12.03.2014

Marco Strodt-Diekmann tritt als "Opa Anton" auf

Mit Herz und Schnauze

Viele Emsländer und Grafschafter kennen „Opa Anton“ – von der Bühne, aus dem Radio und regionalen Fernsehen. Aber wissen Sie, wer hinter der Figur des skurrilen Bauern steckt? Das ist Marco Strodt-Diekmann, ein Sozialpädagoge und Musiker aus Haren. 

Ein Mann, zwei Gesichter: Marco Strodt-Diekmann braucht nur wenige Requisiten, um sich in „Opa Anton“ zu verwandeln. Die Wirkung ist verblüffend, wie er mit einer Aufstellfigur beweist.

Schicke Brille, gestylte Haare, ein sympathisches Lächeln im runden Gesicht: So sieht „Opa Anton“ also wirklich aus? Da ist man erst mal verblüfft. Denn wer den „dicksten Bauern aus dem Emsland“ bei einem Auftritt erlebt hat, mag kaum glauben, dass Marco Strodt-Diekmann in der komischen Figur steckt. Dabei braucht der 38-Jährige nur wenig Requisiten, um sich zu verwandeln. Puder ins Gesicht, rote Farbe auf die Nase, Mütze auf und Jacke an – schon ist „Opa Anton“ fertig. Mehr als dieses einfache Kostüm verändern Mimik und Sprache den Sozialpädagogen. Kleine Kostprobe gefällig? Gern. Von jetzt auf gleich kann der Harener in seine Rolle schlüpfen – und er liebt das. „Was gibt es Schöneres als die Leute zum Lachen zu bringen?“

Seit fast zehn Jahren verkörpert er diese Comedyfigur mit Herz und Schnauze. Alle Lieder und Wortbeiträge schreibt Strodt-Diekmann selbst, auf plattdeutsch. Tritt damit bei Geburtstagen und Hochzeiten, bei Betriebsfesten und Kirchenjubiläen, im regionalen Fernsehen und Radio auf. Das Angebot einer Agentur, auf die richtig große Bühne zu gehen, hat der 38-Jährige ausgeschlagen. Ihm gefällt die Atmosphäre von Dorf zu Dorf viel besser. Da ist er dichter dran an seinem Publikum, da spürt er die Stimmung hautnah.

Zu Beginn war „Opa Anton“ nur eine Nebenrolle in einem Theaterstück gewesen – kam bei den Zuschauern aber so gut an, dass es Nachfragen hagelte. Denn wie der sich auf plattdeutsch über „Fazzebuck“ (Facebook) auslässt oder solch seltsame Ideen wie ein Schwimmbad im hauseigenen Güllebecken vorschlägt – das gefällt den Leuten. „Opa ist ein Grantelkopp“, versucht Strodt-Diekmann den Erfolg zu erklären. „Laut, schnoddrig, ein bisschen großkotzig, weiß alles und eigentlich gar nichts – aber er hat das Herz auf dem rechten Fleck.“

 

Sein Onkel ist der Domkapitular

Letzteres trifft auf den 38-Jährigen auch privat zu, das andere so gar nicht. Da ist er viel ruhiger, vor allem „ein Familienmensch.“ Er lebt mit Frau und zwei kleinen Töchtern als „begeisterter Emsländer“ im Harener Ortsteil Wesuwe und stammt aus einer musisch begabten Familie. Vater Josef gehört zu der Kirchenband „Luckies“, alle Geschwister spielen Instrumente, sein Onkel ist Domkapitular Alfons Strodt – im Bistum bekannt für sein gutes Orgel- und Trompetenspiel. Auch Marco Strodt-Diekmann liebt Kunst, Kultur und Musik. Gehörte zu den „Wesuweer Dorfmusikanten“ und einer Rockband, hat viele Jahre über den Verein „Ems-Kultur“ Konzerte, Lesungen und Theaterstücke organisiert.

Beruflich geht er andere Wege. Nach einer Lehre zum Industriekaufmann und dem Zivildienst beim St.-Vitus-Werk in Meppen, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen, studiert Strodt-Diekmann an der katholischen Fachhochschule in Vechta Sozialpädagogik und Sozialarbeit. „Ich wollte etwas machen, wo ich mehr mit Menschen zu tun habe“, sagt er. Hat er dann auch: zuerst bei der Suchtberatung in Georgmarienhütte, dann beim St.-Vitus-Werk in Meppen. Dort leitet er jetzt den Bereich Wohn- und Lebensgestaltung. Mit seinen Kollegen kümmert er sich darum, dass Menschen mit Behinderungen so weit wie möglich eigenständig leben können.

Und wie passt das zusammen – die plattdeutsche Comedyfigur und die ernsthafte Leitungsfunktion? „Gut“, sagt der 38-Jährige. Denn er achtet darauf, dass sich beide Bereiche nicht vermischen. Im Dienst ist er eben nicht „Opa Anton“, sondern Marco Strodt-Diekmann. Trotzdem nimmt er aus seinem Beruf einiges für sein Hobby mit. Wie Menschen mit Behinderungen sich über das Leben freuen, wie spontan, offen und kreativ sie sind – das inspiriert den 38-Jährigen. „Da können wir alle von ihnen lernen.“

„Wofür hat uns Gott das Lachen geschenkt?“

Natürlich weiß der Wesuweer, dass der spezielle Humor seiner Comedyfigur nicht jedem Zuhörer gefällt. Dass er manchem zu plump ist, dass er beliebte Klischees über Emsländer bedient. „Aber vielleicht brauchen die Leute in unserer komplizierten Zeit genau das“, sagt er. „Einfach mal herzhaft lachen. Lachen ist Balsam für die Seele. Wofür hat der liebe Gott uns das schließlich geschenkt?“ Die Ideen für seine Auftritte findet er oft im Alltag in kleinen komischen Momenten: am Kaffeetisch, nach einem Auftritt, unterwegs am Wochenende. Eins ist ihm dabei wichtig – sich nie über Randgruppen lustig zu machen. „Das wäre mir zu billig.“

Ohnehin möchte Marco Strodt-Diekmann sein Programm künftig in eine andere Richtung bewegen – weniger Klamauk und mehr Ausflugstipps aus der Region. Als „Opa Anton“, immer noch auf plattdeutsch und immer noch amüsant, will er dabei Werbung machen für das Emsland und die Grafschaft. „Ich mag diese Region und ihre Sprache einfach“.

Petra Diek-Münchow

Fotos: Diek-Münchow/Schöning Fotodesign

 

Ganz neu ist die zweite CD, die Marco Strodt-Diekmann als „Opa Anton“ gerade gemacht hat. Auf dieser „Landspielplatte“ gibt es 15 plattdeutsche Songs mit Rock, Reggae, Blues, Walzer und Schlagern. Wer „Opa Anton“ noch gar nicht kennt, kann ihn jede Woche montags und donnerstags gegen 10.10 Uhr, 14.10 Uhr und 16.10 Uhr bei der „Ems-Vechte-Welle“ im Radio hören. Außerdem ist er regelmäßig im regionalen Fernsehsender „ev1.tv“ im Internet oder über Kabelfernsehen zu sehen.
Mehr Infos:
http://www.opa-anton.de