn heutzutage funktioniere die Glaubensweitergabe in den Familien nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Sie zitiert Papst Franziskus, der in seinem nachsynodalen Schreiben „Amoris laetitia“ – Freude der Liebe“ formuliert: „Von großer Hilfe ist die Familienkatechese als wirksame Methode, um die jungen Eltern auszubilden und ihnen ihre Sendung als Verkünder des Evangeliums in ihrer eigenen Familie bewusstzumachen.“ 

In Bad Laer funktionierte das spielerisch und unterhaltsam. Die 67 Familien konnten sich zu drei von sechs Workshops anmelden. Das waren neben dem szenischen Abendmahl: 1. „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“ – geleitet von den Taufkatechetinnen Steffi Menke und Malgorzata Eichholz-Maj. 2. Singen macht Spaß“ (Ehrenamtlerin Mechthild Drop). 3. „Königskinder – gesalbt, gekleidet und entzündet, um die Worte des Einen zu hören“ (Diakon Thomas Beering). 4. „Wasser – Element des Lebens“ (Gemeindereferent Thomas Steinkamp). 5. „Trommeln und Tanzen“ (Kaplan Coffi Regis Akakpo). Kaplan Regis Akakpo, der aus dem afrikanischen Benin stammt und im benachbarten Hagen als Kaplan eingesetzt ist, berichtete über die strengen Vorbereitungen zur Erstkommunion in seinem Heimatland. In Benin dauert die Katechese drei Jahre lang, umfasst jedes Jahr Prüfungen, und die Teilnahme an den sonntäglichen Gottesdiensten ist verpflichtend.

Ein Glas mit Weihwasser für zu Hause als Erinnerung an die Taufberufung

Bei der Tauferinnerungsfeier mit Pfarrer Maik Stenzel und Diakon Matthias Beering als Zelebranten präsentierten Kinder und Eltern die Ergebnisse aus den Arbeitskreisen. Der Antwortgesang nach Lesung und Evangelium wurde lautstark getrommelt. Väter und Kinder sprachen Fürbitten. Der Workshop-Chor sang das Lied im „Meer der Zeit“, und das mit Fingerfarben bunt gestaltete Gemeindeschiff mit dem übergroßen Jesus als Kapitän nahm vorne am Altar seine Fahrt auf. Neben Handabdrücken gab es auf dem Schiff lesenswerte Kommentare der Jüngsten zu dem, was sie sich von ihrer Gemeinde für die Zukunft wünschen: „Mehr Bewegung im Gottesdienst“, „Fußballspielen mit dem Pastor“, „Gemeinsame Eiersuche nach der Ostermesse“ oder „Rudelbeten im Kurpark“. 

Damit sie sich immer wieder an die Taufberufung erinnern, bekamen alle Kinder ein kleines Glas Weihwasser mit nach Hause. Nicht ohne den Hinweis von Annegret Krampe: „Wenn es verbraucht ist, könnt ihr es an der ,Tankstelle‘ in der Kirche wieder auffüllen.“

Heike Sieg-Hövelmann