29.10.2015

Arbeitskreis gedenkt des Lübecker Kaplans Johannes Prassek

Mut haben, die Wahrheit zu sagen

Ein Arbeitskreis in der Osnabrücker Pfarrei Christus König hält die Erinnerung an Johannes Prassek aufrecht. Prassek ist von den Nazis hingerichtet worden. Am 10. November wird der Lübecker Märtyrer gedacht.

 

Der Künstler Dominikus Witte und die Mitglieder des Arbeitskreises, Josef Krotzek und Wilfried Sondermann (v.l.), vor dem Prassek-Haus in Osnabrück. Foto: Andrea Kolhoff

Der erste Stolperstein, der in Osnabrück verlegt wurde, erinnert an Johannes Prassek, den katholischen Geistlichen, der von den Nazis ermordet wurde. Johannes Prassek, Arbeitersohn aus Hamburg, war 1937 zum Priester des Bistums Osnabrück geweiht worden und später als Kaplan in Lübeck tätig. Hier kümmerte er sich als Seelsorger auch um polnische Zwangsarbeiterinnen und beteiligte sich daran, die heimlich vervielfältigten Predigten über das Euthanasieprogramm der Nazis zu verteilen, die der Bischof von Münster, Graf von Galen, gehalten hatte.

Prassek wurde ebenso wie die Priester Hermann Lange und Eduard Müller und der evangelische Geistliche Karl Friedrich Stellbrink von den Nazis verhaftet und hingerichtet. In Lübeck wird an die als Lübecker Märtyrer 2011 selig gesprochenen katholischen Priester sowie an Stellbrink erinnert. Der Gedenktag wird am 10. November gefeiert.

Der „Arbeitskreis Johannes Prassek“ hält in Osnabrück die Erinnerung an den Geistlichen aufrecht. Der Arbeitskreis ist an die Gemeinde Christus König angebunden, denn in der Christus-König-Kirche hat Prassek damals seine erste Messe nach der Priesterweihe gefeiert. Er feierte die Primiz in Haste, weil er hier gute Verbindungen zur Familie Grothaus hatte.

Aufführung „Was ist der Mensch?"

Der Arbeitskreis hat sich für die Verlegung eines Stolpersteins eingesetzt und versucht, andere und auch junge Leute für Prasseks Handeln zu interessieren und einen Bogen in die heutige Zeit zu schlagen. Die Menschen könnten sich fragen, „was ist Prasseks Vermächtnis?“, erläutert Wilfried Sondermann, Mitglied des Arbeitskreises. Eine mögliche Antwort darauf gibt der Flyer, mit dem der Arbeitskreis über Prassek informiert: „Den Mut haben, die Wahrheit zu sagen“, steht auf der ersten Seite.

Dass es auch heute wichtig sein kann, Mut zu haben und Wahrheiten auszusprechen, versucht der Arbeitskreis zu vermitteln. Josef Krotzek, Leiter des Graf-Stauffenberg Gymnasiums, hatte als Mitglied des Arbeitskreises die Möglichkeit, mit Schülerinnen und Schülern seiner Schule zu sprechen, die in ihrem Seminarfach das Thema „Was ist der Mensch?“ behandeln und über Prassek zu informieren. Diese Jugendlichen bereiten derzeit das Programm für die Gedenkfeier von Stadt und Landkreis Osnabrück zum 9. November vor (16.30 Uhr im Schloss). Sie wollen einen Bogen schlagen ins Heute, Geschichte und Gegenwart verbinden.

Der Arbeitskreis hat die Jugendlichen eingeladen, ihr Programm auch in Haste aufzuführen. Dazu stellt die Angelaschule ihre Aula zur Verfügung. Beginn ist am Freitag, 20. November, um 19.30 Uhr in der Bramstraße. Außerdem gibt der Arbeitskreis zu seinem zehnjährigen Bestehen einen Digitaldruck einer Fotocollage von Dominikus Witte heraus. Die Collage nimmt die Form eines Triptychons auf. Der Druck ist zum Preis von 20 Euro im Pfarrbüro erhältlich.

Andrea Kolhoff