06.05.2015

Philippinische Gäste geben Tipps

Mitsorgende Gemeinde – wie geht das?

Für manchen Distanzierten ist die Kirche ein „aussterbender Verein“. Auch engagierte Gemeindemitglieder können sich nicht vorstellen, wie die Kirche in Zukunft bestehen soll. Hoffnung schöpfen dagegen die Teilnehmer eines Workshops, den Referenten von den Philippinen gegeben haben.

 

Alicia Gutierrez (l.) brachte beim Workshop in Haus Ohrbeck Ideen der „Kirche der Beteiligung“ ins Bistum. Foto: Matthias Petersen

Wenn man mit jemandem wirklich befreundet ist, gibt man ihm gerne einen Kosenamen. So gesehen können sich Pater Mark Lesage, Alicia Gutierrez und Estela Padilla wahrscheinlich etwas darauf einbilden, dass sie hier die „Bukalis“ genannt werden. Sie sind Mitarbeiter im Pastoral­institut Bukal auf den Philippinen und kümmern sich darum, dass es mit der „Kirche der Beteiligung“ vorangeht. Ins Haus Ohrbeck sind sie gekommen, um Erfahrungen an Interessierte aus dem Bistum Osnabrück weiterzugeben. In einer „Kirche der Beteiligung“ hat nicht allein der Pfarrer das Sagen.

Auf offene Ohren stößt das Team bei Haupt- und Ehrenamtlichen aus der „Pfarreiengemeinschaft am Teutoburger Wald“, den Gemeinden rund um Bad Rothenfelde. Maria Niehaus aus dem Pfarrgemeinderat (PGR) weiß, dass es in allen norddeutschen Bistümern ähnlich aussieht: Gemeinden werden zusammengelegt, die Zahl der Priester und Gläubigen geht zurück. „Wir müssen Wege finden, um aus der Situation herauszukommen“, sagt die 61-Jährige. Sie hört heute, dass die Idee, alle Gemeindemitglieder an der Verantwortung zu beteiligen, schon im Zweiten Vatikanischen Konzil verankert ist. Und fragt sich nun, warum solche Gedanken erst jetzt zum Tragen kommen, wo die Not immer größer wird. Sie hört auch, dass es wichtig ist, auf die Menschen im Stadtteil zuzugehen, sie danach zu fragen, was sie von der Kirche erwarten, wo sie Hilfe benötigen. Sie spürt die Liebe der „Bukalis“ zum Wort Gottes, die auch ihr sehr wichtig ist. „Vor PGR-Sitzungen gucken wir jetzt auch immer zusammen in die Bibel. Und ich bin erstaunt, welch unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen wir da finden. Das sind schöne Erlebnisse.“

Die Pfarreiengemeinschaft überlegt zurzeit, welche Schritte sie gehen möchte, um die „Kirche der Beteiligung“ umzusetzen. Das braucht Zeit, das geht nicht von heute auf morgen. „Es ist nicht einfach, diese Unsicherheit auszuhalten“, sagt Maria Niehaus. Und sie gibt zu, dass sie auch ein wenig ängstlich ist.

Was soll mit einem Pfarrfest erreicht werden?

„Ich bin schon ganz unruhig, weil ich endlich etwas tun will.“ Auch Barbara Bischoff war beim Workshop und möchte jetzt gerne umsetzen, was sie erfahren hat. Einmal sollten die Teilnehmer ein typisches Pfarrfest planen. Das ging im Fall Bad Rothenfelde ganz schnell. Erbsensuppe soll es geben, Kaffee und Kuchen, Getränke. Wer kümmert sich? Da wurde es schon schwieriger. Kommen überhaupt genug Leute? Dann gaben die Gäste von den Philippinen einen Tipp: „Überlegt doch mal, was ihr mit dem Pfarrfest überhaupt erreichen wollt“, sagte Alicia Gutierrez.

Dieser eine Hinweis warf alle Planungen über den Haufen. Bischoff zählt auf: „Wir wollen Freude an der Kirche vermitteln, Zugezogene erreichen, die verschiedenen Nationalitäten im Ort einbinden, Leute auf uns aufmerksam machen.“ Als Erstes wurde die Erbsensuppe gestrichen, denn es könnte ein Buffet geben, das die Nationalitäten bestücken. Ein anderer Gedanke: Alle Besucher müssten Namensschilder bekommen, damit man auch weiß, mit wem man es zu tun hat. „Da haben wir gemerkt, dass die Personalfrage noch ganz weit weg ist“, sagt die 33-Jährige, die auch Mitglied im Pfarrgemeinderat ist. Bischoff weiß, dass diese visionären Prozesse Zeit brauchen. „Und da habe ich die Befürchtung, dass wir das Hier und Jetzt aus den Augen verlieren könnten. Wir haben doch so viele Baustellen.

Die drei „Bukalis“ haben mit ihrer Art den Workshopteilnehmern Mut gemacht. Gerade, wenn es darum geht, eine Vision zu entwickeln, wie die Kirche im eigenen Stadtteil sein soll. „Diese Vision gibt nicht der Pfarrer vor“, sagt Alicia Gutierrez. Das Geheimnis einer Vision bestehe darin, dass viele Menschen sie als ihren Besitz betrachten. „Dann sind sie auch bereit, dafür zu arbeiten. Die Strukturen sind am Ende dazu da, der Umsetzung der Vision zu dienen.

Matthias Petersen